Home
http://www.faz.net/-gv6-75u99
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Nikkei Die Renaissance des japanischen Aktienmarktes

Die Börsenmusik spielt derzeit in Japan. In nur zwei Monaten hat der Nikkei um 26 Prozent zugelegt. Das entspricht fast dem gesamten Anstieg des Dax in 2012. Diese Woche fehlten dem japanischen Leitindex nur wenige Punkte, um erstmals seit fast drei Jahren wieder über 11.000er-Marke zu steigen.

© dpa Vergrößern

Hoher Druck auf Regierung

Die Erwartung einer immer lockereren Geldpolitik der Bank of Japan schwächt den Yen enorm. Das aber verbessert die Position der exportorientierten japanischen Wirtschaft erheblich. Der Druck der neuen Regierung unter Premier Shinzo Abe auf die Bank of Japan ist groß. Um die Konjunktur endlich in Schwung zu bringen, soll diese den Riemen auf die Geldpresse werfen. Am Dienstag treffen sich die Notenbanker um ihren Chef Masaaki Shirakawa, um über die Geldpolitik zu beraten. Medien berichten, die Notenbanker könnten erstmals seit neun Jahren an zwei aufeinanderfolgenden Treffen die Geldmenge ausweiten. Spekuliert wird über umgerechnet 110 Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema

Die Aussicht auf eine Yen-Schwemme lastet schwer auf der Währung. Seit Mitte November hat der US-Dollar zum Yen um zehn auf 90 Yen aufgewertet. Der Euro ist in diesem Zeitraum zur japanischen Devise sogar um fast 20 Yen gestiegen. Daten einer US-Behörde zufolge hat der Yen mittlerweile den Euro als diejenige Währung abgelöst, bei der Investoren am stärksten auf fallende Kurse wetten. Von einem regelrechten „Yen-Bashing“ spricht Carolin Hecht von der Commerzbank.

Der Einbruch des Yen befeuert die Rallye an der Börse in Tokio fast täglich aufs Neue. Am Donnerstag riet Credit Suisse, japanische Aktien überzugewichten. Diese seien im Schnitt 40 Prozent unterbewertet, argumentiert der Chefanalyst Andrew Garthwaite. Er räumt dem Nikkei weitere 1.000 Punkte Aufwärtspotenzial ein. Automobilaktien wie Honda, Toyota oder Suzuki sind seit Jahresbeginn zwei- bis dreimal so stark gestiegen wie BMW, Daimler oder VW.

Nachholpotenzial

Die Renaissance des japanischen Aktienmarktes ist insofern erwähnenswert, als der Nikkei seit Jahren als der kranke Mann unter den weltweiten Börsenindizes gilt. Es lohnt einen Blick zurück: Bis zum August 2004 bewegten sich der DAX, der S&P-500 und der Nikkei etwa im Gleichklang miteinander. Doch dann trennten sich die Wege der großen drei. Der DAX ist seitdem ohne Unterbrechung der Outperformer, hat sich mehr als verdoppelt. Der S&P-500 konnte den Nikkei erst im Sommer 2010 abschütteln und ist seitdem um knapp 50 Prozent gestiegen.

Der Nikkei-Index hat dagegen seit 2004 per Saldo stagniert. Vom Kurseinbruch der Jahre 2007 und 2008 hat sich Japans Börse im Gegensatz zu ihren Pendants in den USA und Europa nicht mehr erholen können. Die notorisch rezessionsgeplagte Wirtschaft des Landes hat tiefe Spuren am Aktienmarkt hinterlassen. Vor allem ausländische Investoren sind laut Garthwaite in japanischen Aktien nach wie vor stark unterinvestiert.

Wetten gegen den Yen

Seit zwei Monaten setzen sie aber wieder auf die japanische Karte. „Fragt sich nur, ob die Bank of Japan bei ihrer Sitzung kommende Woche die extremen Markterwartungen nicht doch mit Füßen tritt“, warnt Commerzbank-Analystin Hecht. Stiegen die Wetten auf die Notenbank ins Unermessliche, dann drohten Anleger sich mit ihren Währungspositionen die Finger zu verbrennen. Die Nervosität nehme zu: In nur wenigen Wochen sei die Volatilität des Dollar/Yen auf neue Höchststände gestiegen.

Sollte die Bank of Japan den Spekulationen auf immer neues Notenbankgeld tatsächlich die Stirn bieten, dann dürften die Marktakteure die Reißleine ziehen. Ein nach oben schießender Yen und ein einbrechender Nikkei wären wohl die Folge. Zumindest kurzfristig könnten sich die Anleger wieder von Japan abwenden. Und vielleicht wieder auf den DAX setzen. Denn der stagniert seit Wochen schon unter 7.700 Punkten.

Quelle: FAZ.NET, Dow Jones Newswires

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abenomics Japans Unternehmen erzielen Rekordgewinne

Die Großunternehmen in Japan verbuchen Rekordgewinne und erwarten weitere Hochstände. Ist das ein Erfolg der Abenomics? Mehr Von Patrick Welter, Tokio

19.05.2015, 06:51 Uhr | Wirtschaft
Quiz: 33 Jahre Showgeschichte Wetten, dass Sie nicht alles wissen?

Am 13. Dezember geht eine Ära zu Ende: Mit einer letzten Show möchte sich Wetten, dass..? nach 33 Jahren verabschieden. Testen Sie Ihr Wissen über die Geschichte und die Highlights der legendären Samstagabend-Sendung. Mehr Von Sophia Dollsack

13.12.2014, 16:32 Uhr | Gesellschaft
Weitere Nachrichten EU-Kommission kritisiert Reformmangel in Kroatien

Die EU-Kommission kritisiert den Reformmangel in Kroatien, Brasilien zieht die Budgetbremse. Das japanische Handelsbilanzdefizit fällt im April deutlich kleiner aus als erwartet. Mehr

26.05.2015, 06:43 Uhr | Wirtschaft
Wetten, dass...? Markus Lanz im Gespräch mit Samuel Koch

Markus Lanz redet mit Samuel Koch über dessen Schicksal, welches mit Wetten, dass..? verbunden war und ist. Mehr

14.12.2014, 10:09 Uhr | Gesellschaft
Konjunktur Japan wächst schneller als Amerika und Europa

Japans Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Rezession heraus. Am Jahresanfang wuchs die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent. Wie robust ist die Erholung? Mehr Von Patrick Welter, Tokio

20.05.2015, 07:13 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.01.2013, 15:30 Uhr

Kita-Streik Wir wollen die Kita-Gebühren zurück!

Die Kitas sind wegen Streik geschlossen und trotzdem zahlen die Eltern weiter ihre Gebühren. Wie kann man sich dagegen wehren und wo bekommt man sein Geld zurück? Mehr Von Corinna Budras 6 8

Wertpapiersuche