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Neuemissionen : Wenn der Bulle erwacht, geht's wieder los

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Nur noch selten: Lächelnde Vorstände an der Börse Bild: dpa

Klagten vor einem Jahr noch Anleger über ungerechte Zuteilung von Aktien, finden Neuemissionen heute kaum noch Beachtung.

          Wer sich derzeit an die Börse wagt, ist schon mutig, denn auch die Neulinge bleiben nicht von den schlecht gelaunten Bären verschont. Am Dienstag hat der Medizintechniker Pulsion den für Mittwoch geplanten Gang an den Neuen Markt abgesagt. Die zehn Neuemissionen im ersten Quartal zeigen ein gemischtes Bild. Aktien wie Sunways und Unit Energy Group haben seit ihrer Emission ansehnliche Kursgewinne verbucht, aber immerhin dümpeln sechs Neulinge unter ihren Emissionspreis.

          „Während vor einem Jahr Anleger jede müde Mark in Neuemissionen gesteckt haben, ist das Interesse jetzt gering“, meint René Reske, Händler bei Schnigge. Der Düsseldorfer Makler bietet im Telefonhandel bereits vor Erscheinen eine Handelsplattform für die Kandidaten an. Die so ermittelten Graumarktpreise gelten oft als Indikator für den Erfolg einer Emission.

          Waren aber im vergangenen Jahr noch Kursaufschläge von 100 Prozent im vorbörslichen Handel keine Seltenheit, fallen die Taxen nun bescheidener aus. Die am Donnerstag ihr Debüt gebenden Triplan notieren vorbörslich zu 6,00 bis 6,70 Euro bei einer Zeichnungsspanne von sechs bis sieben Euro. Nordex, die am 2. April an den Neuen Markt gehen, haben bereits ihre Preisvorstellungen nach unten geschraubt. Den Anlagenbauer für Windernergie können Anleger nun schon für neun bis 11,50 Euro bekommen. Vorbörslich gehen sie zu 10,20 Euro um. Ein Preis, den Christian Schiffmacher, Chefredakteur von GoingPublic online, immer noch für zu hoch erachtet.

          Unternehmen sitzen in den Startlöchern

          Die Zeiten der Zeichnungsgewinne sind zwar vorbei, dennoch finden sich nach Meinung von Schiffmacher durchaus Schnäppchen unter den jungen Börsenunternehmen. „Es gibt gute Unternehmen mit schlechten Preisen - wie etwa Nordex, aber auch weniger gute, die interessante Preise haben“, meint Schiffmacher. Und es gebe sogar Aktien, die gut und billig seien. So sei die Aktie von Dr. Hönle bei Kursen unter zehn Euro für ihn ein klarer Kauf. Nach Meinung von Schiffmacher gibt es viele Unternehmen, die in den Startlöchern sitzen, um bei einer Erholung der Märkte an die Börse zu preschen. Allerdings sieht Schiffmacher bislang noch keine Signale, die auf eine Trendwende hindeuten.

          Warum aber wagen immer noch Unternehmen in diesem Umfeld den Gang an die Börse? Solide Kandidaten hätten ihr IPO bereits gut geplant und entsprechende Kosten verbucht. Wenn nun die Erlöse fehlen, dann kann das mit den Geldern geplante Wachstum nicht finanziert werden. Daher kann es für die Kandidaten durchaus lohneswert sein, mit dem Preis runter zu gehen. „Denn die Preise sind ja nicht nur an der Börse gefallen, sondern auch im Beteiligungsbereich“, so Schiffmacher. Er verweist zudem auf eine Studie, wonach die Unternehmen, die in schwierigen Zeiten an die Börse kommen, sich langfristig besser entwickeln. Denn sie haben es immerhin geschafft, die mehr als kritischen Anleger zu überzeugen.

          Über andere Wege nachdenken

          Aber der Gang an die Börse ist nicht mehr das Allheilmittel der Finanzierung. „Die Unternehmen denken derzeit sehr wohl über andere Wege nach, etwa Stille Beteiligungen oder sogar Fremdkapital“, räumt Susanne Lahmann, Leiterin Akiensyndikat der Dresdner Kleinwort Wasserstein ein. Über Langeweile beklagen sich die Investmentbanker dennoch nicht. Das IPO-Team der Dresdner Bank konzentriere sich derzeit darauf, verstärkt Mandate aus der Old Economy zu gewinnen. So übernehme die Dresdner Bank die Führung beim Frankfurter Flughafen, der im zweiten Quartal an die Börse will.

          Überkapazitäten im Personalbereich habe die Dresdner-Bank trotz der rückläufigen Neuemissionen nicht zu beklagen. Zwar habe auch die Dresdner den IPO-Bereich im vergangenen Jahr aufgestockt, aber auch viel Personal verloren. Dies bringe die Investmentbank nun in eine komfortable Situation, fügt Lahmann hinzu.

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