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Neuemissionen Börsenkandidaten müssen Preisabstriche machen

04.10.2007 ·  Das Geschäft mit Börsengängen kommt nach der Sommerpause nur mühsam wieder in Gang. Die Flaute spielt den Anlegern in die Hände. Unternehmen, die bald Aktien plazieren wollen, müssen sich daher verstärkt um Käufer bemühen.

Von Hanno Mußler
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Nach einem lebhaften ersten Halbjahr ist die Kette an Börsendebüts abgerissen. Die Sommerpause auf dem Markt für Aktienneuemissionen hat in diesem Jahr länger gedauert als üblich. Das Solarunternehmen Centrotherm ist jetzt das erste Unternehmen seit Ende Juli, das sich in den Prime Standard der Deutschen Börse wagt.

Centrotherm will in der kommenden Woche Aktien im Wert von bis zu 230 Millionen Euro plazieren. Große Börsengänge mit einem Volumen von einer Milliarde Euro und mehr sind mit Ausnahme der Hamburger Hafen Gesellschaft HHLA aber nicht absehbar. „Im zweiten Halbjahr 2007 werden wir nur etwa halb so viele Börsengänge sehen wie im ersten Halbjahr und nur ein oder zwei größere IPOs“, sagt Mark Pohlmann, der das Investmentbanking der Schweizer UBS in Deutschland leitet.

Keine Lust auf weitere Neuemissionen

Die Gründe für die Flaute sind vielfältig. Die Turbulenzen an den Kreditmärkten haben auch den stimmungsanfälligen Markt für neue Aktien getroffen. Hinzu kommt, dass das erste Halbjahr den Anlegern keine Lust auf weitere Neuemissionen gemacht hat. Ausgerechnet der chinesische Debütant an der Deutschen Börse, der Hersteller von Müllverbrennungsöfen Zhong De, ist neben Kromi Logistik einziger Lichtblick. Alle anderen Neulinge bringen den Anleger derzeit Verluste ein. Versatel sticht mit einem Minus von mehr als 50 Prozent zum Ausgabepreis besonders ins Auge, ist aber nicht der einzige Neuzugang mit zweistelligen Abschlägen.

Die Banken und Altgesellschaften dagegen haben gut verdient. 16 Börsenneulinge im Prime Standard und zwei weitere im General Standard sammelten 5,7 Milliarden Euro ein. Das Volumen des Vorjahres - mit 7,5 Milliarden Euro das höchste seit dem Jahr 2000 - dürfte im Gesamtjahr übertroffen werden. „2007 ist insgesamt ein gutes Jahr für Börsengänge“, sagt daher Georg Hansel, der das deutsche Aktienemissionsgeschäft der Deutschen Bank leitet. Einige Emittenten hätten die gute Marktlage im ersten Halbjahr genutzt und ihren Börsengang vorgezogen. Bis Jahresende rechne er daher mit einem ruhigen Verlauf.

„Viele Unternehmen haben Börsengang verschoben“

„Soweit die Märkte mitspielen, erwarte ich auch für 2008 ein gutes IPO-Jahr“, gibt sich Hansel dennoch mittelfristig optimistisch. Tatsächlich berichtet Pohlmann von der UBS: „Viele Unternehmen haben ihren Börsengang auf 2008 verschoben.“ Sie vermissen offenbar die Marktbedingungen des ersten Halbjahrs, als Altgesellschafter - oft Finanzinvestoren - neue Aktionäre für ihre Firmenbeteiligungen fanden, ohne dass sie die Aktien mit einem Risikoabschlag im Vergleich zu schon besser bekannten börsennotierten Konkurrenten verkaufen mussten. Die hohen Ausgabepreise von Versatel, Tognum und Gerresheimer sind ein Grund für die schlechte Kursentwickung nach dem Börsengang.

Dass es im zweiten Halbjahr kaum Börsengänge geben wird, liegt auch an der Immobilienbranche. An sie waren die Erwartungen hoch. Doch die Anleger fassen Immobilienaktien derzeit nur mit spitzen Fingern an. Der Wohnungskäufer Patrizia musste wegen schwacher Kursentwicklung vor wenigen Tagen vom M-Dax in den S-Dax absteigen. Und die Wohnungsgesellschaft Gagfah ist nach der Bank IKB die schlechteste Aktie im M-Dax seit Jahresbeginn.

Anleger haben gestiegenes Risikobewusstsein

Daher ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel die Börsenpläne des Gagfah-Konkurrenten Deutsche Annington auf Eis liegen. Deutsche Annington war als größter Börsengang in diesem Jahr im Gespräch gewesen. Nach der Talfahrt der Gagfah-Aktie erscheint den Altgesellschaftern jedoch ein Aktienverkauf offenbar nicht attraktiv.

Tatsächlich geben Banken Unternehmen mit Börsenplänen zu verstehen, dass sich Aktien derzeit nur mit einem Abschlag im Vergleich zu schon börsennotierten Unternehmen plazieren lassen. Während die etablierten Aktien im Dax und Tec-Dax nicht weit von ihren Jahreshochs entfernt sind, zeigen sich die durch die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelösten Finanzmarktturbulenzen am Markt für Aktienneuemissionen spürbar in einem gestiegenen Risikobewusstsein der Anleger gegenüber den neuen, unbekannten Unternehmen. Das heißt wiederum, dass mutige Anleger von der Flaute am Aktienemissionsmarkt profitieren können. Denn Unternehmen, die in den nächsten Wochen Aktien plazieren wollen, müssen sich um die Käufer bemühen und womöglich Zugeständnisse bei den Preisen für die Aktien machen.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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