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Neue Regulierungen Zu wenig Kapital

10.09.2009 ·  Die Aufsichtsbehörden werden die Zügel für die Banken deutlich straffen. Selbst die Banker haben eingesehen, dass eine strengere Regulierung als Lehre aus der Finanzkrise nötig ist. Die Banken brauchen künftig höhere Risikopuffer.

Von Markus Frühauf
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Die Aufsichtsbehörden werden die Zügel für die Banken deutlich straffen. Selbst die Banker haben eingesehen, dass eine strengere Regulierung als Lehre aus der Finanzkrise nötig ist. So begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, in dieser Woche die vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht vorgeschlagene Verschärfung der Eigenkapitalregeln. Der Baseler Ausschuss, in dem die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus den 27 führenden Wirtschaftsnationen vereinigt sind, will die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung verschärfen. Der Ausschuss, der bei der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich angesiedelt ist, greift damit die Forderung der Finanzminister der 20 führenden Industriestaaten (G 20) auf.

Die Eskalation der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hatte einen Eigenkapitalmangel der Banken belegt. Zudem war die Qualität fragwürdig, denn viele Banken hatten ihre Eigenkapitalquoten mit hybriden Mischformen wie Nachranganleihen oder stillen Einlagen erhöht. Damit wurde eine Sicherheit vorgetäuscht, die nicht vorhanden war. Der Baseler Ausschuss will künftig nur noch hartes, belastbares Eigenkapital wie Aktien oder Gewinnrücklagen für die Berechnung der Kapitalausstattung einer Bank zulassen.

Hohe Renditen in guten Zeiten, zu wenig Kapital in schlechten

Die für die Banken geltenden Eigenkapitalregeln definiert der Baseler Ausschuss, weshalb die seit 2008 gültigen Standards auch "Basel II" heißen. Diese sollen die Banken zu einer risikoadäquaten Kapitalunterlegung ihrer Kredite animieren. Das bis dahin geltende Regelwerk ("Basel I") hatte nur eine pauschale Unterlegung von 8 Prozent der Kreditsumme ohne Berücksichtigung der jeweiligen Risiken vorgeschrieben. Doch die Banken nutzten Schlupflöcher aus und verlagerten Kreditrisiken in Zweckgesellschaften, die sie nicht mit Kapital unterlegen mussten.

In guten Zeiten fuhren sie über diese Schattenbanken hohe Erträge ein. Solche Konstruktionen brachten aber die IKB oder die Sachsen LB schließlich in arge Bedrängnis. Sie hatten für diese Vehikel Liquiditätsgarantien abgegeben, die sie nicht erfüllen konnten, als die Refinanzierungsquellen für die Zweckgesellschaften versiegt waren. Schärfere Eigenkapitalregeln müssen also auch sicherstellen, dass die Banken die regulatorischen Vorschriften nicht mehr umgehen können und für sämtliche Risiken ausreichende Kapital- und Liquiditätspuffer vorhalten müssen.

Die Hauptkritik an den Eigenkapitalvorschriften ist deren sogenannte Prozyklizität. Die Regeln können krisenverschärfend wirken. In einer Rezession erhöhen sich die Kreditausfallrisiken von Unternehmen und Verbrauchern. Die Folge ist eine höhere Kapitalunterlegung der ausstehenden Forderungen durch die Banken. Dadurch müssen sie für ihren Kreditbestand mehr Kapital aufwenden, wodurch sich ihre Kreditvergabekapazitäten verringern. Die Konsequenz ist die Verringerung des Kreditangebots.

Verringerung des Kreditangebots verschärft einen Abschwung

Eine Kreditklemme wiederum verschärft den Abschwung. Vor dieser Folge im aktuellen Konjunkturumfeld warnt die Kreditwirtschaft. Die Prozyklizität von "Basel II" habe in gewissen Phasen der Krise eher als Brandbeschleuniger gewirkt, kritisierte in diesen Tagen der Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank, Theodor Weimer. Ackermann mahnte an, bei der angedachten Verschärfung der Eigenkapitalregeln die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zu berücksichtigen. Damit zielte er auf die Gefahr höherer Kreditzinsen und eines geringeren Kreditangebots.

Trotzdem bleibt festzustellen, dass die vom Baseler Ausschuss angestrebten höheren Kapitalanforderungen, die die Banken selbst für richtig halten, die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten beschränken werden. Denn die künftig höhere Kapitalunterlegung von Risiken, insbesondere von Krediten, verringert die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken.

Einen Ausweg können Kreditverbriefungen darstellen. Doch diese gelten als eine der Ursachen für die Finanzkrise. Um eine Kapitalunterlegung zu vermeiden, haben Banken oftmals Tausende von Krediten in Wertpapieren gebündelt und an Investoren weitergereicht. Doch die Risiken dieser Verbriefungen waren schwer durchschaubar. Als immer mehr der in diesen Wertpapieren enthaltenen Kredite ausfielen, entzogen die Investoren diesen Verbriefungen ihr Vertrauen. Die Banken mussten sich vorwerfen lassen, die Kredite nicht mehr ausreichend geprüft zu haben.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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