Home
http://www.faz.net/-gv6-778iz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Nach Italiens Wahlen Der Schock der Märkte

Nach der Wahl in Italien ziehen die Investoren ihr Geld aus dem Land. Eurokurs und Aktien fallen. Was genau stört Italiens Geldgeber an dem italienischen Patt?

© dpa Vergrößern Italien: Regierung bilden ist nicht leichter als wählen

Die Finanzmärkte wollten es nicht glauben, bis die Realität Einzug hielt. Bis kurz vor Schließung der Wahllokale in Italien hatten sie auf einen Sieg reformorientierter Kräfte im Süden Europas spekuliert und die Kurse von Aktien und Euro nach oben getrieben.

Martin Hock Folgen:    

Als sich dann das Patt immer deutlicher abzeichnete, gingen die Kurse in die Knie. Am Dienstag setzt sich die Bewegung fort. Der Dollarkurs des Euro ist seit Montagnachmittag um 2,4 Cent von 1,3312 Dollar auf 1,3072 Dollar gefallen. Damit nähert er sich einem Jahrestief. Auch gegenüber dem Schweizer Franken gab der Kurs der Gemeinschaftswährung deutlich von 1,2322 auf 1,2166  Franken nach.

Infografik Chart EURUSD 260213 © FAZFinance Bilderstrecke 

Ähnlich das Bild an den Aktienmärkten: Der Dax gab von seinem Höchststand am Montag mittlerweile  3 Prozent nach. Das klingt allerdings dramatischer als es ist, er bleibt damit in der Handelsspanne dieses Monats. Anders der italienische FTSE-MIB-Index, der seit Montagmittag mehr als 7 Prozent verloren hat und damit seinen Kursrutsch fortsetzt. Mittlerweile hat der Index seit dem 17-Monats-Hoch Ende Januar ein Achtel seines Wertes verloren.

Vor allem die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe reagierte heftig. War sie am Vortag noch bis auf 4,20 Prozent und damit fast bis auf den niedrigsten Stand seit mehr als 2 Jahren gefallen, so rentiert sie derzeit mit 4,79 Prozent so hoch wie seit Dezember nicht mehr.

Warum Märkte die Unsicherheit hassen

Die Reaktion der Märkte kommt auch daher, dass das Wahlergebnis viel Unsicherheit mit sich bringt: Wird Italien weiter sparen oder nicht? Wenn die Lage unsicher ist, können die Investoren nicht abschätzen, wie sicher ihr Geld in Italien ist. Also halten sich viele zurück. Börsianer sagen dann: Die Märkte hassen Unsicherheit.

Zumal sie dieses Ergebnis schwer einschätzen können. Vor der Wahl hatten sich viele Investoren auf einen Gegensatz zwischen Bersani (gut) und Berlusconi (schlecht) eingerichtet. Die tatsächlichen Machtverhältnisse in Italien sind nun weitaus komplizierter, insbesondere aufgrund der Stärke der Protestpartei „Movimente 5 Stelle“ (M5S) des Komikers Beppe Grillo. Deren politischer Standpunkt ist, dagegen zu sein: Sie will keine Koalition, ist gegen alle anderen, gegen das System, gegen den Euro - viele Versprechungen, die als widersprüchlich bis illusorisch zu bezeichnen sind.

Kurzfristig überzogen, langfristig bedenklich

Ein derart fragmentiertes und heterogenes Parlament deute auf politische Fragilität hin, schreiben die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley. Deswegen sei man vorsichtig, was die Reformfähigkeit Italiens angehe. Diese neue Vorsicht müsse sich in den Preisen erst widerspiegeln.

Doch nicht alle Investoren machen sich gleich riesige Sorgen. Kurzfristig sei die Marktreaktion überzogen, sagt Paul McNamara, Investmentdirektor bei der Fondsgesellschaft GAM. Er glaube nicht daran, dass Italien nun kurzfristig die Sparpolitik über Bord werfen werde. Doch selbst McNamara sorgt sich um italienisches Geld, wenn er weiter in die Zukunft blickt. Die Erfolge Berlusconis und Grillos zeigten, dass die Italiener die Sparpolitik der vergangenen zwei Jahre umfassen zurückwiesen. Die Sorge der Märkte sei, dass Italien sich grundsätzlich von der Reformpolitik verabschieden werde.

Investoren glauben nicht mehr an den Reformeifer

Die Hoffnung bleibt begrenzt. Die Investmentbank Morgan Stanley betrachtet als erfreulichstes Szenario eine stabile Bersani-Regierung, die sich an die Arbeit machen könnte. Doch auch deren Eifer hält die Bank für begrenzt. überschätzen. Zweifel gab es schon an Bersani selbst.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Niedrigzinsen Investor empfiehlt Wette gegen Bundesanleihen

Bill Gross ist berühmt. Nun rät der prominente Fondsmanager, gegen Bundesanleihen zu wetten. Aber noch nicht jetzt - denn ein wichtiger Grund steht dagegen. Mehr

22.04.2015, 05:13 Uhr | Finanzen
Bunga Bunga-Sexpartys Freispruch für Silvio Berlusconi

Das Oberste Gericht Italiens hat den Freispruch für den früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Prozess um Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch in der sogenannten Ruby-Affäre bestätigt. Der Kassationsgerichtshof in Rom setzte damit einen Schlussstrich unter eine Justizsaga, die das Land seit Jahren beschäftigt. Mehr

11.03.2015, 14:36 Uhr | Politik
Anleihen Griechenlands Zinsen schießen in die Höhe

Griechenlands letzte private Kreditgeber machen sich immer mehr Sorgen um ihr Geld. Die Zinsen auf die Staatsanleihen steigen. Mehr

17.04.2015, 15:10 Uhr | Finanzen
60.000 Downloads Hype um Spiele-App aus Uganda

Mit der Kartenspiel-App Matatu hat sich das ugandische Startup-Unternehmen Kola Studios einen Namen gemacht. Mehr als 60.000 Downloads gab es bisher. Ostafrika gilt als interessanter Markt für Entwicklungen im digitalen Sektor - auch für internationale Investoren. Mehr

06.11.2014, 09:28 Uhr | Wirtschaft
Staatsanleihen Niemand handelt mehr mit griechischen Anleihen

Die Kurse griechischer Staatsanleihen fallen am Donnerstag. Aber wer handelt da eigentlich? Nur noch ein paar Zocker. Der Markt ist schon lange tot. Mehr Von Martin Hock

16.04.2015, 18:26 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.02.2013, 12:12 Uhr

Schweiz „Negativzins widerspricht nicht der menschlichen Natur“

Die Schweizer Notenbank verteidigt ihre Geld- und Währungspolitik vor ihren Aktionären. Diese bekommen eine kleine Dividende – und warnen vor Risiken. Mehr Von Johannes Ritter

Letzte Chance für die Deutsche Bank

Von Gerald Braunberger

Nach siebenstündiger Sitzung hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einstimmig einen Kompromiss geschlossen – mit Stärken und Schwächen. Nun ist überzeugendes Management gefragt. Mehr 2

Wertpapiersuche