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Versicherungsbranche : Welche Insurtechs überleben?

Vor drei Jahren wurde die erste digitale Welle in der Versicherungswirtschaft losgetreten. Bild: obs

Nach drei Jahren digitaler Welle in der Versicherungswirtschaft trennt sich nun die Spreu vom Weizen.

          Wer all die Start-ups mit ihren großzügigen Flächen in abgerockten Berliner Hinterhöfen gewohnt ist, würde so etwas hier auf keinen Fall erwarten. Die Frankfurter Goethestraße ist das Pflaster für die betuchten Handtaschen- und Goldcollier-Kunden. Aber im fünften Stock von Hausnummer 10 ist die typische Fintech-Legebatterie mit gut fünfzig Kreativen an Laptops und langen Tischen untergebracht. Enger geht es hier zu als in Berlin, die Frankfurter Mieten – vor allem im Stadtzentrum – sind berüchtigt. Doch die Immobilie ist schwierig, nach zwei Jahren Leerstand zog Clark, ein digitaler Versicherungsmakler, hier zu vergünstigten Bezügen ein. „Als Frankfurter dachte ich immer, hier gehst du nie einkaufen. Aber hier können wir noch wachsen“, sagt Christopher Oster, einer der Mitgründer.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor drei Jahren wurde die erste digitale Welle in der Versicherungswirtschaft losgetreten. „Der Angriff der digitalen Versicherungen“ titelte die F.A.Z. damals. Inzwischen zeigt sich, welche Geschäftsmodelle beim Kunden erfolgreich waren. Clark und Schutzklick (Simplesurance) sind die beiden deutschen Insurtechs, die auch Investoren bislang am besten von sich überzeugen konnten. Mit ihren jüngsten Finanzierungsrunden über mehr als 20 Millionen Dollar verbesserten sie sich international auf den zweiten und vierten Platz (siehe Grafik) der Versicherungs-Start-ups. Auch das Berliner Unternehmen Wefox (früher Financefox) ist unter den ersten zehn zu finden. Warum haben sich gerade diese Neugründungen durchgesetzt? Gibt es Parallelen zwischen ihren Strategien?

          Platz für Wettbewerber

          Clark ist eher spät in den Markt der digitalen Versicherungsordner gestartet. Solche Unternehmen bieten dem Kunden alle Dienstleistungen eines vom Versicherer unabhängigen Maklers an – nur eben digital. „Wir haben fast noch dasselbe Team wie vor zwei Jahren, obwohl wir von 500 auf fast 100.000 Kunden gewachsen sind“, sagt Oster. Das Geschäftsmodell ist sehr digital und automatisiert. „Wir haben das Leistungsspektrum eines Maklers sukzessive automatisiert und vieles auf den Kunden übertragen“, sagt Oster. Der Erfolg beruht darauf, dass der Kunde auf Basis seiner Antworten seine Produktempfehlungen automatisiert erhält. Eine Vorauswahl wird mit den Qualitätskriterien von Clark kombiniert.

          Schutzklick nennt keine Kundenzahlen mehr, seit es 2016 Europas größten Versicherer Allianz als strategischen Investor gewonnen hat. Mit dem japanischen Internetkonzern Rakuten und den Rheingau Founders beteiligten sich zwei weitere illustre Investoren an der jüngsten Finanzierungsrunde über 24 Millionen Dollar. Simplesurance bietet Online-Händlern eine Technik, mit der Kunden Neuerwerbungen unmittelbar nach dem Kauf versichern können. Mehr als 2500 E-Commercehändler sind angeschlossen. „Technologisch müssen wir unsere Plattform nur in einem Land ausrollen“, sagt Mitgründer Robin von Hein. „Der Launch in Japan ist für Ende des Jahres vorgesehen.“

          Vor drei Jahren machte von Hein mit seiner Aussage auf sich aufmerksam, er sei in der Lage, innerhalb von acht Wochen in ein anderes Land zu expandieren, ein Versicherer brauche acht Jahre. Das eigene Geschäftsmodell auf ganz Europa auszudehnen erwies sich aber als anspruchsvoll. Denn die Regulatorik unterscheidet sich trotz des Binnenmarktes. „Das war komplex. Wir sind stolz, dass wir das auf einer Plattform abgebildet haben.“ Die Expansion nach Japan werde noch einmal herausfordernder, aber mit Rakuten habe man den richtigen strategischen Partner für diesen Schritt.

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