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Nach der Finanzkrise Brauchen wir ein neues Geldsystem?

 ·  Es ist viel zu viel Geld im Umlauf. Weil die Banken es aus dem Nichts schöpfen. Und die Staaten nicht genug davon kriegen können. Höchste Zeit, grundsätzlich neu zu denken.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (72)
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Wilhelm Surmann

Lieber Herr Gehrmann

Alles, was Sie schreiben, stimmt - bis auf den ersten und den letzten Satz. Falls Sie demnächst eine Prüfung in Geld und Kredit haben, lassen Sie die weg, dann haben Sie beste Aussichten! ;)

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Andreas Gehrmann

@Wilhelm Surmann

Hallo, ich halte das was Sie geschrieben haben für falsch. Der Vorgang der Geldschöpfung hat die Bundesbank wie folgt beschrieben (der Beitrag ist auf der Seite der Bundesbank "leider" nicht mehr auffindbar):
"Die Geschäftsbanken können auch selbst Geld schaffen, das sogenannte Giralgeld. Der Geldschöpfungsprozess durch die Geschäftsbanken lässt sich durch die damit verbundenen Buchungen erklären: Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit
gewährt, dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein – beispielsweise 100.000 Euro. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 100.000 Euro gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf seinem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht." (Geld und Geldpolitk, S. 88, Bundesbank 2009)
Also, Geschäftsbanken schöpfen GENAUSO Geld wie eine ZB - es heißt nur anders!
LG Traumschau

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Andreas Gehrmann

@Rolf-Dirk Maehler und Edda Kuhlmann

Sie begreifen es immer noch nicht, oder? Haben Sie sich mal in der Welt umgesehen, was die so genannten "Freien Märkte" so angestellt haben? Warum noch mal mussten die Staaten die Banken überall retten?
Es gibt keinen freien Markt! Es gibt die in der klassischen Theorie postulierten idealen Bedingungen in der Realität nicht, unter denen diese Theorie überhaupt nur funktionieren KÖNNTE!
Tatsächlich hat diese Theorie nur sich selbst widerlegt!
Es gibt nicht einmal Gleichgewichte! Gleichgewichte sind eine ganz seltene Ausnahme.
Das ist alles Quatsch, sorry!
Da die Anzahl der Zeichen hier zu gering ist, möchte ich auf die Vorträge von H. Flassbeck, Richard Werner und Peter Bofinger verweisen (alle bei YT). Oder die empirische Untersuchung von R. Werner in "Neue Wirtschaftspolitik".
LG Traumschau

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Simon Eichendorff

Ein perpetuum mobile

Ein Problem des Giralgeldes liegt darin, dass die Geldschöpfung zwar den Kreditbetrag umfasst, nicht aber die Zinsen. Die vorhandene Geldmenge reicht daher nie aus, den Kredit mit Zinsen zurückzuzahlen. Bei einem Zins von 5 % und einer Laufzeit von 12 Jahren fehlen theoretisch 60 % des Kreditbetrages in der Geldmenge. Diese muss nach den 12 Jahren also um mehr als die Hälfte gewachsen sein. Anders ausgedrückt: es ist immer mehr Kredit nötig, damit alte Kredite getilgt werden können. Ein Perpetuum Mobile, das immer mehr Kredite und damit auch Zinsen produziert ...
Die Verschuldung der Staaten ist ähnlich konstruiert: D hat per Saldo noch nichts von seinen Schulden zurückgezahlt, diese werden vielmehr immer größer, der Zinsbetrag nimmt immer mehr des Steueraufkommens in Anspruch. Am Ende dieser Entwicklung müßten100 % der Steuern in die Zinsen fließen, für Staatsausgaben steht nichts mehr zur Verfügung.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 18:53 Uhr
Wilhelm Surmann

:-)

Einen Kredit sollte ich eben auch nur dann aufnehmen, wenn ich den Wert in Gütern erschaffen und das Geld zurückzahlen kann, welches ich mir leihe – zzgl. Zinsen, die ich demjenigen schulde, der den Konsumverzicht hat, weil er mir das Geld leiht. Wenn sich alle daran halten, entspricht der für die Zinslast notwendige Betrag eben dem Wirtschaftswachstum – mit einem großen Puffer, durch Eigenfinanzierung.

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Miguel Torres

Geldschöpfung aus dem Nichts ,

muss zwangsläufig in eine erneute Finanzkrise führen oder in eine "Krise des Geldes".
Das sogenannte Fiat-Geld oder Giralgeld wird durch Bankenkreditvergabe produziert und das Beste, niemand haftet dafür. NIEMAND
Nicht die FED oder geschweige denn die EZB.
Der Euro ist ein Projekt, scheitert es ist auch das Geld weg, für immer.
Diese Methode Geld zu produzieren, führt zu schweren wirtschaftlichen und sozialen Schäden.
Wir sind bereits jetzt schon Zeitzeuge und willkommener Zaungast.
Die Staatsverschuldungen steigen und das Disaster ist perfekt, bestes Beispiel Griechenland Zypern,Portugal.......
Es gibt diese schöne alte Weisheit.
Ex nihilo nihil fit. (Von nichts kommt nichts.)

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 18:47 Uhr
Wilhelm Surmann

Die Ursachenanalyse für das beschriebene Szenario teile ich nicht

Ihnen ist doch klar, dass wir mit der DM in dieser Hinsicht das gleiche System hatten? Und letztlich haftet jeder in der Kette für das von der Zentralbank geliehene Geld. Allerdings, da haben Sie recht, es gibt keinen realen, natürlichen Gegenwert, den man bei der Zentralbank dafür kriegen kann, kein Gold und auch keinen Grund und Boden. Daher ist Geld nur so gut wie das Vertrauen in dieses Geld und die Zentralbank wird zurecht an der Inflation gemessen.

Insgesamt ist das System sehr klug angelegt, wenn man es nicht missbraucht, was leider derzeit geschieht.

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Andreas Gehrmann

@Cecile De Winter

JA! Es wird eben sehr lange schon verschwiegen ...
Dann habe ich heute einen Artikel in einem Onlineportal einer sehr bekannten Wirtschaftszeitung gelesen: Finanz-Alphabeten. Offensichtlich soll die richtige "Anlagestrategie" auch in Schulen gelehrt werden - und natürlich grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge.
Also alles das, was so in den klassischen Lehrbüchern steht und so grottenfalsch ist.
Man muss sich das vorstellen: Die Weltwirtschaft geht in die Knie, die neoliberale Politik hat ganze Kontinente an die Wand gefahren und jetzt soll dieser Quatsch auch noch unseren Kindern beigebracht werden. Das ist echt gruselig ... und skrupellos: Man züchtet die nächste Generation von Dümmlingen, die sich freiwillig zu Sklaven einer degenerierten 1%-Elite machen lassen sollen.
DAS muss unter allen Umständen verhindert werden (als ich meiner 22-jährigen Tochter letztens mal knapp die Zusammenhänge erklärte, kriegte die den Mund nicht mehr zu - zu Recht)!
LG Traumschau

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Andre Gue

Was können wir nun tun?

Gratulation, endlich klare Worte: Es wird Geld "aus dem Nichts" geschöpft, und zwar bis zu 95% der gesamten Geldmenge, auch M4 genannt. Geld wird geschöpft und auch frei verteilt, durch die selben privaten Banken. Das ist die Realität, wie der Autor sie beschrieben hat! Könnte es eine bessere geben? Darüber wird diskutiert, ohne Ende und ohne Lösung. Natürlich ist es nicht leicht eine Lösung zu finden und dann durchzusetzen. Wir sollten aber nicht nur immer schimpfen, polemisieren und beschuldigen, sondern die Realität klar analysieren und beschreiben. Genau so wichtig ist aber auch genau zu wissen, was wir eigentlich wollen! Meiner Meinung nach wollen einfache Bürger (über 95% der Bevölkerung) die folgenden Prioritäten:
1.Stabiles Geld um sparen und planen zu können
2.Ein stabiles Zahlungssystem um in aller Ruhe mit diesem Geld umgehen zu können
3.Ein einfaches Kreditsystem um sich mehr leisten zu können.
Daher wollen wir ein funktionsfähiges Geld- Rechts -und Kreditsystem aufbauen!

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Rolf-Dirk Maehler

Nachdem man vor geraumer Zeit den Goldstandard für Währungen aufgegeben hatte (man darf...

...mal raten wer dafür verantwortlich war) ist jede Vertrauensbasis für Währungen aufgegeben worden. Und wenn uns heute eingeredet werden soll, dass etwa Politiker oder gar Banker den alten seriösen Standard ersetzen sollen, dann sage ich, dass man da wohl den Bock zum Gärtner machen will. Es gibt nur wenige Betätigungsfelder wo soviel gelogen wird wie in der Politik oder auch im Bankgeschäft und ob das dann eine Grundlage für Vertrauen sein kann, muss wohl bezweifelt werden. Wenn also alles so bleibt wie gehabt, dann brauchen wir kein neues Geldsystem, eher wäre es sinnvoll zum Goldstandard zurück zu kehren. Die einzige sinnvolle Alternative wäre ein von F.A. von Hayek in seinem Buch "Entnationalisierung des Geldes" beschriebenes System in dem Banken Geld herausgeben dürfen und sich solche Währungen dann am Markt bewähren müssen. Dass so etwas geht beweist die Attraktivität des Schweizer Frankens überdeutlich. Nur freie Märkte sind vertrauenswürdig, niemals menschliches Tun.

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Edda Kuhlmann

Wer hier nach staatlicher Oberaufsicht ruft hat das Problem nicht erkannt

Zuerst einmal- Spar- und Bankeinlagen sind begrenzt, bei einer Mindestreserve von 100% waere Geldvermoegen = Kreditmaximum. Kreditnehmer, also Unternehmer, Haeuslebauer, Konsumenten die einen Kredit aufnehmen und auch der Staat, muessten sich um ihren Anteil am endlichen Kuchen streiten.

Die EZB druckt derzeit nicht wie verrueckt weil Unternehmen und private Haushalte Kredite nachfragen, sondern weil die Staaten sich immer weiter verschulden. Bei einer derart staendig steigenden Staatsverschuldung bei gleichzeitig endlichem Geldvermoegen wuerde der Staat nach und nach die anderen Kreditnehmer vertreiben, Unternehmen und Private haetten noch mehr Schwierigkeiten, an Gelder heranzukommen, wenn es nicht sogar ganz unmoeglich waere.

Machen wir uns doch nichts vor, Inflationen in der Geschichte entstanden durch Staatsverschuldung, nicht Privatkredite. Der Staat ist das Problem, nicht die Loesung.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 19:00 Uhr
Michael Mueller

Sie haben die Gesamtidee nicht erkannt

Die Idee des Vollgeldes schliesst nicht aus, dass die Geldmenge erhöht wird. Der Staat könnte ein gewissen Anteil seiner Ausgaben über die Erhöhung der Geldmenge finanzieren. Damit würden von der Geldschöpfung nicht die Banken sondern die Allgemeinheit profitieren.

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Burkhardt Brinkmann

Die Geldsystemdebatte als Ablenkungsstrategie (Unterkonsumtionstheorie)

Ich unterstelleChristian Siedenbiedel nicht, dass er sozusagen als Einflussagent der Kapitalbesitzer schreibt. Und verstehe unter "Ablenkungsstrategie" keine BEWUSSTE Meinungsmache.
Aber generell ist zu konstatieren, dass die ganze Geldsystemspinnerei von der EIGENTLICHEN Problemdimension ablenkt: Der in der Struktur unseres Wirtschaftssystems angelegten Kapitalkonzentration.
Die ist nicht als solche schlimm; zum Problem wird sie dadurch, dass die Besitzenden (aber auch z. B. die Rentenfonds - "Riester"!) das Geld nicht ausgeben, sondern sparen. Dadurch wird im System immer mehr "Eigengeld" (Geld, das Menschen durch ihre Arbeit usw. eigenommen haben) durch Kreditgeld ersetzt.
Das steckt letztlich wohl auch hinter der exorbitanten Geldmengenausweitung der Notenbanken (schon lange vor der Krise!)
Denn Geld ENTSTEHT zwar durch Kredit. Dennoch IST nicht alles Geld Kredit. (Vgl. meinen Blott "Einen Kredit gibt es nicht. 100 Jahre "Kredittheorie des Geldes" ... von Alfred Mitchell Innes.)

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 18:26 Uhr
Andreas Gehrmann

@Burkhardt Brinkmann

Okay, aber wie wollen Sie die Frage des Zinses losgelöst von einem Geldsystem sehen? Man hat uns doch immer lang und breit erklärt, der Zins sei der Preis des Geldes ... Da hakt es schon! Geld ist eben kein Produkt, darf es auf keinen Fall sein, oder? LG Traumschau

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Burkhardt Brinkmann

Wodurch Kapitalkonzentration?

Nicht durch (wie Sie offenbar sagen wollen), das "Geldsystem".
Sondern durch den Zins.
Wobei der Zinsbegriff allerdings einerseits enger, und andererseits weiter zu fassen ist, als das beispielsweise die Freigeldtheoretiker tun.
(Vgl. meinen Blott "Der "Eigentrag" oder: Der Zins besteht nicht nur aus Zinsen - und nicht alle Zinsen sind ein Zins").

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Andreas Gehrmann

Huch!

"Aber generell ist zu konstatieren, dass die ganze Geldsystemspinnerei von der EIGENTLICHEN Problemdimension ablenkt: Der in der Struktur unseres Wirtschaftssystems angelegten Kapitalkonzentration."

Ja genau! Kapitalkonzentration! Wodurch noch mal ...?

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Karl-Heinz Andresen

Uraltes Thema - fraktional reserve banking.

Nur durch grundsätzliche Einschränkung dieses aus dem Ruder gelaufenen Modells - die Diskussion hierzu ist fast jahrhundertalt - ließe es sich retten.

Eins zu eins oder ähnlich schmale Kost im Verhältnis zum Eigenkapital würde allerdings den Banken, der Ökonomie und den Menschen am Ende veritablen Schmerz zu fügen.

Es bleibt immer eine politische, wenn man will systemische, Entscheidung.

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Carlos Anton

Unser Geldsystem verführt zum Missbrauch

Zunächst einmal ist der FAZ für diesen Artikel zu danken, denn ich bin sicher, dass 95% der Menschen nicht verstehen, was Geld ist, einschliesslich unserer Parlamentarier. Wichtig ist auch zu erkennen, dass unser gegenwärtiges Geldsystem nicht nachhaltig ist und Wirtschaftskrisen, ja sogar Kriege ausgelöst oder zumindest begünstigt hat. Das erste Grundproblem besteht darin, dass die Geschäftsbanken (neben den Zentralbanken) eine Lizenz zur Geldschöpfung haben, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Das verführt natürlich zur grösstmöglichen Ausweitung der Geldmenge, die allerdings nur für die Banken und Grossinvestoren lukrativ ist. Alle andere erleiden Vermögensverluste durch die zwingende Geldentwertung (, wenn auch der Effekt nicht immer direkt ist). Das zweite Grundproblem ist, dass Politiker dieses System missbrauchen können, um die Schulden praktisch grenzenlos auszuweiten und damit den Bürgern eine verschleierte Steuerlast aufzuerlegen. Zeit etwas zu ändern!

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heike buttkus
ulrich buttkus (loewe53) - 24.08.2013 17:09 Uhr

Die Macht des Geldes

Auf Google "Geld regiert die Welt" Anti-Zensur-Koalition wird einem gut beschrieben wie das Geldsystem wirklich abläuft.Die Infos,von den Notenbanken und Zentralbanken,sind sehr hilfreich um die Verschuldungen der Banken und Ländern der Welt haupsächlich von Europa der Euro zu verstehen.

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Andreas Gehrmann

@Roman Haselmann

Tja, in der "Wertschöpfungskette" schlägt jeder Beteiligte die Zinskosten auf den Preis auf. D.H. der Endabnehmer, Konsument zahlt die Zeche so oder so. Und wie soll ein Kreditzins von 5% bezahlt werden, wenn das Wachstum nur 2% beträgt? Also jetzt mal gesamtwirtschaftlich betrachtet. Offensichtlich klafft da eine große Lücke, nicht wahr?
Und machen Sie mal folgende Rechnung auf: Die erste Milliarde ist immer die schwerste ... Also, Sie legen 1 Milliarde Euro mit einem inflationsbereinigtem Zinsgewinn von bescheidenden 1% an und zahlen dann NUR auf diesen Zinsgewinn läppische 25% Kapitalertragssteuer. Würden Sie noch arbeiten gehen?
Wir haben nicht nur Arbeitslose, die H4 beziehen - wir haben auch jede Menge arbeitslose Reiche. In einem solchen System "scheißt der Teufel immer auf den größten Haufen". Da kann man gar nichts machen - man muss das System ändern! Das ist modernes Raubrittertum, dass die Zinsverlierer in die Sklaverei treibt! LG Traumschau

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 18:10 Uhr
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Heiner Dehling (heintje) - 24.08.2013 18:10 Uhr

Unwissenheit und Ignoranz



"Vielleicht werden die Menschen auch gerne um ihre Arbeitsleistung und damit um ihre Lebenszeit betrogen?"

Wenn ich mir das alles so ansehe, dann gibt es wohl nur diese Schlussfolgerung, ansonsten müssten die Leute ja doch mal darüber nachdenken, in welcher Beziehung die Dinge um sie herum zueinander stehen - und zu den Leuten selbst.

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Cecile de Winter

Die meisten Bürger


haben doch überhaupt keinen Schimmer davon, dass bei jedem Einkauf im Supermarkt gut 30% des Kassenbetrages als Zinsen eingepreist sind und direkt an die Bank gehen, die dafür keinen Finger rühren muss.

Warum lässt man sich eine solche Abzocke und Wegelagerei bieten?

Unwissenheit und Ignoranz.

Vielleicht werden die Menschen auch gerne um ihre Arbeitsleistung und damit um ihre Lebenszeit betrogen?

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Paul Hansen

Liebe FAZ Wirtschaftsredaktion - vielen Dank!

Das sie allen, die sich dafuer Interessieren, einen einfach verstaendlichen Einstieg in die Geldtheorie ermoeglichen, Bravo.

Daran krankt die Diskussion in Deutschland, dass zuviele nicht verstehen, worum es eigentlich geht.

Naechste Woche bitte dann "Theorie der optimalen Waehrungsraeume".... :-)

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Bernd Stäglich

Lieber Herr Wirtschaftsprofessor

Ich zitiere aus dem von Ihnen oben zitierten Wirtschaftsprofessor Spahn: „Ich hätte nicht erleben wollen, wie die Zeit nach Lehman verlaufen wäre, wenn wir eine Goldbindung gehabt hätten, sagt Peter Spahn, Wirtschaftsprofessor an der Universität Stuttgart-Hohenheim."

Ich will hier nicht das Für und Wider von allem auseinander nehmen. ich bin einfach bloß immer wieder fasziniert und erstaunt, wie frech argumentiert wird, um eine (um die heute) bestehende Ideologie am Laufen zu halten. Lieber Herr Wirtschaftsprofessor: Wenn wir eine Goldbindung gehabt hätten, wäre es doch zu einer Zeit "nach Lehman" gar nicht gekommen. Siehe im übrigen auch "23 Lügen die sie uns über den Kapitalismus erzählen" von Ha Joon Chang. Köstlich (und beeindruckend), wie der in seinem Buch diesbezüglich alles auseinandernimmt, immer fein säuberlich unterteilt in "Was siee uns erzählen - Was sie uns verschweigen".

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Heiner Dehling (heintje) - 24.08.2013 16:28 Uhr

Das System

Banken geben also bereitwilig Kredite, weil sie an fetten Zinsen und Zinseszinsen interessiert sind. Das Perfide daran ist, dass sie das auch tun, weil sie ANDERE für sich arbeiten lassen möchten. Und zwar in der Art, dass sie Geld bekommen für eine Dienstleistung, für die die Banken keinen müden Finger krumm gemacht haben, außer den Zeigefinger für die PC-Maus. Der Kunde ist es, der seine Zeit, Nerven und körperlichen Ressourcen aufwenden muss, um dieses System im Interesse der Geldabschöpfer am Leben zu halten. Dies ist ein lupenreines Zuhälter-System. Der Zuhälter schützt wenigstens - meistens - seine Mädels. Die Bank jedoch nimmt Ihnen ihre Sicherheiten ab sobald sie körperlich-seelisch nicht mehr können - und lacht sich noch klammheimlich eins ins Fäustchen. Freilich, niemand wurde gezwungen, einen Kredit aufzunehmen. Jedoch, der prekäre Arbeitsmarkt arbeitet daran, dass Leute sich über den Tag hinaus nix mehr leisten können. Und das Ganze unter dem Deckmantel von "christlich"!

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Heiner Dehling (heintje) - 24.08.2013 16:21 Uhr

Das System

Was manche "multiple Geldschöpfung" nennen, nennen andere Ökonomen zu Recht "Schneeballsystem". Jeder weiß, dass solche Systeme notwendigerweise zusammenbrechen müssen. Warum geben Banken gerne Kredite und schöpfen damit Chiralgeld? Weil sie an fetten Zinsen und Zinseszinsen interessiert sind. Woher nimmt nun jemand, der selbst kein Geld schöpfen kann/darf, die Zinsen? Er muss bitter dafür schuften. Der Grund dafür, warum auch in D die allermeisten Arbeitnehmer für wenig Geld unmenschlich viel buckeln müssen, liegt genau darin - entweder/und sie müssen für eigene Zinszahlungen schuften, gleichzeitig aber immeauch für die Zinsverbindlichkeiten ANDERER, wildfremder "Investoren". Diese sind es, die regelmäßig den Preis bestimmen, der zu zahlen ist. Warum ist Europa heute pleite? Weil diese Investoren unsere Renten- und Versicherungseinlagen verzockt haben und es menschlich unmöglich ist, die Zinsen durch Arbeit beizubringen. Können die Gelder noch gerettet werden? Ja, aber nur durch Raub!

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 18:34 Uhr
Wilhelm Surmann

Lieber Herr Dehling

Wenn Sie mit Schneeballsystem die Politik des Schuldenmachens und die Erpressbarkeit durch den Finanzsektor meinen, gebe ich Ihnen sogar teilweise Recht.

Andererseits: Ihre (nachvollziehbare) Bankenskepsis klingt, als sei es durch das Geldschöpfungssystem vorherbestimmt. Das ist nicht der Fall. Es ist nun wirklich mehr als ein simpler Klick. Ebenso könnten Sie sagen, dass ein Schachzug nur eine Sekunde dauert.

Wenn wir beide gemeinsam eine Bank ohne Investmentsparte eröffnen, befinden wir uns in einem harten Geschäft. Wir werden Mühe haben, die Konkurrenz auszustechen, Anträge sorgfältig zu prüfen, eine vernünftige Besicherung zu gewährleisten und schließlich Geld damit zu verdienen dass die Zinserträge die Kreditausfälle übersteigen. Wir können aber, wenn wir unsere Arbeit gut machen, die richtigen Personen und Unternehmen mit Krediten ausstatten und alle freuen sich. Wenn wir unsere Arbeit schlecht machen, müssen wir pleitegehen. Daran hapert's nur im echten Leben.

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Heiner Dehling (heintje) - 24.08.2013 18:06 Uhr

Gehen Sie auf die Punkte ein!

Lieber Herr Surmann,

klar ist es richtig, mein Statement. Banken verleihen etwas, was diese nicht besitzen - nämlich aus dem Nichts geschöpftes Giralgeld. Für diesen Mausklick verlangen sie Zinsen, werden diese nicht bedient, ist die Hypothek, also z. B. das Häuschen etc. weg. Dann hat die Bank etwas, was sie selbst nie erwirtschaftet hat. Staaten können heute überwiegend ihre Zinsschulden nicht mehr bedienen --> die Banken bekommen etwas, was sie nie erwirtschaftet haben, nämlich das Geld des Steuerzahlers und im ungünstigsten Fall auch noch die Zwangshypothek auf unserer Häuschen und Grundstückchen. Sie sehen, es ist der Zins, der irgendwie beigebracht werden muss, entweder durch eigener Hände Arbeit oder durch Raub/Umverteilung. Wenn sie dieses nur den finanziell potenten Mitspielern in die Hände spielende System gut finden, ist das ihre Sache. Fakt ist, das System muss zusammenbrechen, wenn alle Arbeitskraft dieser Welt die Zinsen nicht mehr bedienen kann.

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Wilhelm Surmann

Schneeballsystem

Ihr Statement ist so schlicht nicht richtig. Ich will nicht auf jeden Punkt eingehen und auch ich sehe die Lage von Niedriglohnempfängern sowie den Finanzsektor kritisch. Trotzdem ist ein etwaiger Schneeballeffekt nur dann zu konstruieren, wenn man die Regeln des Systems bricht, nicht, wenn man sie einhält.

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Andreas Gehrmann

@Holger Gebhard

Ja, aber das ist ja noch nicht alles:
Das aus dem Nichts geschaffene Geld der Geschäftsbanken (Mindestreserve seit dem 18.1.2012 bei 1%) wird nicht nur verzinst. Die Bank verlangt ja auch Sicherheiten, oder? Was ist denn jetzt, wenn sie den Kredit, z.B. einen Hauskredit, nicht tilgen können? Ganz einfach: Sie werden raus geworfen und das Haus zwangsversteigert - für aus Nichts erschaffenem Geld!
Das ist doch eine clevere Geschäftsidee, oder?
Es wäre ja durchaus genug, wenn die Kosten für die Kreditbereitstellung ersetzt würden, oder? Aber mit diesen "Peanuts" gibt sich die Bank ja nicht zufrieden.
Eine Bank dagegen, die nur die Einlagen der Sparer verleihen würde, hätte diese Möglichkeit aber völlig zu recht. Und genau das hat man uns immer erzählt: Die Bank sei nichts weiter als ein Intermediär, der die Spargroschen verleiht. Jetzt wird auch klar, warum die klassischen Ökonomen die Finanzkrise nicht erklären oder lösen können - die Modelle geben das nicht her!
Unglaublich, aber wahr!

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Wilhelm Surmann

Das liebe Geld

Was die Diskussion hier angeht: Ich finde es gut, wenn sich Leute für genau dieses Thema interessieren, aber es ist auch schön wenn das Verhältnis zwischen Festigkeit des Standpunktes und eigener Sachkenntnis nicht allzu schief liegt.

Unser Geldsystem ist vollkommen in Ordnung. Wenn es zusammenbricht, dann nur, weil wir – insbesondere die Politik, aber auch Banken - die Regeln fortwährend verletzen und sogar Gesetze brechen. Wir sollten eher über unser Rechtssystem nachdenken als über das Geldsystem.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.08.2013 18:18 Uhr
Wilhelm Surmann

Aus dem Nichts

Selbstverständlich stimmt das und das habe ich auch nicht bestritten. Banken arbeiten mit geliehenem Geld. Dafür zahlen sie Zinsen, mal mehr mal weniger (wie derzeit). Bei funktionierendem Wettbewerb ist die Spanne zwischen Soll- und Habenzins gering. Die Multiplikatorwirkung kommt allerdings durch den Kreislauf zu Stande (→ Keynesmultiplikator). Auch Sie und ich können quasi Geld schöpfen, indem Sie mir Geld leihen (lieber so als andersrum ;)) und ich dann mit dem Schuldschein handle. Fakturisierungsunternehmen schaffen auf eine gewisse Art ebenfalls Geld.

Irgendjemand muss das Geld „aus dem nichts“ erschaffen, außer, man handelt mit Steinen. Allerdings klingt es häufig so, als müssten die Banken dieses Geld nicht zurückzahlen.

Unser Problem liegt aber doch wahrlich nicht in diesem normalen Kreislauf, den man leicht steuern kann. Die ganze Instabilität kommt doch durch das Gezocke mit geliehenem Geld und das Erpressen des Staates.

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Simon Eichendorff

Nichts

Es stimmt schon, dass das Geld von den Banken aus Nichts geschöpft wird; die Mindestreserve ist ja ein Witz. Die Banken machen also viel Geld (über Zinsen) aus diesem Nichts, und jetzt muss man sich überlegen, ob das so richtig ist.

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17.08.2013, 19:22 Uhr

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