Der amerikanische Markt für Börsengänge ist nach dem Debakel um Facebook vor knapp drei Wochen von anhaltender Unsicherheit geprägt. Seit dem enttäuschenden Debüt des Internetunternehmens, dessen Aktienkurs mittlerweile um 32 Prozent unter den Ausgabepreis gerutscht ist, hat sich kein einziges Unternehmen mehr an eine amerikanische Börse gewagt. „Der Markt befindet sich derzeit in Wartestellung“, sagt Analyst James Krapfel vom Informationsdienst Morningstar Research. Neben der Enttäuschung über Facebook, dessen gigantischer Börsengang im Volumen von 16 Milliarden Dollar als eines der wichtigsten Ereignisse an der Wall Street in diesem Jahr gilt, belasten den Aktienmarkt auch die wieder aufgeflammten Sorgen wegen der europäischen Staatsschuldenkrise. Börsenneulinge gelten als risikoreiche Anlagen - wie die Aktienkursentwicklung von Facebook anschaulich unterstreicht - und Anleger tendieren in Krisenphasen zu sichereren Wertpapieren.
Schon vor dem Debüt von Facebook hatte der Markt für Börsengänge an der Wall Street zu stottern begonnen. Nahezu die Hälfte der Börsenkandidaten in diesem Jahr mussten nach Angaben des Informationsdienstes Renaissance Capital ihren erhofften Ausgabepreis senken, weil die Nachfrage schwächer ausfiel als erwartet. Dazu gehörte auch die große Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Insgesamt debütierten seit Anfang des Jahres 69 Unternehmen an amerikanischen Börsen - gerade mal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Volumen des bei Börsengängen aufgenommenen Kapitals liegt mit 28 Milliarden Dollar zwar um 17 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres. Ohne Berücksichtigung von Facebook wäre das Volumen in diesem Jahr allerdings nur halb so groß wie in den ersten fünf Monaten 2011.
Verschoben, gestrichen, vertagt
Insgesamt haben nach Angaben von Renaissance Capital im Mai acht Unternehmen ihre Börsenpläne für die Wall Street zumindest vorläufig aufgegeben. Ende Mai hatte die Kayak Software Corp., eine Suchmaschine für Online-Reiseangebote, ihr für die kommenden Wochen geplantes Debüt auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine Werbetour bei großen Investoren wurde abgesagt. „Wir warten ab, bis die Marktlage unseren Anforderungen entspricht“, sagte eine Sprecherin von Kayak. Die Zurückhaltung beschränkte sich nicht auf die Wall Street. Der britische Juwelier Graff Diamonds sagte seinen in Hongkong geplanten Börsengang ab - nur einen Tag bevor der Ausgabepreis festgesetzt werden sollte. Auch der Rennsportveranstalter Formel 1 vorschob sein ursprünglich für Ende Juni in Singapur geplantes Debüt. Unternehmenschef Bernie Ecclestone begründete den Schritt mit dem schwachen Marktumfeld. Das Geschäft im Volumen von 3 Milliarden Dollar sei aber nicht komplett abgesagt. „Wir haben gesagt, es findet in diesem Jahr statt, also wird es in diesem Jahr stattfinden“, sagte Ecclestone.
An der Wall Street hatte vor dem Börsengang von Facebook eine Reihe anderer Unternehmen ihre Börsenpläne kundgetan. Dazu gehören der Einzelhändler Michaels Stores, der Gitarrenbauer Fender, der Satellitenbetreiber Intelsat und die Restaurantkette Bloomin’ Brands. Banker rechnen damit, dass diese Unternehmen wahrscheinlich auch abwarten werden, bis sich die Aktienmärkte wieder stabilisiert haben, um ihre Aktien nicht unter dem erhofften Wert plazieren zu müssen. Unternehmen wie Palo Alto Networks, ein Anbieter von Sicherheitslösungen im Internet, halten indes an den Börsenplänen fest.
Der Börsengang von Facebook dürfte auch das Vertrauen von Kleinanlegern in den Aktienmarkt weiter erschüttert haben. Der Handelsauftakt war von technischen Schwierigkeiten der elektronischen Börse Nasdaq überschattet. Wegen Fehlfunktionen im Handelssystem war die Verarbeitung stornierter Aufträge verzögert worden. Der Handel von Millionen von Facebook-Aktien war davon betroffen.
Dazu wird der führenden Konsortialbank Morgan Stanley vorgeworfen, die Nachfrage überschätzt zu haben. Der Vorstandschef von Morgan Stanley, James Gorman, hat unterdessen die Rolle seines Hauses beim Debüt von Facebook verteidigt und die Schuld der Nasdaq zugewiesen. Er bezeichnete den deutlichen Rückgang des Aktienkurses als enttäuschend und sprach wegen der technischen Schwierigkeiten der Nasdaq von „noch nie dagewesener Verwirrung“.
Was heißt denn Image von Aktien wurde zerstört?
Matthias Frank (ernstl1704)
- 06.06.2012, 16:46 Uhr
Imageschaden für das Wertpapier Aktie
Olaf Tamm (anulaifaz)
- 06.06.2012, 07:50 Uhr
