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Mobiles Bezahlen : Weg mit den Plastikkarten!

Die Zukunft an den Supermarktkassen könnte also so aussehen: Kunde A, ein durchtrainierter Mittvierziger, bezahlt seinen Energydrink, indem er sein smartes Fitnessarmband vors Lesegerät an der Kasse hält. Kundin B, eine elegante weißhaarige Dame, streckt ihre linke Hand aus, und der am Finger befindliche Ring erledigt die Bezahlung. Kunde C, Anfang zwanzig und schon aus dem Kindergarten an alles Digitale gewöhnt, scannt mit seinem Smartphone das Preisschild des Müsliriegels und bestätigt den Kauf per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Münzen, Scheine und Plastikkarten werden Raritäten sein.

Stellt sich die Frage, wie es um die Sicherheit bestellt ist in dieser schönen neuen Bezahlwelt. Zwar gibt es immer wieder Befürchtungen, dass bei der NFC-Übertragung Daten abgegriffen werden könnten. Doch müsste ein Übeltäter schon sehr nahe an ein Smartphone oder anderes Gerät seines Vordermannes herankommen, um Kartendaten zu klauen. Hinzu kommt, dass jeder Vorgang mindestens zweifach verschlüsselt ist. Zum einen muss sich der Nutzer auf seinem Smartphone identifizieren, per Zahlencode, Fingerabdruck oder Iriserkennung.

Zum anderen ist das Bezahlen kodiert. Es wird hierbei ein sogenannter Token erzeugt, der aus einer 16-stelligen Ziffernfolge besteht. Ein Kreditkartenanbieter kann somit überprüfen, ob der Token von einem berechtigten Gerät gesendet wurde, ehe die Bank anschließend den Code entschlüsselt und die Zahlung abschließt. Wer diese Datenübertragung heute noch skeptisch sieht, wird morgen zum Nutzer, behauptet PPRO–Experte Ohlhausen: „Die Bequemlichkeit siegt immer über die Sicherheit.“

„Wenn man die Kreditkarte unter der Haut hat, kann sie keiner klauen“

In Zukunft könnte alles noch viel komfortabler werden. Nämlich dann, wenn wir die Kontodaten, die heute noch auf Plastikkarten gespeichert sind, künftig in unserem Körper tragen. Eine Utopie? Keineswegs. Schon heute haben Hunderte Menschen sich Chips unter die Haut von Händen und Armen implantieren lassen. Die darin befindlichen Daten sind über elektromagnetische Wellen abrufbar. So können diese Menschen Türen öffnen, ohne einen Schlüssel oder eine Zutrittskarte zu benutzen, oder sich am Laptop einloggen, ohne ein Passwort einzugeben. Den Nutzungsarten sind kaum Grenzen gesetzt. Gut möglich also, dass wir das Portemonnaie irgendwann im Körper versteckt halten, als Chip. „Wenn man die Kreditkarte unter der Haut hat, kann sie keiner klauen“, sagt Ohlhausen.

Das alles mag aberwitzig und nach Zukunftsmusik klingen. In Wirklichkeit können Chinesen schon jetzt nur mit ihrem Äußeren bezahlen. Voraussetzung ist, dass ihre biometrischen Daten mit der Kreditkarte gekoppelt sind. Das bedeutet: Betritt ein Chinese ein Geschäft, wird sein Gesicht erkannt, und alles, was er anschließend einkauft, wird automatisch von seinem Kreditkonto gebucht.

Eine solche Form des Shopping ist zwar hierzulande praktisch unmöglich aufgrund des Datenschutzes. Aber für den Wirecard-Experten Waldenfels zeigt es: „Biometrische Daten haben eine enorme Macht, um Vorgänge wie das Bezahlen massiv zu vereinfachen.“ Anders ausgedrückt: Früher hat man mit Karte und seinem guten Namen bezahlt, in Zukunft kann man alles mit seinem einzigartigen Gesicht erledigen.

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