09.06.2012 · Die Regierung fördert künftig die private Pflegeversicherung. Fünf Euro im Monat gibt’s vom Staat obendrauf. Trotzdem lohnt es sich nicht für jeden.
Von Nadine OberhuberRichtlinien für Lesermeinungen
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Anruf vom Vermittler garantiert!
Nun kennen wir die (alte) und neue Wählerschaft der FDP! Nicht nur
das ehemalige Fußsoldaten von Finanzstrukturvertrieben bereits im
Bundestag kräftig mitentscheiden, nein sie scheinen auch die
Wählerschaft von morgen darzustellen und kräftig umworben zu werden.
So wurde vor zwei Jahren kräftig mit dem
Bürgerentlastungsgesetzt Kasse gemacht, die Kinderzulage im
Riesterbereich für Kinder die ab 2008 geboren wurden kletterte
plötzlich auf 300 und nun werden wir uns auf Anrufe unserer
Versicherungsvermittler freuen dürfen die sich in etwa so
anhören dürften "Verschenken Sie auch noch Ihre 60 EUR
staatliche Förderung zu Ihrer Pflegeversicherung?".
Nun möchte ich weder die Versicherungsgesellschaft angreifen, noch
möchte ich den guten Willen des Herrn Bahr anzweifeln - doch solch
undurchdachte und halbherzige Schritte lassen den Verdacht aufkommen,
sich als Marketingabteilung der Versicherungswirtschaft missbrauchen zu lassen.
Für wen soll dass denn gedacht sein?
Also ich Frage mich, auf wen dieses Gesetz abzielt? Abgesehen davon,
dass es genaue Vorgaben gibt, um die 5€ zu erhalten, aber der
entsprechende Tarif gar nicht unbedingt für jeden Anspruch sinnvoll
ist, zeigt es wieder einmal, für wen die FDP Politik macht und in
welcher Welt sie lebt. Auch wenn 6-20€ nicht viel klingt, aber wenn
man nur 1000netto zur Verfügung hat, kann das schon ne Mengen Geld
sein. Und schließlich soll man ja auch privat für die Rente
vorsorgen, sich gegen Unfälle und eine Berufsunfähigkeit
versichern. - Da kann die Regierung ihre 5€ auch gern behalten. So
wird man vor allem Leute, die nicht sonderlich gut verdienen (da spreche
ich nicht mal von Geringverdienern) nicht dazu bringen, vorzusorgen.
Wenn schon, dann doch wenigsten kaptialbildend.
Teil 2
Anscheinend verstehen Sie mich auch nicht ganz richtig. Ich bin sicher
niemand, der sich beschwert, "dass mir der Staat mein essen nicht
kaut"...ich halte ein Grundsicherung wie sie in dtl. herrscht
für richtig und wichtig. Benötige aber andererseits auch
niemanden, der mir meinen A*** hinterher trägt. Aber es gibt
einfach Dinge, die absolut fehl am Platz sind, und dieser Pflege-Bahr
gehört sicher dazu. Mir fallen einige Dinge ein, in die die
Bundesregierung sinnvoller investieren könnte, damit im Alter nicht
zu viele Menschen auf die Pflege durch den Staat angewiesen sind. Statt
dessen wird das Geld am falschen Ende eingesetzt oder gleich zum Fenster
raus geschmissen.
Sie schreiben, es ist für Leute, die selbst vorsorgen
möchten...was ist mit denen, die das gern möchten, aber nicht
können? Aber es stimmt schon, wer einmal daran gewöhnt ist, am
Existenzminimum (trotz Arbeit?!) zu leben, der kann das auch weiterhin
tun, wenn er pflegebedürftig ist...
Herr Junggeburt
Nein in der Tat, in diesem Fall ging es mir nicht um
Konstruktivität, genauso wenig wie der Bundesregierung.
Ich halte diese Regelung einfach für totalen Käse, um es
salopp auszudrücken. Der Großteil derer, die das Geld
übrig haben, um sich privat abzusichern, tun dies bereits bzw.
benötigen wohl eher keine Überzeugung in Höhe von
60€. Zumal es für die meisten teurer werden wird, wenn sie NUN
solange warten werden. Oder glauben Sie, dass die Beiträge in
dieser Höhe bleiben werden, wenn die Versicherer nicht mehr nach
Vorerkrankungen fragen dürfen oder es dann Unisex-Tarife geben
wird? Die Versicherer werden das Risiko das "Schadensfalles"
also in Zukunft auf alle Versicherer gleichmäßig verteilen.
Das wird sehr viele 30 jährige Männer dazu veranlassen, nun
noch zu warten, bis es dann 5€ für eine Versicherung gibt, die
nun aber 10€ im Monat mehr kostet. Das Resultat können Sie
sich vorstellen?
Frau Neumann
Hauptsache nicht konstruktiv scheint das Motto ihres Kommentars zu sein.
Erstens sind die fünf Euro nicht das Geld der Regierung, es ist
unser Geld.
Zweitens ist das für die gedacht, die privat vorsorgen
möchten. Wer mit seinem Geld vorher nicht auskommt, wird das auch
mit dieser Förderung nicht tun. Auch für diese Leute gibt es
im Pflegefall staatliche Zuwendungen.
Drittens ist es kein staatliches Dogma, dass private Renten, Unfall-
oder Berufsunfähigkeitsvericherungen Sinn machen können. Es
handelt sich vielmehr um IHREN EIGENEN Bedarf.
Viertens fordern Sie kapitalbildende Vorsorge. Lassen Sie sich nicht
aufhalten. Gibt es schon, wahlweise mit oder ohne staatliche Förderung.
Ich fürchte, es kommt der Tag, an dem sich Leute darüber
beschweren, dass uns der Staat das Kauen unseres eigenen Essens zumutet.
Obwohl gerade Geringverdienter doch so stark unter den Kosten der
Zahnpflege leiden.
Wer will denn schon ins Pflegeheim?
Ich erinnere mich noch an die Diskussion zur Einführung der
Pflegeversicherung. Damals kam das Sozialamt für
Pflegebedürftige auf. Man Argumentierte, dass es
"unwürdig" sei, im Alter auf das Sozialamt angewiesen zu
sein. Mit der Pflegeversicherung würde man zwar einen Beitrag
zahlen, aber damit wären dann die etwaigen Pflegekosten gedeckt.
Der Staat versucht sich aus der Affäre zu ziehen und die
Bürger sollen sinnlos Geld ausgeben. Wer will schon ins Pflegeheim?
Es geht doch wieder nur darum, die Versicherungen zu päppeln.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft der Politiker zur Versicherungswirtschaft.
Ich glaube, niemand will in Pflegeheim.
Kommt aber trotzdem vor. Verursacht dementsprechend Kosten. Und die
müssen nunmal auf die eine und/oder andere Weise gedeckt werden.
Der Staat versucht sich übrigens in keiner Weise aus der
Affäre zu ziehen. Denn erstens wird der Staat nach wie vor hohe
Anteile an diesen Kosten tragen und zweitens stellt sich natürlich
die Frage, inwiefern die Deckung dieser Kosten überhaupt eine
staatliche Aufgabe ist.
Beide Aspekte werfen angesichts steigender Staatsverschuldung und
steigenden Pflegebedarfs die Frage auf, welche Maßnahmen zu
ergreifen sind.
Grundsätzlich ist die Förderung privater Risikovorsorge
sicherlich nicht die dümmste Maßnahme.
Geld, dass hierfür verwendet wird, ist auch nicht sinnlos
ausgegeben - mehr Bürger geben übrigens ohne mit der Wimper zu
zucken mehr Geld für Ihre KFZ-Vollkasko oder ihre
Hausratversicherung aus als für die Pflegeversicherung.
Ihre Erinnerungen zur Einführung der Pflegepflichtversicherung
teile ich übrigens nicht. "Man argumentierte" - wer denn?
Nadine Oberhuber Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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