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Arzthaftpflichtversicherung : Die teuren Patienten

Bewusstseinswandel: Die Jahre des Preisanstiegs haben in einigen Kliniken eine Verbesserung des Risikomanagements bewirkt. Bild: dpa

Der Versicherer Zurich trennt sich von seinem Arzthaftpflichtgeschäft. Damit war er einst Marktführer. Dann zog er sich zurück und warf den Markt um.

          Bei der Zurich erinnert man sich ungern an diese Zeiten: Für das deutsche Ärztehaftplichtgeschäft musste der Schweizer Konzern viele Millionen Euro nachreservieren. Die Marktführerschaft auf dem Markt mit deutschen Krankenhäusern hatte er sich teuer mit zu günstigen Policen erkämpft. Die Börsenbewertung litt erheblich unter dieser Unterreservierung. Doch nun hat die Zurich dieses Kapitel endgültig abgeschlossen und das bestehende Portfolio mit Reserven für potentielle Schadensfälle von zuletzt 450 Millionen Dollar an die Catalina Insurance Ireland veräußert. Weniger als ein Dutzend Zurich-Mitarbeiter werden die weiterhin gültigen Deckungen aus der Vergangenheit betreuen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aufräumarbeiten in dieser Sparte haben die Zurich lange Zeit beschäftigt. Vor fünf Jahren entschied sie, dass zum 1. Januar 2013 kein Neugeschäft mit Krankenhäusern mehr gezeichnet wird. Das hat den Markt für Haftpflichtpolicen mit Kliniken über den Haufen geworfen. Bis heute dürften sich die Prämien etwa verdoppelt haben, im Jahr des Rückzugs gab es Deckungs-Notstände. Dass die Wettbewerber weiter Deckungen gewährten, war zum Teil mit erheblichen Preisaufschlägen verbunden, die sich in den Folgejahren fortsetzten. „Seit vergangenem Jahr flacht der Preisanstieg ab, weil neue Marktteilnehmer eingetreten sind“, sagt Mathias Lenschow, Mitgeschäftsführer von Funk Hospital Versicherungsmakler.

          Besonders belastend: Fehler in der Geburtshilfe

          Nicht nur die Zurich, auch die Basler, die Alte Leipziger, die Gothaer und phasenweise der HDI und die Axa hatten sich zurückgezogen und so das Angebot verknappt. Doch mit den steigenden Preisen ist das Geschäft auch für Versicherer wieder attraktiver geworden. Der deutsche Arm von Berkshire Hathaway hat sich etabliert, der französische Marktführer Sham ein Büro in Deutschland errichtet, und auch Ethias aus Belgien will das Risiko zeichnen.„Der Markt ist weicher geworden, weil die Kliniken mehr Angebote bekommen als noch vor zwei Jahren“, sagt Ingo Gurcke, Geschäftsführer der Marsh Medical Consulting, die 2014 aus dem internationalen Maklerhaus heraus gegründet wurde. „Weich“ bedeutet: Die Preise fallen.

          Die Versicherer hätten ihre erforderlichen Rückstellungen genauer errechnet und auch mehr Transparenz über die Schadenentwicklung erzielt. Um 7 Prozent steigen die Schadenkosten Jahr für Jahr – eine Inflation, die weit über der anderer Versicherungszweige liegt. „Deshalb ist es wichtig, dass jede Klinik etwas selbst am Risiko tut; das haben sie in der Vergangenheit versäumt“, sagt er.

          Vor allem Fehler in der Geburtshilfe belasten die Versicherer, weil sie oft vom Anfang bis zum Ende des Lebens Leistungen nach sich ziehen. Zur Teuerung trägt vor allem bei, dass die Politik das Prinzip „ambulant vor stationär“ vorgibt, die Pflege in den eigenen vier Wänden ist teurer als im Pflegeheim. Doch auch eine Herz-Operation kann zum unerwarteten Risiko werden. „Wenn ein fehlerhafter Herzschrittmacher eingebaut wurde, der erst möglicherweise zu Schäden führen kann, haben dennoch auch alle anderen Patienten des gleichen Modells einen Anspruch, Kosten einer Behandlung oder auch Operationskosten für einen Austausch geltend zu machen“, sagt Rainer Breeck, Haftpflichfachmann des Maklerhauses Aon. Dieser Anspruch geht auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs „Das trifft auch die Haftpflichtversicherer“, sagt er.

          Tendenz zur Vollversicherung

          Die Jahre des Preisanstiegs haben nach Einschätzung der Makler auch einen Bewusstseinswandel in den Kliniken bewirkt. Zum einen habe sich das Risikomanagement verbessert. „Die Zeiten knapper Kapazitäten haben dazu geführt, dass die Anforderungen der Versicherer stärker akzeptiert werden“, sagt Breeck. Zum anderen nimmt die Bereitschaft zu, höhere Anteile am Schaden selbst zu tragen. „Es sind vermehrt Eigentragungsmodelle zu beobachten. Man tendiert heraus aus der Vollversicherung“, sagt Funk-Manager Lenschow.

          In den Gesprächen zwischen Kliniken und Versicherern gehe es immer häufiger darum, das richtige Maß aus Schadenreservierung und Eigentragung auszutarieren. In der Haftpflichtversicherung müssen die Anbieter sehr langfristige Schäden in ihre Beitragskalkulation einbeziehen. Oft ist lange unklar, ob ein Krankenhaus für einen Schaden haftbar ist oder nicht. Tritt ein Fall ein, in dem zwar eine Leistung reserviert wurde, die Klinik aber dann doch nicht haftet, hat sie zu viel Beitrag an den Versicherer gezahlt. Die Eigentragung kann die Krankenhäuser schon im Vorfeld entlasten. „In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns derzeit“, sagt Lenschow.

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