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Zinsentwicklung Treue zum Tagesgeldkonto zahlt sich aus

Eine Studie über zehn Jahre zeigt: Bankkunden müssen kein Zins-Hopping betreiben. Manche Banken zahlen auch dauerhaft hohe Zinsen.

© dpa Vergrößern Bei manchen Banken bekommen Sparer auf Dauer gute Zinsen.

Viele Banken locken für einige Monate Neukunden mit besonders attraktiven Tagesgeldangeboten. Das verleitet Anleger dazu, von einem Tagesgeldkonto zum nächsten zu springen. Doch Zins-Hopping ist zeitraubend und anstrengend. Auf lange Sicht zahlt sich Treue aus, wenn die Anleger das richtige Angebot wählen. Dies zeigt eine Studie des Finanzjournalisten Udo Keßler. Denn manche Banken richten Tagesgeldkonten ein, die ihren Stammkunden kontinuierlich höhere Zinsen zahlen als der Durchschnitt der Banken. Zins-Hopping sei dagegen nur eingeschränkt möglich, weil jeder bei einer Bank nur einmal von den attraktiven Konditionen für Neukunden profitieren kann.

Sechs Banken bieten dauerhaft überdurchschnittlich hohe Zinsen, wie Keßler auf Basis von Daten der FMH-Finanzberatung in Frankfurt ausgerechnet hat. Die 1822 Direkt der Frankfurter Sparkasse, die ING-Diba, die Santander Consumer Bank, die SKG Bank, die Mercedes-Benz Bank und die Volkswagen Bank Direct hatten von Anfang 2003 bis Ende 2012 wenigstens ein Tagesgeldkonto im Angebot, das in jedem Jahr dieses Zeitraums überdurchschnittlich hohe Zinsen zahlte.

Infografik / Die besten Tagesgeldkonten der vergangenen zehn Jahre © F.A.Z. Vergrößern Die besten Tagesgeldkonten der vergangenen zehn Jahre

Im Durchschnitt vergüteten die Banken in den vergangenen zehn Jahren Tagesgeld vom ersten Euro an mit 1,88 Prozent. Durchschnittlich am wenigsten zahlten die Banken im Jahr 2010 mit 1,09 Prozent und am meisten im Jahr 2008 mit 3,21 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es laut FMH-Finanzberatung 1,37 Prozent.

100 Euro nur noch 85 Euro wert

„Der Unterschied zwischen den besten Anbietern und dem Durchschnitt ist erheblich“, sagt Keßler, der schon verschiedene Finanzstudien zu Bundeswertpapieren, Girokonten und Sparbüchern erstellt hat. Beim Vergleichssieger 1822 Direkt waren auf lange Sicht 39 Prozent mehr Zinsen möglich als bei einem Durchschnittsangebot. Bei einer Einzahlung von 10.000 Euro Anfang 2003 erhöhte sich der Sparbetrag bis Ende 2012 auf 12.843 Euro. Das sind 803 Euro mehr als bei einem durchschnittlich verzinsten Tagesgeldkonto, auf dem nach diesem Zeitraum 12.040 Euro ständen.

„Nur wenige Banken zahlen ihren Stammkunden auf Tagesgeldkonten Jahr für Jahr überdurchschnittlich hohe Zinsen“, stellt Keßler in der Studie fest. Dennoch lohne sich die Suche nach dauerhaft erstklassigen Konditionen. Sparer, die in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise 10.000 Euro einer der vier Banken mit besonders attraktiven Angeboten anvertrauten, kommen auf ein Zinsplus von mindestens 454 Euro (siehe Tabelle).

Infografik / Tagesgeldzinsen auf Tiefstand © F.A.Z. Vergrößern Zinsentwicklung von 2003 bis 2013

Diese Aussagen gelten übrigens auch nach Abzug der Inflation. „Alle Top-Anbieter konnten das eingesetzte Kapital in den vergangenen zehn Jahren auch real - also unter Berücksichtigung der Geldentwertung - vermehren“, ermittelte Keßler. Die Verbraucherpreise erhöhten sich zwischen Januar 2003 und Dezember 2012 um 17,8 Prozent. Der mit den besten Tagesgeldkonten mögliche Vermögenszuwachs lag klar darüber: 28,4 Prozent sind es beim besten Anbieter und 24,9 Prozent beim Viertplazierten.

Inflationsbereinigt ergebe sich damit ein deutliches Plus. Durch die Geldentwertung von 17,8 Prozent waren die 100 Euro des Januar 2003 Ende Dezember 2012 nur noch rund 85 Euro wert. Diese Zahl ergibt sich durch Teilung von 100 Euro durch 1,178. Das beste Tagesgeldkonto wies Ende vergangenen Jahres einen Stand von nominal 12.843 Euro auf. Geteilt durch die Inflation im Untersuchungszeitraum von 1,178, bleiben real 10.902 Euro. Das entspricht einem bereinigten Wertzuwachs von 902 Euro. Auch das viertbeste Konto liegt real mit 606 Euro im Plus (siehe Tabelle).

Online-Konto kann mehr Zinsen bringen

Viele Anlageberater werben für Wertpapieranlagen mit dem Argument, Tagesgeld eigne sich nicht für den Vermögensaufbau. Diese Aussage hat sich zumindest im Rückblick für die vergangenen zehn Jahre nicht bewahrheitet. Laut Keßlers Rechnung glich selbst ein durchschnittlich verzinstes Tagesgeldkonto im Untersuchungszeitraum die Geldentwertung mehr als aus. Der inflationsbereinigte Zinszuwachs liegt selbst bei einem Durchschnittsangebot noch bei 221 Euro.

Bei seinen Berechnungen nahm Keßler an, dass der Kunde dem Anfang 2003 gewählten Tagesgeldkonto zehn Jahre lang treu geblieben ist. Deshalb wendete er nur die Konditionen für Bestandskunden an. Außerdem rechnete er eine zweite Variante durch: Hier nutzte der Kunde bei den besten Anbietern die Möglichkeit eines bankinternen Kontowechsels, wenn dieser zu höheren Zinsen führte. Bei zwei Banken hätte es sich gelohnt, das Geld auf ein neu eingeführtes, höher verzinstes Tagesgeldkonto umzubuchen. Dies war bei der Santander Consumer Bank, der ehemaligen CC-Bank, der Fall und bei der Mercedes-Benz Bank, die früher als Daimler-Chrysler-Bank firmierte.

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Die Verzinsung lässt sich manchmal dadurch etwas steigern, dass der Kunde statt telefonischer Kontoführung die Online-Variante wählt. Dies bringt zum Beispiel bei der Volkswagen Bank Direct in der Regel 0,1 Prozentpunkte mehr. Das klingt nach wenig. Doch in den zehn Jahren, die Keßler untersucht hat, hätte diese Differenz auf 10.000 Euro immerhin einen Zusatzertrag von 156 Euro gebracht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 11.04.2013, 18:34 Uhr

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