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Geldirrtümer : Der Mythos vom Haus

Haus = sicher? Die Rechnung geht nicht immer auf. Bild: dpa

Eine Immobilie ist eine Geldanlage, die nie an Wert verliert, glauben viele. Aber das ist ein Irrtum, der Hausbesitzer teuer zu stehen kommen kann. Wie können Sie vorsorgen?

          Wenn die Zeiten unruhiger werden, machen wir es wie die Passagiere auf hoher See: Wir klammern uns an eine Reling, anstatt zu versuchen, auf dem schwankenden Schiff nicht aus dem Tritt zu geraten. So ähnlich machen es auch viele Anleger, denen die Finanzmärkte zu turbulent geworden sind. Sie klammern sich an Sachwerte, vor allem an Immobilien. Die tragen die Stabilität nicht nur im Namen, sondern sie waren zuletzt einer der wenigen Horte, an dem Geld noch sicher und wertbeständig anzulegen war. Denn selbst wenn alles einem Crash zum Opfer fallen sollte – Häuser behalten einen Wert, oder nicht? Man kann sie anfassen, in ihnen wohnen, sie vermieten. Also ist doch klar, dass reale Gebäude einen höheren Gegenwert besitzen als rein nominale Geldanlagen. Ihr Gegenwert bemisst sich immer in Stein.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So schön diese Idee auch klingt, so falsch ist sie leider auch. Denn die These von der Wertbeständigkeit der Immobilien ist ein Mythos. Das wissen alle, die mal ein Haus in einem Landstrich gekauft haben, wo später einmal eine Windkraftanlage oder eine Autobahn gebaut wurde. Und selbst Großstädter sind davor nicht gefeit. Gerade in Zeiten, in denen so viele Anleger Zuflucht im Betongold suchen, fangen auch die Hauspreise beträchtlich an zu schwanken. Selbst für Experten wird es immer schwerer, den wahren Wert einer Immobilie zu bestimmen. Mit einem Investment in Wohneigentum waren in vielen Städten seit 2010 zweistellige Wertsteigerungen pro Jahr möglich. In den deutschen Metropolen zogen die Preise seitdem um 50, 70, sogar 100 Prozent an. Größenordnungen, von denen Immobilienkäufer vor ein paar Jahren nicht einmal zu träumen wagten. Doch geht es deshalb so weiter?

          Wie 2008 in Amerika

          Momentan schon, denn wie immer in solchen Boomphasen gilt: Wenn es steil bergauf geht, wollen plötzlich alle an den Wertsteigerungen teilhaben. Jeder, der es sich irgendwie leisten kann, denkt über eine Umwandlung von Geld in Steine nach. Deswegen preschen noch mehr Käufer in den Markt. Teils in der Erwartung weiter steigender Preise, teils in der Annahme, mit einem Haus ein Pfand in der Hand zu haben, das man bewohnen oder wieder zu Geld machen kann. In Letzterem besteht der große Irrtum. Deshalb ist der Haus- und Wohnungskauf ungemein gefährlicher als jedes Investment am Aktien- oder Anleihemarkt.

          Warum, ist schnell erklärt: Ein Immobilienkauf ist das größte Klumpenrisiko, das ein Sparer im Laufe seines Lebens eingehen kann. Ein Haus bindet meist das gesamte frei verfügbare Vermögen – und wird zudem noch auf Pump finanziert. Ohne Bankkredit kommen dabei die allerwenigsten aus. Schon diese beiden Umstände machen jeden Immobilienkauf zum Hochrisikoinvestment. Hinzu kommt, dass die meisten Käufer gefährlich wenig über den lokalen Immobilienmarkt wissen und den Wert der Steine allgemein überschätzen. Deshalb ist es noch unerlässlicher, den wahren Preis der Immobilie zu bestimmen, die man kauft. Doch wie macht man das?

          In deutschen Großstädten wird es langsam schwierig zu sagen, ob fünfstellige Quadratmeterpreise noch gerechtfertigt sind. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz drückt es so aus: Wenn die Preise heute nur so hoch sind, weil alle annehmen, dass sie auch morgen hoch sein werden – und deswegen kaufen –, dann liegt eine Überhitzung des Marktes vor. Dann hätten sich die Preise von den Fundamentalfaktoren abgekoppelt, und die Preissteigerungen wären nicht mehr zu rechtfertigen. So ähnlich war es beim Immobilienboom in Amerika, der 2008 spektakulär zu Ende ging und in die Weltfinanzkrise mündete. Die Erfahrung lehrt allerdings auch: Solche Blasen erkennt man immer erst hinterher.

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