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Veröffentlicht: 27.02.2013, 13:36 Uhr

Was an Männern attraktiv ist Frauen wollen vor allem Geld? – Na klar!

Nach einer neuen Umfrage ist für Frauen wichtiger als für Männer, dass ihr Partner viel verdient. Das ist kein überraschender Skandal, sondern vollkommen logisch: Frauen verdienen weniger und finden Geld darum eben vergleichsweise wichtiger als Männer.

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© dpa Ist es wirklich Liebe? Oder will sie nur sein Geld?

„Nur die Liebe zählt“, so hieß eine Sendung auf Sat 1, in der gefühlsduselige Paare sich gegenseitig überraschten und den jeweils anderen mit Liebesgeständnissen zu Tränen rührten. Doch der Sender setzte das Format ab, und spätestens jetzt müsste Moderator Kai Pflaume die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn so ausschließlich, wie sich das Liebesprimat im Sendungstitel formuliert, ist es in der Realität nicht – zumindest nicht beim weiblichen Geschlecht.

Anne-Christin Sievers Folgen:

Denn – Skandal – fast 40 Prozent der Frauen wünschen sich, dass ihr Partner mehr oder mindestens genauso viel verdient wie sie. Lediglich für 58 Prozent der weiblichen Befragten zählt nur die Liebe – sie finden das Einkommen ihres zukünftigen Partners nicht so wichtig. Das sind die Ergebnisse der Umfrage „Geschlecht und Finanzen“, die TNS Emnid im Auftrag der Postbank durchgeführt hat. Viel romantischer kommen die Männer daher: „Geld ist mir egal“, sagen 71 Prozent der Befragten, wenn sie über ihre Partnerwahl berichten. Dass ihre Partnerin genauso viel oder mehr verdient als sie, ist nur für etwa 25 Prozent der Männer entscheidend.

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Wir haben es doch immer gewusst: große Liebe, Romantik, Kerzenschein – alles Show. Nach dem Geld ist es her, das Weib. Die Frauen wollen von den Männern eben nur ihr Bestes – und das ist ihre Kohle. Der Mann ist für sie noch immer der Ernährer, er soll mehr verdienen und sie versorgen – während sie ein gemütliches Nest bauen, sich Cappuccino schlürfend die Zeit mit dem Kinderwagen im Café vertreiben und abends das Essen auf den Tisch zaubern. So die gängigen Klischees, die eine solche Studie scheinbar reproduziert. Wenn man sie nicht auch ganz anders deuten könnte.

Zunächst einmal ist es vollkommen logisch: Wer von etwas wenig hat, der wünscht sich natürlich mehr davon als jemand, der viel davon hat – einfach weil er es nötiger braucht. Wer krank ist, wünscht sich nichts sehnlicher als gesund zu werden. Geht es einem gut, ist die Gesundheit kein Thema – man hält sie für selbstverständlich. Und genauso ist es auch in Sachen Gehalt: Noch immer verdienen Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer. Laut Statistischem Bundesamt lagen im Jahr 2010 die Verdienste weiblicher Führungskräfte 30 Prozent unter dem Männerwert, ähnlich sieht die Lücke bei Technikern (30 Prozent) und allgemein bei Akademikern (28 Prozent) aus.

Frauen verpassen wichtige Gehaltssprünge

Warum das so ist, dafür gibt es nachvollziehbare Gründe: weil Frauen wegen Kindererziehung und Halbtagsarbeit wichtige Gehaltssprünge verpasst haben oder weil sie in Berufen wie Krankenschwester oder Kindergärtnerin arbeiten, die von der Gesellschaft als weniger produktiv angesehen werden als Investmentbanker und Unternehmensberater. Es gibt dafür aber auch nicht nachvollziehbare Gründe, die in überkommenen Traditionen begründet liegen und im 21. Jahrhundert lediglich als Anachronismus richtig bezeichnet sind. Kurzum: wer weniger Geld hat, der gibt in Studien natürlich auch an, dass es für ihn wichtig ist – es wird wichtig, weil es fehlt. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Person mit einem Gehalt von 4000 Euro brutto einen Partner mit höherem Einkommen wünscht, natürlich geringer als bei einer Person mit einem Gehalt von 2000 Euro brutto. Verdient der Partner etwa 3000 Euro brutto, so hat er im ersten Fall ein geringeres, im zweiten Fall aber ein höheres Einkommen als der andere. Und da Frauen empirisch weniger verdienen, ist die Spanne der Einkommen, die über ihrem eigenen Gehalt liegen, eben größer.

Anstatt das Studienergebnis als Ausdruck einer neuen Vorliebe für ein Leben am heimischen Herd zu interpretieren, muss man es zudem als das genaue Gegenteil deuten: Viele Frauen wollen nach der Geburt ihrer Kinder schnell wieder arbeiten gehen – vor allem, um finanziell unabhängig von ihrem Partner zu bleiben. Und das geht leichter, wenn der Mann gut verdient. Denn dann hat auch die Frau ganz andere Spielräume, sich selbst beruflich trotz Familie zu verwirklichen. Frauen, die Haushaltshilfe und Kinderbetreuung gerade in den frühen Jahren der Familiengründung zukaufen und outsourcen können, fällt es natürlich leichter, die Sechzig-Stunden-Woche im Großunternehmen zu bewältigen – und das ist eben eine Frage des Geldes. Für viele ist es hingegen ein Luxus, arbeiten zu gehen: Nachdem Kita und Krippe für zwei Kinder, Fahrtkosten zum Arbeitsplatz und das Essen mit den Kollegen bezahlt sind, bleibt bei einem Halbtagsjob kaum etwas für die Familienkasse übrig.

Neues Scheidungsrecht

Dabei wird es für die Frauen finanziell und existentiell immer notwendiger, in der Phase der Familiengründung möglichst wenig zurückzustecken, schnell wieder voll einzusteigen – und so langfristig ihr eigenes Gehalt zu steigern und sich abzusichern. Alles andere wäre – bei einer Scheidungsrate von etwa 50 Prozent – glatter finanzieller Selbstmord.

Das neue Scheidungsrecht, nach dem nur noch die Kinder, kaum aber die Frauen ein Recht auf Unterhalt haben, tut sein übriges. Jeder muss eben sehen, wo er bleibt – und davon ausgehen, dass er bald allein dasteht. In einer Gesellschaft, in der Kinder eines der höchsten Armutsrisiken sind, in der ein Gehalt nicht mehr für den Unterhalt einer Familie ausreicht und in der es bestraft wird, wenn man die eigenen Interessen zugunsten der Nächsten aus dem Blick verliert, muss man sich nicht über solche Studienergebnisse wundern.

Quelle: FAZ.net

 

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