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Vorsorgeatlas : Wie wappne ich mich fürs Alter?

Wer die Möglichkeiten zur Vorsorge nutzt, hat es später leichter. Bild: dpa

Trotz aller Sorgen um Altersarmut und Vorsorgenotstand – der aktuelle Vorsorgeatlas gibt Entwarnung: Wer die Möglichkeiten nutze, müsse sich keine Sorgen machen. Nur: Aktiv werden muss man schon.

          Viele Menschen sorgen sich um ihre Altersvorsorge, nicht zuletzt weil Schlagzeilen von Altersarmut und um den Zustand des Rentensystems für Verunsicherung sorgen. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, veröffentlicht alljährlich ihren „Vorsorgeatlas“.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieser wird vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg unter Leitung des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen erarbeitet. In diesem Jahr haben die Urheber eine klare beruhigende Botschaft: „Die Menschen in Deutschland müssen sich keine Sorgen um ihre Rente machen. Denn das Vorsorgesystem über drei Schichten funktioniert auch in der Zukunft“, heißt es in der Mitteilung.

          Die Rente bleibt der Grundpfeiler

          Allerdings setze das voraus, dass Menschen selbst aktiv werden. Denn nur wer die angebotenen Möglichkeiten nutze, sei im Alter gut versorgt. Grundlegende Veränderungen seien indes nicht erforderlich, so Raffelhüschen und das gelte insbesondere für die gesetzliche Rente. Diese werde für rund 34 Millionen Deutsche auch in den nächsten Jahrzehnten ein sicherer und stabiler Grundpfeiler der Altersvorsorge über das Jahr 2030 hinaus bleiben.

          Aber wie das mit Grundpfeilern so ist – sie tragen das Gebäude, aber zu einem Haus gehört eben mehr. Im Durchschnitt erhalten künftige deutsche Rentner monatlich 1.070 Euro. Das genügt, um  rund 48 Prozent des letzten Bruttoeinkommens zu ersetzen. Zur Sicherung des Lebensstandards im Alter setzt die Studie allerdings mindestens 60 Prozent voraus.

          Zudem gibt es deutliche Unterschiede: Während die 50- bis 65-Jährigen mit einer Ersatzquote von 64,1 Prozent sich auch jenseits der gesetzlichen Rente unter diesem Gesichtspunkt keine Sorgen machen müssen, stehen Jüngere deutlich ärmer da. So kommen die 20- bis 34-Jährigen nur auf 38,6 Prozent und benötigten etwa 800 Euro zusätzlich pro Monat.

          Riester-Rente ist besser als ihr Ruf

          Indes sind die Möglichkeiten da. Denn Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge funktionierten und schlössen die Versorgungslücke. Menschen, die diese Möglichkeiten nutzten, erreichten so im Durchschnitt eine Ersatzquote von 61,8 Prozent. Selbst die junge Generation, die besonders von den Rentenreformen der Vergangenheit betroffen sei, könne damit im Durchschnitt schon auf eine Quote von 55 Prozent kommen und müssten daher nur noch wenig zusätzlich sparen, um auf eine Quote von mehr als 60 Prozent zu kommen.

          Am weitesten verbreitet ist mit mehr als 16 Millionen Verträgen die Riester-Rente. Insgesamt 44 Prozent der Förderberechtigen haben einen Vertrag und mit ihren aktuellen Sparraten im Rentenalter durchschnittlich Anspruch auf 290 Euro Rente im Monat. Die heute 20- bis 35-Jährigen kommen Verträgen sogar auf 392 Euro.

          Eine betriebliche Altersvorsorge haben rund 8 Millionen Menschen oder 16,3 Prozent abgeschlossen. Sie bringt am Ende deutlich mehr, nämlich mit 575 Euro durchschnittlich 14,9 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Diese höheren Renten sind teilweise systembedingt. Während von der Riester-Rente über die Zulagen unter anderem Familien und Geringverdiener und besonders profitieren, wird bei der betrieblichen Altersvorsorge der Sparer über Steuervorteile gefördert. Zudem werde diese überwiegend von größeren Unternehmen mit entsprechend hohem Lohnniveau aktiv angeboten und in Form von Arbeitgeberbeiträgen gefördert.

          Private Vorsorge ist möglich

          Während bei Beschäftigte mit einem monatlichen Einkommen von mehr als 2.000 Euro rund jeder Dritte eine betriebliche Absicherung hat, ist es in der Einkommensgruppe von 1.100 Euro bis 2.000 Euro nur jeder Fünfte, bei einem Einkommen von weniger als 1.100 Euro nur jeder Zwanzigste. Das jüngst verabschiedete Betriebsrentenstärkungsgesetz sei aber ein wichtiger Meilenstein, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union Investment.

          Für wen die Bezüge aus gesetzlicher, betrieblicher und Riester-Rente nicht reichten, um eine Versorgungslücke zu schließen, der könne weiter privat vorsorgen. Immerhin kommen künftige Rentner dies mit eingeschlossen, im Durchschnitt auf 82,6 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Selbst die 20- bis 35-Jährigen kommen so noch auf eine Ersatzquote von rund 69 Prozent.

          Bild: F.A.Z.

          Kompliziertes Verhältnis von Ost und West

          Dass Durchschnittsbetrachtungen den Blick auf Probleme bisweilen zu verstellen vermögen, liegt in der Natur der Sache. Interessant ist etwa das widersprüchliche Bild, dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland abgeben. So beziffert der Vorsorgeatlas die künftige durchschnittliche Höher der gesetzlichen Rente in den neuen Bundesländern mit Ausnahme von Brandenburg und Berlin auf weniger als 1000 Euro. Im Westen sind es selbst in den ärmeren Regionen mehr. Besonders gut geht es dann Rentnern in Baden-Württemberg, dem südlichen Rheinland-Pfalz, Hessen sowie Bayern.

          Gegenwärtig jedoch liegen die Renten im Osten im Durchschnitt 200 Euro über denen im Westen. Und auch relativ wird es den Ost-Rentnern künftig zumindest nicht schlechter gehen als denen im Westen. Denn trotz niedrigerer Renten kommen die Ostrentner mit Ausnahme von West-Berlin auf die höchsten Ersatzquoten von durchschnittlich 53,4 Prozent. Dagegen kommen West-Rentner nur auf 47,2 Prozent. Das betrifft vor allem Rentner in Süd- und Südwestdeutschland. Das reflektiert die Umverteilungswirkung der gesetzlichen Rente, die auf diese Weise dann für höhere Ersatzquoten sorgt, wenn die Löhne niedriger sind

          Quelle: FAZ.NET

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