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Veröffentlicht: 22.04.2016, 19:24 Uhr

Altersvorsorge Riester ist besser als sein Ruf

Eine Untersuchung für die F.A.Z. zeigt: Ganz im Gegensatz zur geballten Kritik an der staatlich geförderten Altersvorsorge werfen Riesterverträge eine ordentliche Rendite ab.

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© dpa Gelassenheit im Alter muss man sich leisten können: Zwei Spaziergänger mit Hund im Norden Frankfurts

Die Riester-Rente hat einen schweren Stand. Das ist schon seit der Einführung der staatlich geförderten Zusatzrente so. Zuerst verlief der Verkauf so schleppend, dass Kritiker schon frühzeitig unkten. Als mehr Verträge abgesetzt wurden, schossen sie sich auf die angeblich dubiosen Finanzvertriebe ein, die von den hohen Provisionen profitierten. All diese Kritikpunkte mündeten in der vergangenen Woche in das Verdikt Horst Seehofers, die Riester-Rente sei gescheitert. Das vernichtende Urteil des CSU-Vorsitzenden bestimmt seither die Rentendebatte in Berlin.

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Angesichts solch scheinbar unumstößlicher Aussagen lohnt es sich, Zahlen sprechen zu lassen. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung bei Nürnberg hat sich für diese Zeitung 1275 Riester-Verträge angeschaut, die schon in der Auszahlungsphase sind. Das Spektrum reicht von Rentenversicherungen über Fonds bis zu Banksparplänen, ausgenommen sind Wohn-Riester-Verträge, weil ihr Erfolg monetär schwerer zu erfassen ist. Das private Institut hat die Vertragsdaten anonym ermittelt und auf ihre Rendite hin untersucht.

Immer wieder heißt es, die hohen Abschlusskosten zehrten die Rendite auf. Zudem beschweren sich Kritiker darüber, dass sie durch ungünstige Sterbetafeln erst im hohen Alter rentabel sind. Gemessen an dieser geballten Kritik, kommen die Verträge mit 3,64 Prozent jährlicher Rendite nach Steuern – und dies bis zum Lebensende jedes durchschnittlich alt werdenden Kunden – ordentlich weg. „Riester ist eine solide Lösung, die das Langlebigkeitsrisiko absichert“, sagte Instituts-Geschäftsführer Michael Hauer dieser Zeitung.

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Das Ergebnis ist nicht zu übertragen auf Verträge, die später abgeschlossen worden sind, weil diese viel stärker von der derzeitigen Niedrigzinsphase belastet werden. Zudem ist die Bandbreite der Renditen sehr groß. Aber negative Erträge hat kein einziger eingefahren. „Durch die Niedrigzinsphase werden künftig die Erträge schwächer ausfallen, aber die Ergebnisse sind lange nicht so schlecht, wie es getan wird“, sagte Hauer.

Konservative Annahmen für Lebenserwartung

Für seine Untersuchung hat das Institut Verträge verschiedene Anbieter zugrunde gelegt. Für die Lebenserwartung der Kunden hat sie konservativere Annahmen getroffen, als sie üblicherweise in Versicherungsverträgen enthalten sind. Sie entspricht den derzeit realistischen Werten für die Langlebigkeit.

Werden die Kunden sogar so alt wie von den Versicherungsunternehmen unterstellt, fällt die Rendite jedes einzelnen Vertrags sogar noch höher aus. Dass die Riester-Produkte so gestaltet sind wie die gesetzliche Rente – nämlich eine monatliche Auszahlung bis zum Lebensende garantieren –, hält Hauer, der häufig Analysen für die Finanzbranche macht, für die große Stärke der Verträge. „Der Rentner bekommt – egal, wie alt er wird – bis zum ,bitteren Ende‘ eine Rentenzahlung“, betonte er.

Vier von zehn haben ein Riester-Produkt

Ob Riester gescheitert ist, lässt sich nicht nur an den Renditen der Verträge ermessen, sondern auch an der Verbreitung. Nur etwa vier von zehn förderberechtigten Personen haben ein Riester-Produkt abgeschlossen. „Wenn man damals von 80 Prozent ausgegangen ist, mag das eine Enttäuschung sein“, gestand Hauer zu.

Doch gegen den Widerstand der Öffentlichkeit hatte der Gesetzgeber es nicht durchsetzen können, einen Abschluss verpflichtend zu machen. Insofern ist es eine freiwillige Entscheidung, ob man einen Vertrag abschließt. „Es war die Erwartung, dass die Menschen vernünftig sind“, sagte Hauer.

Gemessen an der Rendite, seien zumindest diejenigen vernünftig gewesen, die derzeit eine monatliche Zusatzrente aus einem Förderprodukt beziehen. Und bezieht man das hohe Alter vieler Ruheständler ein, sehen die Ergebnisse noch komfortabler aus: 28 Prozent der heute 65 Jahre alten Personen würden älter als 90. „Für jeden Vierten ist die Absicherung also noch höher“, sagte Hauer. Leidtragende sind nur die, die sehr früh sterben – wie in der gesetzlichen Rente.

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