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Testament : Immer Streit ums Erbe

Wenn die Eltern sterben, geraten Familien aus dem Gleichgewicht. Es geht um viel mehr als nur ums Geld.

          Pablo Picasso war nicht nur ein leidenschaftlicher Maler. Er liebte auch die Frauen. Er war mehrmals verheiratet, zeugte viele eheliche und uneheliche Kinder. Als er 1973 starb, hinterließ er ein Chaos. Er hatte kein Testament angefertigt. Die Aufteilung seines Vermögens von rund 300 Millionen Euro - unter anderem aus 2000 Gemälden, 1300 Skulpturen, aber auch großzügigen Immobilien und Geldanlagen - war dadurch völlig unklar. Dutzende mögliche Erben mussten bedacht werden. Der Streit dauerte vier Jahre.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Picasso und seine Erben sind in bester Gesellschaft. Egal, ob James Dean, der mangels Testament seinem von ihm gehassten Vater alles vererben musste, oder Abraham Lincoln, dessen Frau wegen eines vom Staat blockierten Erbes fast verhungerte - fehlende oder mangelhafte Nachlassregeln sorgen regelmäßig für Probleme - und für Streit. Unerreicht in dieser Hinsicht ist der teuerste Erbstreit des 20. Jahrhunderts um den Thyssen-Enkel Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza, der 120 Millionen Euro an Anwalts- und Gerichtskosten verschlang. Er endete erst 2002 nach vielen Jahren Schlammschlacht der Erben. Zwischenzeitlich hatte der zuständige Richter angesichts von 120.000 vorgelegten Dokumenten und einem 66-tägigen Plädoyer des Chefanwalts entnervt das Handtuch geworfen.

          Aber gestritten wird nicht nur, wenn es um Hunderte von Millionen Euro geht. Gekämpft wird in allen Schichten. Prügeln sich die Reichen um Immobilien, Kunst und Schmuck, geht es den Arbeitern um Geschirr und Bettwäsche. Und vor allem: Selbst in den besten Familien, in denen sich bisher alle gut verstanden, bricht der Streit aus, wenn es etwas zu erben gibt.

          Dafür gibt es viele Gründe. „Es geht um viel Geld. Und es geht um die Anerkennung und die Liebe der Eltern, die sich im Erbe ausdrücken. Da kommt die ganze Kindheit hoch, da ist viel Potential für Kränkungen“, sagt Andreas Frieser, Fachanwalt für Erbrecht und Partner in der Kanzlei Redeker Sellner Dahs. „Und da der Vererbende tot ist, lässt sich die Kränkung auch nicht mehr durch ein klärendes Gespräch mit ihm aus der Welt räumen.“

          Wenn der Vater neu geheiratet hat, gibt es oft Streit ums Erbe

          Dass Geld ein wichtiger Streitgrund ist, ist klar: Jährlich werden in Deutschland fast 40 Milliarden Euro vererbt - und es werden immer mehr. Erbschaften von mehr als 100.000 Euro sind weit verbreitet. Meist werden Geld, Immobilien und Möbel vererbt. Wer sich da benachteiligt fühlt, ist schnell frustriert. Dann dauert es nicht lange, bis die bisher so geliebte Schwester zur Neidfigur wird, weil sie mehr bekommt. Der Weg zum Erbstreit ist dann kurz. Vor allem, wenn im Hintergrund noch die Ehepartner Druck machen. Die sind mit den Erben und dem Verstorbenen weniger emotional verbunden und daher nicht so feinfühlig, wenn es um ein paar Euro mehr für das eigene Konto geht.

          Besonders schnell passiert das, wenn die Erben geschieden sind. Da murren der Sohn und seine neue Gattin, wenn auch noch die verhasste Ex-Frau mit einem Teil des Erbes bedacht wird. Und wenn dann noch eheliche und uneheliche Kinder ins Spiel kommen, wird es schnell kompliziert. Patchwork-Konstellationen sind eine Garantie für jeden Erbstreit. Manchmal reicht es aber auch schon, wenn die eine Tochter reichlich erbt, obwohl sie mit einem vermögenden Mann gut verheiratet ist, während die Schwester in Finanznöten steckt.

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