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Altersvorsorge : Die Lebensversicherung in der Existenzkrise

Alter Versicherungsvertrag: Damals noch mit höheren garantierten Zinsen Bild: dpa

Wer fürs Alter vorsorgen will, hat es nicht leicht. Die Lebensversicherung bringt den Kunden immer weniger und wird für die Anbieter immer mehr zum Problem.

          Die Versicherung, einst des Deutschen liebstes Vorsorgekind, ist in der Krise. Den Anbietern gehen zunehmend die Argumente aus, Kunden zu gewinnen. Allein in den vergangenen zwei Jahren ist viel passiert: Die Pflicht, nur noch Unisex-Tarife mit gleichen Prämien für beide Geschlechter anzubieten, machte Rentenversicherungen für Männer weniger attraktiv. Und die niedrigen Zinsen machen es der Branche schwer, attraktive Renditen zu erzielen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Stellschraube hat die Assekuranz selbst in der Hand. Die von ihr - meist in verantwortlicher Position - beschäftigten Versicherungsmathematiker (Aktuare) geben jährlich eine Empfehlung an das Bundesfinanzministerium darüber ab, wie hoch maximal der Garantiezins ihrer Policen sein darf und damit, was neue Kunden mindestens erwarten dürfen.

          Nach kontroversen Diskussionen hat sich die Deutsche Aktuarvereinigung nun durchgerungen, ihre Empfehlung für den Höchstrechnungszins auf 1,25 Prozent zu senken. Rechnerisch orientiert sie sich dabei am Durchschnittsertrag europäischer Staatsanleihen mit bester Bonität. Darauf wird ein Puffer von 40 Prozent angerechnet. Der so ermittelte Referenzzins war zwar höher als 1,25 Prozent. Im Sinne der Sicherheit entscheiden sich die  Fachleute der Ratingagentur Assekurata aber für den niedrigeren.

          Kein Problem für Bestandskunden

          Für Bestandskunden ändert sich dadurch nichts. Wer in den neunziger Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat, dem sind 4 Prozent als jährliche Verzinsung bis zum Ende des Laufzeit garantiert. Für das Neugeschäft aber wird der derzeit sehr viel geringere Rechnungszins angelegt  Und je geringer die Garantie, desto weniger können sich die Anbieter von Wettbewerbern etwa aus der Fondsbranche abgrenzen.

          Schon beim bisherigen Rechnungszins von 1,75 Prozent erzielten die Lebensversicherer nur noch eine garantierte Rendite von 0,9 Prozent auf die Beiträge, weil von den Erträgen noch einmal die Kosten für Verwaltung und Vertrieb abgezogen werden. Im Neugeschäft hat der Branche der niedrigere Garantiezins für das Jahr 2012 schon geschadet. Damals ging die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 3,4 Prozent zurück. Nach der vorgeschlagenen Garantiezinssenkung sinkt die Beitragsrendite weiter auf nur noch 0,4 Prozent, schätzt  Assekurata nun.

          Riester-Probleme

          Besonders Riester-Verträge machen den Anbietern Kopfzerbrechen: Den mit diesen müssen sie den Kunden garantieren, dass ihnen bei Vertragsende mindestens die eingezahlten Beiträge wieder ausgezahlt werden. Bislang gelang das allen Anbietern für Verträge mit 25 Jahren Laufzeit ohne Probleme.

          Mit 1,25 Prozent wird das aber schwerer. Nach Berechnungen des Rückversicherers Deutsche Rück muss ein durchschnittlicher Vertrag künftig mindestens 20 Jahre laufen, um den Beitragserhalt zu garantieren. Da die Versicherungsunternehmen bei ihrer Kalkulation den niedrigeren Garantiezins zugrunde legen müssen, erhöht sich rechnerisch die Zeitspanne, in der die Beiträge wieder erwirtschaftet werden, unabhängig davon, dass der Versicherer vielleicht tatsächlich bessere Anlageergebnisse erzielt und über höhere Überschussbeteiligungen die tatsächliche Vertragslaufzeit eigentlich geringer wäre. Einzelne Anbieter werden daher Vertragslaufzeiten von beispielsweise weniger als 20 Jahren aufgrund ihrer hohen Kosten nicht mehr anbieten können.

          Verkaufen die Anbieter aber weniger oder keine Verträge mehr, verschärfen sich ihre Problem. „Stellt man das Neugeschäft ein, kommt man nicht von der hohen Durchschnittsgarantie herunter. Deshalb muss man an den Garantien festhalten“, sagt Walter Botermann, Vorstandschef der Alten Leipziger.

          Die Unternehmen haben schon in der Vorausschau auf die wahrscheinliche Zinssenkung diskutiert, wie sie damit umgehen sollen. In den Gremien des Branchenverbands GDV wurde auch erwogen, den Gesetzgeber zu bitten, eine Höchstgrenze für Abschlusskosten festzuzurren. „Die Branche muss sich dem Kostenthema stellen, so wie die Autoindustrie oder der Maschinenbau auch“, sagte der oberste deutsche Versicherungsaufseher Felix Hufeld kürzlich der F.A.Z.: „Eine andere Frage ist, ob dafür der Ruf nach dem Staat erforderlich ist.“

          Einige Unternehmen sehen darin den falschen Ansatz. „Großbritannien ist da schon einen Schritt weiter als wir. Über mehr Transparenz sind die Kosten dort heruntergegangen“, sagt Thomas Buberl, Vorstandsvorsitzender der deutschen Axa. Dass die Kosten aber jenseits dieser Debatte gesenkt werden müssen, um ein attraktives Produkt anbieten zu können, ist überall in der Branche angekommen. Die Verwaltungskosten sind seit dem Jahr 1995 schon von 4,2 auf 2,4 Prozent der Bruttobeiträge gefallen. Bei den Abschlusskosten tun sich die Versicherer schwerer, wie die Grafik zeigt. Hier erreichten die Versicherer nur einen Rückgang von 5,5 auf 5 Prozent der Neugeschäftsbeiträge.

          Abschlussalter 37

          Obwohl Versicherungsvertreter im Verkaufsgespräch mit dem Zinseszinseffekt werben, ist das Durchschnittsalter ihrer Kunden mit 37 Jahren bei Vertragsabschluss erstaunlich hoch. Frauen schließen mit 37,7, Männer mit 36,4 Jahren ab, wie der Branchenverband GDV berichtet. Das relativ hohe Alter erklärt er mit dem hohen Anteil des Geschäfts gegen Einmalbeitrag, das für Vermögende attraktiv ist. Berufsunfähigkeitsversicherungen werden viel früher abgeschlossen: mit 28 Jahren.

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