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Ferienimmobilien : Sauna und Meerblick bringen Rendite

Die „beste Ferienwohnung Deutschlands“ ist derzeit in der Strandresidenz-Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern) Bild: dpa

Ferienhäuser in deutschen Urlaubsregionen sind als Geldanlage gefragt. Es locken hohe Renditen. Doch der Markt ist sehr konjunkturanfällig.

          Wer an Sylt oder Rügen denkt, hat sofort Bilder von endlosen Sandstränden, Dünen und Wellen im Kopf. Nur die wenigsten werden mit Nord- und Ostsee Fragen der Altersvorsorge oder Magerzinsen verbinden. Doch die niedrigen Zinsen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten für Anleger, ihr Kapital gewinnbringend anzulegen, verändern auch den Markt für Ferienimmobilien. Während Ferienhäuser früher am liebsten dort gekauft wurden, wo der Käufer selbst gerne Urlaub machte, ist heute das wichtigste Kriterium beim Hauskauf, dass es sich gut vermieten lässt.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn immer mehr Anleger kaufen Ferienimmobilien nicht als Zweitwohnsitz für sich selbst, sondern als Kapitalanlage. Einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Ferienhausvermieters Fewo Direkt und des Maklerunternehmens Engel&Völkers zufolge sind Geldanlage und Altersvorsorge sogar die wichtigsten Motive für den Kauf einer Ferienimmobilie. „Käufer von Ferienimmobilien wägen heute viel stärker ab, ob sich die Investition lohnt. Deswegen kaufen sie dort, wo es sich am besten vermieten lässt“, sagt Tobias Wann, Geschäftsführer von Fewo Direkt. Die gute Vermietbarkeit im Blick, hätten Anleger, die in den vergangenen drei Jahren eine Ferienimmobilie erworben haben, verstärkt in Deutschland investiert. Vor allem an der deutschen Nord- und Ostseeküste, aber auch in Urlaubsregionen wie dem Allgäu oder dem Bayrischen Wald sei die Nachfrage nach Ferienhäusern anhaltend hoch.

          Ein Ferienhaus ist umso rentierlicher, je mehr Wochen es sich im Jahr vermieten lässt. Nach Angaben des Maklerverbandes IVD rechnet sich eine Ferienimmobilie, wenn sie 17 Wochen im Jahr vermietet ist. Dann decken die Mieterträge Kreditzinsen, Tilgungsraten und laufende Kosten. Die in der Studie befragten Ferienhausbesitzer haben ihre Immobilien im Durchschnitt 23 Wochen im Jahr vermietet. Die höchsten Mieteinnahmen lassen sich dabei auf Sylt erzielen, mit durchschnittlich 7,53 Euro je Quadratmeter in der Woche. Dort sind allerdings auch die Kaufpreise am höchsten - selbst wenn 35 000 Euro je Quadratmeter, die im Hobokenweg in Kampen schon bezahlt wurden, auch für Sylter Verhältnisse ein Ausreißer sind. Der durchschnittliche Kaufpreis für Ferienimmobilien, die seit 2011 in Deutschland erworben wurden, betrug knapp 184 000 Euro. Dabei waren die Häuser und Wohnungen auf dem Festland an der Ostsee mit etwa 150 000 Euro je Objekt am günstigsten, während die Nordsee-Inseln mit durchschnittlich etwa 378 000 Euro mehr als doppelt so teuer waren.

          Die höchsten Bruttorenditen lassen sich derzeit auf dem Ostsee-Festland erzielen

          Die Bruttorendite für Ferienimmobilien in Deutschland liegt nach Angaben von Wann bei durchschnittlich 7,9 Prozent. „Die höchsten Bruttorenditen lassen sich aufgrund der vergleichsweise günstigen Investitionskosten im Moment mit Ferienimmobilien auf dem Ostsee-Festland erzielen“, sagt der Geschäftsführer. Hier seien Bruttorenditen von bis zu 10 Prozent möglich. Allerdings gehen davon noch die Kosten für Instandhaltung, Hausverwaltung, Werbung und gegebenenfalls Zinsen und Tilgung des aufgenommenen Kredites ab. Denn ebenso wie bei selbstgenutzten Wohnimmobilien erlebt auch der Markt für Ferienimmobilien nicht zuletzt deswegen einen Aufschwung, weil viele Immobilienkäufer die niedrigen Hypothekenzinsen nutzen wollen und das Ferienhaus von der Bank mitfinanzieren lassen.

          Eine Tatsache, die Steffen Sebastian, der Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg lehrt, nicht unbedenklich findet. Schließlich sei eine Ferienimmobilie als Investitionsobjekt deutlich riskanter als eine Wohnimmobilie - nicht zuletzt deswegen lockten auf diesem Markt auch höhere Renditen. Denn die Vermietung von Ferienhäusern sei sehr konjunkturanfällig.

          Wer es trotzdem wagen möchte, dem rät Wann, sich für ein Ferienhaus in einer touristisch attraktiven Region mit einer guten Infrastruktur zu entscheiden. Das seien die wichtigsten Kriterien für den Werterhalt und die gute Vermietbarkeit des Objekts. Die Erfahrung hat auch Patricia Deneke gemacht, die beim Immobilienunternehmen NCC Ferienimmobilien an der Ostsee entwickelt. „Es sollten nicht mehr als 900 Meter vom Haus bis zum Strand sein. Außerdem sind Meer- oder Seeblick und ein Garten wichtige Kriterien für eine gute Vermietbarkeit“, hat Deneke beobachtet. Zudem lohne es sich, in eine gute Ausstattung zu investieren. Dadurch könne man die Auslastung in der Nebensaison deutlich erhöhen. „Die Ausstattung entscheidet über den Erfolg der Vermietung“, sagt auch Michael Hantermann, Geschäftsführer des Ferienimmobilien-Entwicklers IMF. Vor allem eine Sauna sei eine lohnende Investition, da sich dadurch die Vermietungssaison deutlich verlängern lasse.

          Zudem hat Deneke beobachtet, dass der Trend zu größeren Objekten geht. Das deckt sich mit den Erkenntnissen der Studie: Jeder vierte Urlauber sucht nach einem Urlaubsdomizil, das größer ist als 100 Quadratmeter. Der steigende Platzbedarf spiegelt die veränderte Klientel der Ferienhausmieter: Waren es früher vor allem Familien mit Kindern, die in Ferienhäusern Urlaub machen, sind es heute auch vermehrt befreundete Paare oder Großeltern, die mit Kindern und Enkeln Mehrgenerationen-Ferien verbringen.

          Quelle: F.A.Z.

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