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Altersvorsorge : Viele Deutsche hoffen vor allem auf ihre Rente

So sehen es die Meisten. Bild: dpa

Eine aktuelle Umfrage zeigt abermals: Das Interesse der Bundesbürger an den eigenen Finanzen ist gering. Sie versäumen damit den Vermögensaufbau.

          Es gibt Themen, mit denen sich die Deutschen überaus gerne beschäftigen. Der bevorstehende Kurztrip, der Jahresurlaub oder das nächste Auto gehören sicherlich dazu, wie auch das letzte Fußballspiel des Lieblingsvereins und die neueste Anschaffung in Nachbars Garten.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Viele Bundesbürger beschäftigen sich jedoch offensichtlich ungern mit einem so wichtigen Thema wie den eigenen Finanzen. Denn laut einer repräsentativen Umfrage der Finanzberatung NFS Netfonds Financial Services kümmern sich zwei Drittel der Deutschen zu wenig um ihre Finanzen.

          Einfache Lösungen gefragt

          Demnach finden im Durchschnitt 67 Prozent der Bundesbürger, dass die gesetzliche Rentenversicherung für das Alter ausreichend sein sollte, so dass sie sich selbst nicht mehr um eine Vorsorge kümmern müssen. Doch das kann gefährlich sein. Denn immer mehr Bundesbürger sind im Alter von Armut betroffen. Dabei kann man in späteren Lebensjahren anders als in einem jüngeren Alter kaum noch etwas an seiner finanziellen Situation verbessern. Im Gegenteil verschlingen dann die nicht selten immensen Kosten für die Gesundheit und die Pflege oft auch noch das wenige Ersparte.

          Fast zwei Drittel der Befragten wählten die einfachste, jedoch ertragloseste Anlagevariante und parkten ihr Geld für wenig Zinsen auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto, heißt es von NFS Netfonds. Doch bei diesen Konten ist es angesichts der andauernden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und den damit verbundenen Kosten für die Banken häufig inzwischen so, dass Privatanleger für ihre Einlagen sogar gar keine Zinsen mehr bekommen, von den negativen Zinsen für einige Unternehmenskunden ganz zu schweigen.

          Nach einer Erhebung der FMH-Finanzberatung erhalten Bankkunden derzeit im Bundesdurchschnitt für ihr Tagesgeld 0,33 Prozent. Dabei reicht die Zinsspanne den Daten von FMH zufolge von null bis 1,25 Prozent. Besonders hohe Zinsen gelten oftmals nur für Neukunden, und das auch nur für eine gewisse Zeit, oder werden von ausländischen Kreditinstituten geboten.

          Für Spareinlagen sind es demnach im Durchschnitt 0,06 Prozent. Vor allem viele Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gehören zu den besonders schlechten Zinszahlern oder bieten ihren Kunden gar nichts mehr. Zum Vergleich: Die Inflationsrate in Deutschland betrug im Januar offiziell 0,4 Prozent. Im Februar sind es laut Statistischem Bundesamt vermutlich null Prozent.

          Vermögensaufbau wird versäumt

          Der Großteil des Einkommens der meisten Deutschen liege in Niedrigzinsprodukten, sagt Christian Hammer, Geschäftsführer von NFS Netfonds. Damit versäumten sie es letztlich, überhaupt Vermögen aufzubauen. Der Grund für diese defensive Haltung: Mehr als 60 Prozent der Befragten verstünden die meisten Finanzprodukte nicht und ließen folglich lieber die Finger davon, sagt Hammer. Im Durchschnitt hielten 68 Prozent der Bundesbürger die Produkte für so kompliziert, dass sie nicht mehr schlafen könnten, wenn sie diese abschließen würden.

          Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Bei einer persönlichen Anlageberatung ist demnach eine verständliche Darstellung von Finanzentscheidungen aus der Sicht der Deutschen das wichtigste Kriterium. Fast alle Befragten finden dies wichtig, rund drei Viertel sogar sehr wichtig. Eine Dienstleistung, für welche sie am ehesten ein Zusatzhonorar zahlen würden, sei die laufende Überwachung des Wertpapierdepots, heißt es. 28 Prozent der Befragten sei es eine gesonderte Gebühr wert, auf kritische Entwicklungen sowie aktuelle Chancen vom Finanzberater aufmerksam gemacht zu werden.

          Doch obschon die Deutschen viele Finanzprodukte nicht allein durchschauten, schreckten viele vor einer unabhängigen Beratung zurück, sagt Hammer. Im Durchschnitt etwa drei Viertel der Bundesbürger befürchteten versteckte Kosten. Daher geben nach den Ergebnissen der Studie von NFS Netfonds etwa genauso viele Anleger an, dass ihnen Transparenz über jegliche Abschlusskosten und die laufenden Kosten sehr wichtig sind. 84 Prozent der Befragten möchten es wissen, wenn ihr Finanzberater von den Anbietern Provisionen erhält. Und nach Ansicht von 41 Prozent ist eine persönliche Beratung nur etwas für Besserverdiener.

          Quelle: F.A.Z.

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