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Veröffentlicht: 23.05.2017, 15:10 Uhr

Was die Schule nicht lehrt Wie junge Menschen ihre Altersvorsorge regeln

Besonders junge Menschen fühlen sich schlecht über die Altersvorsorge informiert. Dabei muss man nur ein paar Grundregeln beachten.

von
© Picture-Alliance Wie funktioniert Altersvorsorge?
 
Theoretisch würde es für die #Altersvorsorge reichen, im Mathematikunterricht aufzupassen
 
Der Schuldenabbau ist wichtig

Überfordert, schlecht informiert und im Stich gelassen: So harsch fällt das Urteil junger Menschen aus, wenn es um ihre Altersvorsorge geht. Das Misstrauen gegenüber allen Akteuren ist groß. 84 Prozent der jungen Menschen zwischen 17 und 27 Jahren wollen sich nicht auf den Staat verlassen, wenn man einer Studie von TNS Infratest Glauben schenkt. 45 Prozent vertrauen aber auch den Banken beim Thema Altersvorsorge nicht, sogar 63 Prozent sagen dasselbe über Versicherungen. Dieses Misstrauen führt nicht dazu, dass sich die Jugend mit dem Thema Altersvorsorge stärker auseinandersetzt, im Gegenteil.

Franz Nestler Folgen:

Wie erschütternd schlecht das Finanzwissen ist, hat zuletzt eine Studie der Allianz festgestellt. Sie stellte unter anderem folgende Frage: Stellen Sie sich vor, Sie haben 100 Euro angelegt zu einem Zinssatz von 2 Prozent. Wie viel Geld haben Sie nach fünf Jahren? Weniger als 102 Euro, genau 102 Euro oder mehr als 102 Euro? Knapp 25 Prozent der Befragten beantworteten diese Frage falsch. Insgesamt konnte nur jeder Zehnte jede Finanz-Frage richtig beantworten.

In der Schule steht das Thema nicht auf dem Lehrplan

Doch wo soll die Jugend auch etwas über Altersvorsorge lernen? In der Schule steht dieses Thema nicht auf dem Lehrplan. In der Universität wird es allenthalben theoretisch gelehrt - was das konkret für jeden Einzelnen bedeutet, erfahren die Studenten auch nicht. Vielleicht müssten die Lehrenden stärker für die Bedeutung dieser Themen sensibilisiert werden. Andererseits wird einfache Zinsrechnung schon in der unteren Sekundarstufe gelehrt, dafür braucht es kein Extraschulfach. Theoretisch würde es reichen, im Mathematikunterricht aufzupassen.

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Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, wie wichtig es ist, privat vorzusorgen. Verdient ein Angestellter 3000 Euro im Monat, zieht der Staat an Steuern und Abgaben rund ein Drittel des Gehaltes ein - es bleiben also etwa 2000 Euro zur freien Verfügung. Zahlt er 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung ein und sorgt nicht weiter privat vor, entsteht eine Lücke zwischen seinem Arbeitseinkommen und der Rente. Wie hoch genau diese sein wird, kann niemand seriös vorhersagen, da die Politik die Rentenformel verändern kann und andere Werte wie die zukünftige Inflation lediglich Schätzwerte sind. Realistisch ist aber eine Lücke zwischen 500 und 800 Euro - im Monat, wohlgemerkt.

Möchte ein Arbeitnehmer im Alter seinen Lebensstandard nicht senken, muss diese Lücke mit privater Vorsorge wieder geschlossen werden. Doch genau dabei hapert es. Etwa 15 von 100 jungen Menschen sparen laut der Studie gar nicht, weitere 35 nur unregelmäßig. Oft wird in diesem Zusammenhang die Komplexität der Materie beklagt. Dabei gibt es einige wenige einfache Grundregeln.

Der Schuldenabbau ist wichtig

Das wichtigste Prinzip ist immer zuerst der Schuldenabbau. Warum? Wer knietief im Dispo lebt, zahlt darauf bis zu 15 Prozent Strafzinsen. Das heißt: Ist man zum Beispiel im Schnitt mit 1000 Euro im Minus, kostet das im Jahr 150 Euro. Löst man dagegen die 1000 Euro mit einem Kredit ab, der zu Zinsen von 3 Prozent abbezahlt wird, kostet es lediglich 30 Euro.

Der zweite wichtige Punkt ist die Absicherung von Risiken. Kann ein Arbeitnehmer wegen Krankheit seinen Beruf nicht mehr ausüben, kann er auch nicht für das Alter sparen. Deswegen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung für Einsteiger immer die wichtigste Versicherung. Diese sollte im Idealfall so hoch liegen, dass bei Berufsunfähigkeit der Verdienstausfall ausgeglichen wird. Eine andere wichtige Versicherung ist die private Haftpflichtversicherung.

Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

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Die eigentliche Altersvorsorge steht an der Spitze der Pyramide und sollte erst losgehen, wenn die Risiken versichert und die Schulden abgebaut sind. Viele junge Sparer legen ihr Geld allerdings nicht optimal an. 60 Prozent der 17- bis 27-Jährigen haben ein Sparbuch, festverzinsliche Papiere oder Festgeld. Das ist zwar die sicherste Variante, dafür gibt es aber auch die niedrigsten Zinsen. Damit verlieren sie real Geld, weil die Inflation höher liegt als der Zinssatz. Besser sind etwa Bausparverträge, um sich später eine Immobilie leisten zu können. Um im Alter direkt Geld zu erhalten, bieten sich private Rentenversicherungen oder die Riesterrente an.

Für risikofreudigere Naturen sind dagegen Aktienfonds oder Aktien das Mittel der Wahl. Die Rendite ist über einen längeren Zeitraum bei einem breit gestreuten Depot höher. Was für den Sparer am besten ist, muss er am Ende selbst entscheiden. Und auch wenn das Misstrauen groß ist: Zumindest anhören sollte man sich die Empfehlungen von Bankberatern und Versicherungsvertretern schon.

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