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Rente vom Staat Mit 63 Jahren in Rente - wer kann das?

 ·  Wenn es nach dem neuen Koalitionsvertrag geht, können viele Leute bald mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Dafür braucht man 45 Beitragsjahre. Wir zeigen, wie man die zusammenzählt.

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© dpa Vergrößern Viele können früher in Rente gehen

Mit 63 Jahren soll man schon ohne Abschläge in Rente gehen können. Das versprechen Union und SPD in ihrem neuen Rentenpaket, das sie als Teil des Koalitionsvertrages verabschiedet haben. Voraussetzung ist, dass man 45 Beitragsjahre auf dem Rentenkonto angesammelt hat. Doch was kann man eigentlich alles als Beitragsjahre geltend machen? Und vor allem was nicht?

Was zu den 45 Beitragsjahren zählt:

Sind Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zahlen sie pflichtgemäß in die Rentenversicherung ein. Deshalb können alle Jahre in einem solchen Beschäftigungsverhältnis auf die Beitragsjahre angerechnet werden. Seit dem 1. Januar 2013 sind auch Minijobs mit einem monatlichen Verdienst von 450 Euro sozialversicherungspflichtig und zählen deshalb dazu. Rückwirkend gilt diese Regelung allerdings nicht. Nur Minijobber, die vor dem Jahr 2013 freiwillig aufgestockt, also in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt haben, können diese Jahre als Beitragsjahre geltend machen. Die Möglichkeit, den Minijob aufzustocken, gab es aber erst seit 1999.

Mütter bekommen für jedes Kind, das ab 1992 geboren wurde, 3 Beitragsjahre auf ihr Rentenkonto gutgeschrieben. Für Kinder, die vor 1992 zur Welt kamen, wurde ihnen bisher nur ein Jahr pro Kind zugestanden. Nach den Plänen von Union und SPD sollen diese Mütter vom 1. Juli 2014 an zwei Beitragsjahre pro Kind angerechnet bekommen.

Zeiten der Arbeitslosigkeit waren bisher aus den 45 Beitragsjahren ausgeschlossen. Nun will die zukünftige Koalition die Arbeitslosigkeit der sogenannten besonders langjährig Versicherten von bis zu fünf Jahren wie Beitragsjahre behandeln. Bisher konnte man nur bei einer Wartezeit zur Rente von 35 Jahren oder weniger die Zeiten mit Arbeitslosengeld I anrechnen lassen. Nur kann man bei 35 Beitragsjahren auch nicht ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen.

Wer Zivil-, Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet hat, bekommt diesen Zeitraum nach wie vor anerkannt.

Menschen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen mindestens 14 Stunden in der Woche betreuen, können die Pflegezeiten als Beitragsjahre geltend machen.

 

Was nicht zu den 45 Beitragsjahren zählt:

Zeiten, die man in der Schule, an der Uni oder auf der Berufsschule verbracht hat, zählen nach dem neuen Rentenpaket nicht zu den Beitragsjahren. Das ist auch momentan nicht der Fall.

Bisher werden auch die Berücksichtigungszeiten für die Kindererziehung in Höhe von 10 Jahren pro Kind mit in die Beitragsjahre einbezogen. Das ist nach den neuen Plänen nicht mehr vorgesehen. Es zählen nur noch 3 Jahre pro Kind.

Wer arbeitsunfähig, lange Zeit arbeitslos oder krank ist beziehungsweise längere Rehabilitationsmaßnahmen in Anspruch nehmen muss, kann auch diese Monate nicht mit geltend machen. Das ist auch bei Schwangerschaft und Mutterschutz der Fall.

Ein Beispiel:

Lisa Müller, Jahrgang 1951, möchte im kommenden Jahr, also mit 63 in Rente gehen. Sie hat eine Ausbildung bei der Versicherung gemacht und dort 15 Jahre lang als Angestellte gearbeitet. Nach der Geburt ihres ersten Kindes hat sie sich um Nachwuchs und Haushalt gekümmert und drei Jahre später ein zweites Kind bekommen.

Als die Kinder größer waren, hat sie eine Sekretariatsstelle auf 400-Euro-Basis angenommen und dort 10 Jahre lang gearbeitet. Ihre Stelle wurde gestrichen und sie war ein Jahr lang arbeitslos. Danach hat sie wieder für zehn Jahre einen 400-Euro-Job angenommen, allerdings hat sie freiwillig aufgestockt. Danach hat sie sich drei Jahre lang um ihre pflegebedürftige Mutter gekümmert.

Die Rechnung lautet dann:

15 Jahre Zeit als Versicherungsangestellte
4 Jahre Erziehungszeit für zwei Kinder à 2 Jahre
1 Jahr für Arbeitslosigkeit
10 Jahre für aufgestockten Minijob
3 Jahre für Pflege
= 33 Beitragsjahre - zu wenige

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