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Finanzplanung für den Ruhestand (7) : Der Griff in die Reserven tut weh

Bild: Kircher Burkhardt

Wer mit weniger Einkommen im Ruhestand seinen Lebensstandard aufrechterhalten will, muss an seine Ersparnisse heran. Das kostet nicht nur Konrad Gerstenbach Überwindung und sollte geplant werden.

          Konrad hat sich um die Anlage seines Vermögens bisher nicht wirklich gekümmert. Schließlich bleibt von seinem Nettogehalt als Richter in aller Regel monatlich etwas übrig. Wie viel, weiß Konrad gar nicht so genau. Die 4500 Euro haben eben für ihn und seine Frau Hannelore meist recht locker gereicht, selbst als ihr Sohn noch studiert hat und unterstützt werden musste. Doch jetzt, da Konrad den Ausstieg aus seinem Berufsleben plant, müssen sich die Gerstenbachs mit ihren Ersparnissen, deren Anlage und Verzehr, beschäftigen. Daran geht kein Weg vorbei, auch wenn dies unbequem ist. Denn das Haushaltseinkommen wird sinken, sobald der 62 Jahre alte Konrad pensioniert wird.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bisher haben die Gerstenbachs monatlich nach Steuern 4500 Euro Haushaltseinkommen. Wenn Alleinverdiener Konrad erst mit Erreichen seiner Pensionsgrenze in Nordrhein-Westfalen im Oktober 2016 in Ruhestand geht, beträgt seine Pension nach Steuern 3400 Euro. Macht Konrad seinen Traum wahr und lässt sich schon im Mai 2014 zu seinem 63. Geburtstag frühzeitig pensionieren, muss er einen Abschlag hinnehmen, der seine Pension auf netto 3100 Euro drückt. Will er diese monatliche Einkommenslücke von 1100 bis 1400 Euro schließen, kommt Konrad um eine Erkenntnis kaum herum: Er muss auf die liquiden Ersparnisse von 400.000 Euro zugreifen.

          Wie lange reicht das Vermögen?

          Zwar lässt sich durchaus die Frage stellen, ob das Ehepaar Gerstenbach nicht seine laufenden Ausgaben etwas senken könnte. Brauchen wir wirklich noch zwei Autos, wenn ich nicht mehr zur Arbeit muss, fragt sich Konrad. Doch selbst wenn er Hannelore überreden könnte, dass sie sich an der einen oder anderen Stelle einschränken, bringt das Alter doch auch neue Ausgaben mit sich. Wenn Konrad schon in den vorzeitigen Ruhestand geht, so sagt er sich, dann will er ihn auch genießen. Der Freund, der kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben schon einen Herzinfarkt erlitt, ist ihm als warnendes Beispiel vor Augen. Die Lateinamerika-Reise, von der Konrad schon als Student träumte, will er nicht lange aufschieben, hat er sich geschworen. Dagegen glaubt er für die Kreuzfahrt auf der blauen Donau nach Budapest noch Zeit zu haben.

          Doch mit dieser Einschätzung kann Konrad falsch liegen. Jedenfalls hat er Hannelore auch schon fast überzeugt, dass beide zusätzlich zur gesetzlichen noch eine Pflegeversicherung abschließen. Von ehemaligen Kollegen, die damit gut schlafen, weiß Konrad, dass sie dafür 110 bis 150 Euro im Monat zahlen. Die Idee, dieses Risiko mit einer Einmalzahlung von 15.000 bis 20.000 Euro abzusichern, erscheint ihm dagegen illusorisch. Woher das Geld nehmen?

          Schließlich empfindet Konrad die Summen ohnehin schon als groß, die er plötzlich aufbringen soll. Seinem Sohn hat er als Schenkung 30.000 Euro zugesagt, was er fast schon wieder bereut. Falls die Bundesregierung eine Abwrackprämie für alte Heizungen anbieten sollte, wollen die Gerstenbachs ihr viel Energie verschlingendes Haus renovieren. Und auch die Reisen werden Geld kosten. Daher stellt sich Konrad die bange Frage: Wie lange reicht das Geld für ihn und Hannelore? Kann er noch etwas dem Sohn vererben? Konrads Unruhe ist bei näherem Hinsehen unbegründet.

          Senioren sollten gut an ihr angelegtes Geld herankommen

          Den Grundstein des Vermögens der Eheleute Gerstenbach von 400.000 Euro hat Konrad im Jahr 2005 von seinem Vater geerbt. 100.000 Euro steckten damals zu gleichen Teilen in vier Aktienfonds. Dies war Konrad nie ganz geheuer. Aber er hat die Fonds behalten, weil er sich schlicht nicht mit der Frage beschäftigen wollte, wie er das Geld sonst hätte anlegen sollen. Auch Hannelore mochte sich nicht darum kümmern. So ist es Bankberatern gelungen, den beiden für das monatlich nicht ausgegebene Geld auch Zertifikate und geschlossene Fonds aufzuschwatzen, die erst in einigen Jahren fällig werden.

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