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Finanzplanung Mitte fünfzig : Wie man sich finanziell auf den Ruhestand vorbereitet

Wer sich auf den Ruhestand vorbereitet, muss erstmal einen Kassensturz machen und schauen, was auf der Habenseite steht. Bild: dpa

Fazzi Indecks, Abteilungsleiter in einem Maschinenbauunternehmen, möchte bald in den Ruhestand gehen. Doch wie lässt sich dieser am besten vorbereiten?

          Kuraufenthalte sind aus vielerlei Gründen angenehm, unter anderem, weil sie Zeit geben, in Ruhe über die Zukunft nachzudenken. Sein lädierter Rücken hat Fazzi Indecks nach Bad Iburg geführt, und hier, am Rande des Teutoburger Waldes, nutzt er die Gelegenheit, über seine Zukunft nachzudenken - auch über seine finanzielle.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Langfristige Finanzplanung ist sehr wichtig, aber sie wird von vielen Menschen unterschätzt. Um solche Themen für einen breiten Leserkreis zu behandeln, hat diese Redaktion vor einigen Jahren zehn „Mustermenschen“ unterschiedlichen Alters und Geschlechts präsentiert, anhand deren sich typische Fragen der langfristigen Finanzplanung nicht nur abstrakt, sondern am konkreten Beispiel beschreiben lassen.

          Einer dieser Mustermenschen ist Fazzi Indecks, heute 55 Jahre alt und damit noch ein Mitglied der „Babyboomer“-Generation. Indecks befindet sich in einer Situation, die für seine Generation typisch ist. Er hat in seinem Leben etwas erreicht, ohne finanziell völlig unabhängig zu sein. Als durchaus zufriedener Mittfünfziger stellt er sich die Frage, wie er finanziell die Zeit bis zu seinem Ruhestand gestalten soll. Vorschläge hierzu sollen in den kommenden Wochen in den weiteren Folgen dieser Reihe gegeben werden.

          Im heutigen Auftaktbeitrag geht es vor allem um eine Zustandsbeschreibung. Indecks ist verheiratet und hat einen talentierten Sohn, der bald sein Studium an einer privaten Universität aufnehmen will. Indecks’ Mutter ist verstorben; sein 78 Jahre alter Vater lebt noch selbständig in einer kleinen Wohnung, in der er mittlerweile regelmäßig Unterstützung braucht, die „unser Mann“ zum Teil finanziert.

          Fazzi Indecks zieht Bilanz

          Indecks, ein passionierter Schachspieler, arbeitet im mittleren Management eines Maschinenbauunternehmens in einer Kleinstadt. Seine Frau, mit der er gerade Silberhochzeit gefeiert hat, half früher in einer Boutique aus und hat dort mittlerweile eine Festanstellung übernommen. Zusammen kommt das Paar auf ein monatliches Nettoeinkommen von rund 6000 Euro. Indecks fährt einen Firmenwagen, seine Frau besitzt ein Privatfahrzeug.

          Bild: F.A.Z.

          Das Ehepaar bewohnt mit seinem Sohn ein Eigenheim in der süddeutschen Provinz, wo die Entwicklung der Grundstückspreise nicht so explosiv verlaufen ist wie in manchen deutschen Ballungszentren. Andererseits leidet die Region aber auch nicht unter einer schleichenden Entvölkerung, die zu einem Verfall der Grundstückspreise Anlass gäbe. Die gute Nachricht lautet: Das Eigenheim ist abbezahlt. Die schlechte Nachricht lautet: In den kommenden Jahren werden einige Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten notwendig werden. Auch wenn der Sohn nach der Aufnahme seines Studiums das Haus verlassen wird, wollen Indecks und seine Frau in dem dann eigentlich etwas zu großen Anwesen bleiben. Sie fühlen sich noch zu jung, um sich in eine Wohnung zu „verkleinern“.

          Neben seinem Eigenheim besitzt das Ehepaar rund 150.000 Euro liquides Geldvermögen, das überwiegend in mehreren kostengünstigen Indexfonds investiert ist. Es könnte mehr sein, hätte „unser Mann“ nicht in der Vergangenheit mit einem verführerisch aussehenden Steuersparmodell einen ansehnlichen Betrag sinnlos versenkt. Außerdem existiert eine Kapital-Lebensversicherung, die mit Ablauf des 65. Lebensjahres noch einmal rund 150.000 Euro verspricht. Ein bedeutendes Erbe können weder Indecks noch seine Frau erwarten.

          Die Babyboomer bereiten sich auf die Rente vor

          Die monatliche Unterstützung seines strebsamen Filius hat Indecks für die kommenden vier Jahre mit gut 2000 Euro im Monat veranschlagt. Die finanzielle Unterstützung seines Vaters beläuft sich derzeit auf 500 Euro im Monat, aber abhängig vom Gesundheitszustand des Seniors kann sich dieser Betrag erhöhen.

          Überhaupt, die Gesundheit. Indecks hat sich sein Leben lang gesund gefühlt, ehe es im Rücken zu zwicken und zu zwacken begann. Sein Arzt hat ihm zwar versichert, dass er nach seinem Kuraufenthalt wieder der Alte sein würde. Aber Indecks macht sich dennoch Sorgen, an denen auch die seit langem existierende Berufsunfähigkeitsversicherung nicht wirklich etwas ändert. Indecks liebt seinen Beruf, aber im Stillen durchzuckt ihn ab und zu ein Gedanke: Was würde geschehen, wenn er vorzeitig aufhörte - freiwillig oder unfreiwillig. Ginge dies finanziell überhaupt und, wenn ja, unter welchen Umständen? Könnte er schon von einem Altersteilzeitmodell profitieren? Im anderen Falle: Hielte Indecks bis zum 65. Jahr durch - seine etwa gleichaltrige Gattin möchte etwa bis zum 60. Jahr arbeiten -, wie sähe dann seine finanzielle Lage aus?

          Natürlich ist Indecks eine Kunstfigur, aber er steht für eine Generation von Menschen, die sich in einer vergleichbaren Lebenssituation befinden. Eine langfristige Finanzplanung muss im Detail auf die individuellen Bedürfnisse eingehen. Die Optionen, die Indecks hat, mögen dennoch als eine Anregung dienen.

          Quelle: F.A.Z.

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