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Kfz-Versicherung : Punkte in Flensburg sollen Tarife teurer machen

Geblitzt! Und schon muss mehr gezahlt werden? Bisher haben die Versicherer keinen Zugriff auf die Verkehrssünder-Kartei. Bild: dpa

Wer zu schnell fährt, muss auch mehr Versicherungskosten tragen? Die Sparkassen-Direkt-Versicherung befragt ihre Kunden zu einer möglichen neuen Regelung.

          An diesem Mittwoch läuft der dritte europäische Blitz-Marathon. Wie schon in den vergangenen Jahren wird innerhalb von 24 Stunden in vielen deutschen Bundesländern verstärkt geblitzt. Mit dabei sind Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen und Thüringen. Eine „bedingte Teilnahme“ haben Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zugesagt. Den ersten Flensburg-Punkt kann es dabei für Autofahrer schon bei 21 bis 25 Kilometer je Stunde zu viel geben.

          Passend dazu hat ein deutsches Versicherungsunternehmen eine Debatte darüber angestoßen, ob Punkte im Flensburger „Fahreignungsregister“ (umgangssprachlich auch Verkehrssünderkartei) künftig zu höheren Beiträgen für die Kraftfahrzeug-Versicherung führen sollten.

          Die Sparkassen-Direkt-Versicherung S-Direkt mit Sitz in Düsseldorf regt an, massive Verstöße gegen Verkehrsregeln künftig stärker als bisher auch in den Beiträgen für die Kfz-Versicherung zu berücksichtigen. Das Unternehmen, das ein Pionier auf dem Gebiet der sogenannten Telematik-Tarife in Deutschland gewesen ist, bei denen elektronische Aufzeichnungen über die Fahrweise eines Autofahrers einen Einfluss auf die Kosten für die Versicherung haben, hat nun zunächst im Internet eine Umfrage unter Besuchern seiner Website gemacht.

          Versicherer könnte Regelung in Tarife aufnehmen

          Der Versicherer wollte wissen: „Nehmen wir einmal an, die Anzahl Ihrer Punkte in Flensburg würde sich auch auf Ihre Prämie in der Kfz-Versicherung auswirken – wie fänden Sie das?“

          Immerhin mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) stimmten der Antwort zu: „Sehr gut. Wer sicher fährt, sollte auch belohnt werden.“ 12 Prozent meinten, eine solche Regelung sei „interessant“, weil Raser möglicherweise durch finanzielle Nachteile stärker beeindruckt würden als durch Punkte. 14 Prozent hingegen meinten, das komme darauf an, wie viel das am Ende für die Versicherungsprämie ausmache. Und 21 Prozent gaben an, sie seien gegen eine solche Regelung, weil sie selbst dann womöglich „doppelt bestraft“ würden.

          Bild: F.A.Z.

          Nach dem insgesamt positiven Ergebnis der Umfrage deutete der Versicherer an, eine entsprechende Regelung möglicherweise in seine Tarife aufnehmen zu wollen. Das Votum werde „mit in die Überlegungen zu tariflicher Gestaltung einfließen“, hieß es: „Alles, was dazu beiträgt, den Straßenverkehr sicherer zu machen, Unfälle und vor allem Personenschäden zu vermeiden, sollte aus unserer Sicht eine Rolle in der Preisfindung für Versicherungstarife spielen“, sagte Jürgen Cramer, Vorstandsmitglied der S-Direkt.

          Kein direkter Zugriff auf Verkehrssünder-Kartei

          Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist es bislang zumindest noch nicht durch die Bank üblich, dass die Flensburg-Punkte Einfluss auf die Höhe der Beiträge zur Kfz-Versicherung hätten. Ein Sprecher des Verbands sagte, den Versicherungsunternehmen sei der Punktestand ihrer Versicherten oftmals nicht einmal bekannt, sie hätten jedenfalls keinen unmittelbaren Zugriff auf die Verkehrssünder-Kartei. Wenn, dann werde eher mit einem Abschlag für wenig Punkte als mit einem Zuschlag für viele Punkte gearbeitet.

          Immerhin nennt die Internetvergleichsplattform Verivox eine Reihe der 55 Anbieter aus ihrem Kfz-Versicherungsvergleich, bei denen die Flensburg-Punktzahl unter Umständen für den Abschluss einer Versicherung vom Kunden abgefragt würde: Admiral, Allsecur, Axa, Basler, BBV und Europa. Auch die Vergleichsplattform Check 24 bestätigte, bei ihnen würden Tarife angeboten, bei denen die Kunden „wahrheitsgemäße Angaben über den Punktestand“ machen müssten.

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          „Wir berücksichtigen diese Angaben über Eintragungen im Fahreignungsregister für die Höhe des Tarifs“, bestätigte ein Sprecher von Admiral Direkt, einer Tochtergesellschaft des britischen Admiral-Konzerns. „Punkte ja oder nein“ sei ein Faktor von vielen, die für die Höhe der Versicherungsprämie eine Rolle spielten, und zwar für alle von ihnen angebotenen Kfz-Versicherungstarife. Man arbeite dabei allerdings mit einem Bonus gegenüber dem Basistarif für Autofahrer, die keine Punkte hätten, nicht mit einem Zuschlag für Autofahrer mit vielen Punkten.

          Der Kölner Versicherer Axa führte aus, bei seinen Kfz-Versicherungstarifen „mobil komfort“ und „mobil kompakt“ frage man bei Kunden im Alter von 20 bis 23 Jahren unter anderem auch nach Einträgen in Flensburg. Sei ein Eintrag vorhanden, habe dieser auch Einfluss auf den Versicherungsbeitrag. Im Tarif „mobil online“ würden sogar alle Kunden nach Punkten gefragt, auch dort habe das Ergebnis dann Einfluss auf die Tarifierung, also den zu zahlenden Beitrag. „Unsere Kfz-Versicherungstarife sind nicht abhängig von der Anzahl der Flensburger Punkte“, hieß es dagegen auf Anfrage bei Europa-Go in Dortmund, die zum Europa-Versicherungskonzern in Köln gehören. Andere Versicherer äußerten sich dazu auf Anfrage bis zum Redaktionsschluss nicht.

          Quelle: F.A.Z.

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