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Makler gegen Makler : Rauer Ton im Kampf um die Kfz-Versicherung

  • Aktualisiert am

Wirklich der günstigste Weg zur Kfz-Versicherung? Bild: dpa

Alljährlich im Herbst wechseln Millionen Bürger ihre Kfz-Versicherung. Check24 und andere Online-Portale nehmen den Versicherungsvertretern Geschäft weg. Der Ton wird zunehmend rauer.

          Die Kampfansage kommt im Fernsehen: "Mach Schluss mit Deinem Versicherungsvertreter." Mit dem neuen Werbespot will das Maklerportal Check24 den scharfen Wettbewerb um die Kfz-Versicherung anheizen, mit dem Versprechen, für die Kunden die günstigeren Tarife zu bieten. In dem Spot wird ein vielen Fernsehzuschauern noch bekannter "Herr Kaiser" in die Wüste geschickt, der einst für die inzwischen nicht mehr existente Hamburg-Mannheimer warb. Beziehungsweise nach Hamburg. Oder Mannheim.

          Anlass ist die alljährliche Wechselsaison in der Kfz-Versicherung. Zum Jahresende auslaufende Versicherungsverträge können noch bis Ende November gekündigt werden, bevor sie sich automatisch verlängern. Eine seit Jahren wachsende Millionenschar von Autofahrern schließt daher neue Policen ab. 2016 vermittelte Check24 erstmals über eine Million Kfz-Versicherungsverträge. Dieses Mal hofft das Münchner Online-Unternehmen auf noch mehr Kunden. "Wir wollen weiter wachsen", sagt ein Sprecher.

          Größte Versicherer ziehen sich aus Portalen zurück

          Doch sowohl die zwei größten Kfz-Versicherer als auch die selbstständigen Versicherungsvertreter setzen sich zur Wehr. Die HUK-Coburg und die Allianz haben zusammen mit mehr als 20 Millionen Verträgen fast die Hälfte aller privaten Kfz-Versicherungspolicen in Deutschland abgeschlossen. Doch die Angebote der zwei Großen fehlen auf Check24 und anderen Vermittlungs-Portalen.

          Die Allianz als größter deutscher Versicherer und Nummer zwei auf dem Kfz-Markt ist mit ihrer Online-Tochter Allsecur auf Portalen vertreten, nicht aber mit der eigentlichen Marke Allianz. Der Kfz-Marktführer HUK Coburg ist in diesem Herbst noch einen Schritt weiter gegangen und hat sich auch mit der Online-Tochter HUK24 aus dem Portalgeschäft zurückgezogen.

          „Vergleichsportale sind zu teuer"

          Der Ton wird zunehmend rauer. Die Portale werben mit dem Argument, für die Kunden den günstigsten Tarif zu finden. Die HUK antwortete im September mit einem frontalen Gegenangriff und drehte den Spieß um: "Vergleichsportale sind zu teuer", lautete die Überschrift der Pressemitteilung, in der das Unternehmen seinen Portalboykott verkündete.

          Das bezieht sich darauf, dass die Vergleichsportale Online-Makler sind und daher ebenso Provision kassieren wie menschliche Vertreter. In der Versicherungsbranche ist von teilweise über 100 Euro pro Kfz-Vertrag die Rede. Häufig genannt wird für Check24 eine Provision von 80 bis 100 Euro, offiziell sagen aber weder Check24 noch die Versicherer etwas zu diesem Thema. Da die Online-Makler aber oft aufwändige Werbekampagnen führten, so argumentiert die HUK, sei der Versicherungskauf per Portal sogar teurer.

          Schlammschlacht um die Informationspflicht

          Zuletzt begann auch der Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) einen juristischen Feldzug gegen Check24. BVK-Präsident Michael Heinz will erreichen, dass der Online-Konkurrent die Besucher der Webseite möglichst frühzeitig auf die Maklertätigkeit hinweist und warf dem Portal vor, ein Urteil aus dem Frühjahr nicht richtig umzusetzen. Check24 warf Heinz und seinem Verband im Gegenzug vor, selbst gegen die gesetzlichen Informationspflichten zu verstoßen.

          Check24 nimmt für sich in Anspruch echte Vorteile zu bieten: Auf den Internet-Seiten seien weit mehr Versicherungsunternehmen vertreten als bei einem traditionellen Vermittler - allein 60 Anbieter von Kfz-Policen. Das sei die „Demokratisierung des Vergleichswettbewerbs". Etwa zwei Drittel der Kunden entscheide sich für Anbieter, die sie vorher nicht kannten. "Gerade die kleinen Anbieter, die der Kunde normalerweise nicht kennt, tauchen bei uns auf", sagt Sprecher Daniel Friedheim.

          Nicht alle Großen der Branche gehen auf Distanz zu den Vergleichsportalen. Keinen Kampf gegen Check24 und Co. führt die italienische Generali -Gruppe, nach der Allianz der zweitgrößte Privatkundenversicherer in Deutschland. "Vergleichsportale sind für bestimmte Produkte, wie zum Beispiel der Kfz-Versicherung, ein durchaus starker Vertriebsweg, da er zunehmend von Kunden nachgefragt wird", sagt David Stachon, der Chef des Digitalgeschäfts. Generali wolle allen Kunden über den von ihnen bevorzugten Kanal ein Angebot unterbreiten.

          Provisionen seien immer auch Verhandlungssache. "Wir würden daher niemals Provisionsniveaus bezahlen, die die Profitabilität der Produkte in Frage stellen würden", sagt Stachon. "Für uns ist entscheidend, wie lange die vermittelten Kunden beim Versicherer bleiben. Ein Kfz-Kunde, der jedes Jahr wechselt, kann für Versicherer nicht interessant sein."

          Am ungemütlichsten ist die Lage jedenfalls tatsächlich für "Herrn Kaiser": den Versicherungsvertreter alter Schule. Nach den Zahlen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft wurden 2016 bereits 18,5 Prozent des Neugeschäfts über Portale oder im Direktvertrieb abgeschlossen, 2014 waren es noch 16,3 Prozent. Mit einem Ende dieses Trends rechnet derzeit niemand in der Branche. Der Kampf um die Kunden wird sich voraussichtlich weiter verschärfen.

          Quelle: dpa

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