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Insurtechs : Neodigital versichert schneller

Bild: Picture-Alliance

Die Digitalisierung macht auch vor Versicherungen nicht halt. Mit Neodigital bietet ein Unternehmen jetzt erstmals vollständig digitale Policen an.

          Alten Versicherern fehlt die Agilität, jungen Versicherern fehlen die Kunden. Doch die Digitalisierung ermöglicht es neuen Akteuren, ihre Abläufe so schnell zu machen, dass die etablierten Anbieter nicht mitkommen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den vergangenen Monaten hat sich eine Handvoll digitaler Vollversicherer am Markt etabliert, die von der Finanzaufsicht Bafin die Lizenz erhalten haben und nun vorführen, wie man im Zeitalter von Amazon und Zalando auch das Versichern schnell macht. Element und One waren Vorreiter, die etablierten Versicherer zogen mit Friday (Baloise) und Nexible (Ergo) nach. Seit Ende März darf auch Neodigital aus Neunkirchen im Saarland Policen verkaufen.

          Richtigen Moment abgewartet

          „Wir wollten auf der grünen Wiese einen idealtypischen Versicherer aufbauen“, sagt Stephen Voss, Vorstandsmitglied des 2017 gestarteten Versicherers. Jahrelang hat er selbst in der Branche gearbeitet, zuletzt für die Zurich, weshalb er die Abläufe dort gut kennt.

          Viele heutige Versicherer seien das Ergebnis von Übernahmen und Fusionen mit jeweils unterschiedlichen IT-Systemen und Produktwelten, was die Prozesse verkompliziere. In den neunziger Jahren aber sei die Informationstechnik vielfach outgesourct worden. Erst jetzt erkenne man ihre zentrale Bedeutung, viele Versicherer legten Investitionsprogramme in dreistelligen Millionenbeträgen auf.

          Neodigital hingegen habe sich viel Zeit gelassen, die Abläufe sauber digital zu gestalten. Produkte seien in ihre Einzelteile zerlegt worden. „Das hilft später bei den Geschäfts- und Schadenprozessen“, sagt Voss. Hinterher könne man Policen individuell nach Bedarf zusammensetzen, ohne dass Mitarbeiter mit aufwendigen Rechnungen beauftragt werden müssten. Es sei aber nicht nötig, die Produkte zu einfach zu machen, um die Abläufe zu erleichtern. „Man darf die Individualität nicht auf dem Altar der perfekten Prozesse opfern“, sagt Voss.

          Angebot für Vermittler

          Traditionelle Versicherer müssten häufig 300 oder 400 Tarifgenerationen eines Produktes parallel verwalten. Sie auf einige wenige Produkte zu vereinheitlichen sei nicht einfach, weil weder der Kunde noch der Vermittler davon einen erkennbaren Nutzen haben.

          Mit seinem Angebot richtet sich der neue Versicherer an die Vermittler und deren Dienstleister (Pools) direkt. „Wir haben nicht das Budget, um einen ganzen Markt in unserem Sinne zu erziehen. Aggressive Strategien, die direkt auf eigene Kunden zielen, sind nicht zu bezahlen“, sagt Voss.

          Für Pools und Versicherungsmakler seien die Vorteile eines beschleunigten Prozesses aber schnell zu erfassen. „Der Makler hat immer mehr administrative Aufgaben. Ihn zu entlasten ist unsere Aufgabe“, sagt Voss. In diesem Regelungsdickicht müsse der Makler weiterhin die Chance haben, sich als Sachwalter des Kunden zu engagieren.

          Mit diesem Ansatz tummelt sich Neodigital im selben Becken wie Element oder One. Auch Coya und Flypper stehen als Vollanbieter in den Startlöchern. „Wir wollen nicht die etablierten Anbieter angreifen. Für uns alle reicht der Markt aus“, sagt Voss. 25 Mitarbeiter beschäftigt Neodigital derzeit. Alle Funktionen eines Versicherers müssen abgebildet sein, verlangt die Bafin.

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