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Veröffentlicht: 02.03.2015, 10:15 Uhr

Gebäudeversicherung Hausbesitzer, aufgepasst!

Eine Versicherung für Wohngebäude braucht jeder Hauseigentümer. Sie wird jetzt richtig teuer, denn die Versicherer geben mehr aus, als sie einnehmen.

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© dpa Versicherer: Beiträge müssen erhöht werden, da mehr Geld aus- als einbezahlt wird.

Das Schreiben, das viele Kunden der „R+V Versicherung“ Anfang des Jahres erhielten, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Unter der Betreffzeile „Ihre Wohngebäudeversicherung – handeln Sie jetzt!“ ist dort zu lesen: „Wir zahlen jedes Jahr mehr für Gebäudereparaturen, als wir an Versicherungsbeiträgen einnehmen. Dies gefährdet dauerhaft unser Leistungsversprechen. Auch Ihr Vertrag ist betroffen und kann nicht unverändert fortgeführt werden.“

Dennis Kremer Folgen:

Das klingt nicht nur dramatisch, sondern das ist es auch. Denn für Hausbesitzer gibt es kaum eine wichtigere Versicherung als die Wohngebäudepolice: Bei Feuer, Sturm und Hagel sowie bei einem Wasserrohrbruch kommt sie für Schäden am Haus auf. Ohne die Versicherung steht nach einem Brand oder Unwetter nicht selten die finanzielle Existenz des Hausbesitzers auf dem Spiel. Wer hat schon das Geld, das eigene Haus im Extremfall noch einmal vollständig neu aufzubauen?

Doch vielen Versicherungsfirmen wird dieser Schutz nun zu teuer. So hat die „R+V“ gerade die Beiträge deutlich erhöht – für ältere Verträge sogar um 20 Prozent. Dies können schnell mehr als hundert Euro im Jahr sein. Aber nicht nur die „R+V Versicherung“ zahlt mehr aus als sie einnimmt, auch viele andere Anbieter verlieren mit ihrer Wohngebäudesparte Geld. Für deren Kunden wird es oft ebenfalls teurer: Auch die Versicherungskammer Bayern gehört zu denen, die die Beiträge für ältere Verträge unlängst erhöht haben. Andere Anbieter, davon sind Experten überzeugt, werden nachziehen. Manchen Kunden droht gar die Kündigung ihres Vertrages.

Verluste für Versicherungen in der Wohngebäudesparte

„Die Verluste in der Wohngebäudesparte sind für die Versicherer schon seit Jahren ein Problem“, sagt Christian Monke vom Analysehaus Franke und Bornberg. Aber woran liegt dies? Zwei Dinge haben die Anbieter nicht kommen sehen: Da ist zum einen die Zunahme von Stürmen und Hochwasser in Deutschland, im Jahr 2013 mussten die Versicherungsfirmen für Schäden in Rekordhöhe aufkommen. So etwas darf eine Branche, die auf die Kalkulation von Risiken spezialisiert ist, zwar eigentlich nicht überraschen. Doch die Versicherer argumentieren: Die Wetterextreme hätten in unvorhersehbarer Weise zugenommen. Und zum anderen komme hinzu: Die Schäden an Leitungswasserrohren seien wegen des hohen Alters vieler Gebäude zuletzt massiv gestiegen.

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Dies mag sich wie Ausflüchte anhören. Doch selbst Kritiker der Branche gestehen zu: Beide Phänomene ließen sich nicht leugnen. Aber müssen die Versicherten höhere Beiträge nun einfach so hinnehmen? Keineswegs. Die erste Regel für jeden betroffenen Kunden lautet: Vergleichen, vergleichen, vergleichen. Sobald der Versicherer über die höheren Beiträge informiert hat, sollte ein Hausbesitzer sofort Angebote der Konkurrenz einholen. Wie gut oder schlecht die Bedingungen der verschiedenen Versicherer aktuell sind, lässt sich beispielsweise auf der Internetseite des Analysehauses Franke und Bornberg nachsehen.

Sonderkündigungsrecht nach der Schadensmeldung

Zuviel Zeit sollte man sich mit der Suche allerdings nicht lassen. Denn wer zu lange zögert, riskiert damit, dass er am Ende ganz ohne Versicherung dasteht. Stimmen die Kunden den höheren Beiträgen ihrer bisherigen Versicherung innerhalb einer Frist nämlich nicht zu, kündigt der Anbieter den Vertrag. Einmal mit dem Makel einer Kündigung versehen, hat man es in der Regel äußerst schwer, einen neuen Versicherer zu finden. Da ist es besser, erst einmal das ursprüngliche Angebot des bisherigen Versicherers anzunehmen, weiterzusuchen und dann selbst den alten Vertrag zu kündigen.

Unwetter in Nordrhein-Westfalen © dpa Vergrößern Nach mehreren schweren Unwettern im Sommer 2014 waren die Ausgaben für die Versicherungen besonders hoch.

Ob alter oder neuer Anbieter: Gut überlegen sollten die Kunden sich stets, ob sie der Versicherung wirklich jeden Schaden melden. Das hat einen Grund: Nach jeder Schadensmeldung hat der Versicherer ein Sonderkündigungsrecht. Dies nehmen nicht wenige Anbieter in Anspruch, selbst wenn der Schaden nur ein paar hundert Euro beträgt, hat der Bund der Versicherten beobachtet.

Dort rät man: „Die Wohngebäudeversicherung dient dazu, existentielle Risiken wie den Verlust des eigenen Hauses abzudecken. Diesen Schutz sollte man nicht aufs Spiel setzen, indem man jeden noch so kleinen Schaden der Versicherung meldet.“ Die Anbieter beteuern zwar, dass die Kündigung nach einem Schadensfall nicht die Norm sei. Richtig beruhigend aber klingt das nicht.

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