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Überwachtes Fahrverhalten : Revolution der Kfz-Versicherung

Wer sein Fahrverhalten beobachten lassen möchte, könnte Geld sparen Bild: Karolin Kraut

Wer vorsichtig fährt, spart künftig bei der Versicherungsprämie. Eine Blackbox im Auto kontrolliert das Fahrverhalten. Der Preis dafür ist hoch: Keine Fahrt bleibt mehr geheim.

          Es ist ein unscheinbares schwarzes Kästchen, nicht wesentlich größer als ein Smartphone – aber es hat das Zeug, das Verhältnis von vorsichtigen Autofahrern und Verkehrsrowdys in Zukunft zu verändern. „Blackbox“ oder „Telematik-Box“ nennt sich das kleine Gerät, das Autofahrer in ihr Fahrzeug einbauen lassen können. Es hat diverse Funktionen, unter anderem sendet es bei Unfällen einen Notruf. Am spannendsten aber ist seine Fähigkeit, Daten über den Fahrstil des Autofahrers für die Versicherung einzusammeln.

          Wie rasant beschleunigt jemand? Wie oft legt er eine Vollbremsung hin? Fährt er manchmal oder sogar regelmäßig schneller als erlaubt? Das alles kann das Hightech-Gerät messen – und die Ergebnisse der Versicherung melden. Der Witz dabei: Die Versicherungsgesellschaft erfährt etwas über den Fahrstil des Versicherten – und kann den Tarif für die Versicherung davon abhängig machen. „Pay how you drive“ („Zahle, wie du fährst“) heißt dieses Prinzip – es soll Rowdys bestrafen und vorbildliche Autofahrer belohnen.

          Diese Blackbox kommt ins Auto
          Diese Blackbox kommt ins Auto : Bild: Hersteller

          Die erste Versicherung in Deutschland hat das jetzt eingeführt – und weitere befinden sich in der Testphase. Die Deutsche Sparkassen-Direktversicherung in Düsseldorf ist der Vorreiter: Seit dem 1.Januar bietet sie eine Kfz-Versicherung an, bei der es einen Rabatt von fünf Prozent auf die Prämie gibt, wenn man eine Blackbox ins Auto einbauen lässt und diese dem Fahrer einen vorsichtigen Fahrstil bescheinigt.

          Das Interesse sei groß, sagt Jürgen Cramer, Vorstand der Versicherung. Bei einer Umfrage haben 51Prozent der Befragten angegeben, an einer solchen Box interessiert zu sein, wenn man damit Geld spart. In den wenigen Tagen seit der Einführung habe die Versicherung bereits eine dreistellige Zahl von Verträgen abschließen können, berichtet Cramer. Für die erste Phase hat die Versicherung die Teilnehmerzahl auf 1000 beschränkt. Eine Erweiterung ist allerdings geplant.

          Der beste Fahrer bekommt ein Quartal spendiert

          Gleichzeitig testen nach Angaben aus der Branche fünf weitere Versicherungen in Deutschland ähnliche Verfahren. Die Allianz hat die Blackbox bereits in Italien eingeführt und ist damit sehr erfolgreich. Dort misst sie allerdings vor allem die gefahrenen Kilometer – und die Versicherungsprämie wird danach differenziert.

          Und in Deutschland, wie funktioniert das Ganze hier? Die Blackbox der Sparkassenversicherung wird an die Bordelektronik angeschlossen und sendet alle 20 Sekunden Daten über Lage, Geschwindigkeit und Beschleunigung des Autos an ein Rechenzentrum der Telefongesellschaft Telefónica in London. Diese weiß nicht, um wen es sich bei dem Autofahrer handelt, sondern kennt nur eine Kunden-Identifikationsnummer und speichert die Angaben ähnlich wie sonst Handydaten.

          Einmal im Monat meldet die Telefongesellschaft dann der Versicherung einen sogenannten „Score“- Wert. Das ist gleichsam die Bewertung des Fahrstils. Macht man alles perfekt, bekommt man 100 Punkte. Abzüge gibt es nicht nur für Verhaltensweisen, die verboten sind wie zu schnell fahren, sondern auch für solche, von denen Versicherungsmathematiker sagen, dass sie statistisch für ein höheres Unfallrisiko stehen. Dazu gehört starkes Beschleunigen und extremes Bremsen. Auch wer viel nachts fährt, gehört statistisch in eine Risikogruppe und bekommt Abzüge. Genauso wie Menschen, die vor allem in der Stadt unterwegs sind, wo es häufiger kracht als auf dem Lande.

          Die Versicherung ordnet diese Score-Werte anhand der Kundennummer dann ihren Versicherten zu. Wer in einem Monat mehr als 80 Punkte erreicht, bekommt fünf Prozent Ermäßigung bei der Versicherungsprämie. Außerdem wird jeden Monat der beste Fahrer festgestellt, der dann sogar ein Quartal lang kostenlos versichert wird.

          Die Blackbox bietet diverse Zusatzfunktionen

          Die beiden getrennten Datenkreise bei Versicherung und Telefongesellschaft, die nur über die Kundennummer verbunden sind, sollen dafür sorgen, dass keines der beiden Unternehmen kontrollieren kann, wo ein Autofahrer gerade steckt. Damit soll der Befürchtung entgegengewirkt werden, das Ganze werde in einer totalen Überwachung à la Big Brother enden.

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