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eCall : Versicherer und Autohersteller auf der Datenspur

Das automatische Notrufsystem, das unter dem Namen eCall in allen neuen Autos von 2018 an zur Pflicht wird. Bild: dpa

Die Allianz und andere bieten Policen abhängig vom Fahrstil an - das Rennen um die Datenhoheit im Auto beginnt.

          Noch ist kein einziger eCall abgesetzt worden. Und auch das selbstfahrende Auto ist in weiter Ferne. Aber schon heute lassen das automatische Notrufsystem, das unter dem Namen eCall in allen neuen Autos von 2018 an zur Pflicht wird, sowie die Aufrüstung der Fahrzeuge mit immer aufwendigeren Computer-Netzwerken die Wellen in der Autoindustrie und in der Assekuranz hochschlagen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Schon ist ein Wettlauf über die Datenhoheit im Auto entbrannt. Einige Versicherer, darunter die Signal Iduna und S-Direkt, haben Autopolicen entwickelt, deren Tarif den Fahrstil der Kunden berücksichtigt. Auch die Allianz, Deutschlands größter Versicherer, wird einen solchen Telematik-Tarif im kommenden Frühjahr anbieten.

          Wenn Kunden einen niedrigeren Beitrag dafür erwarten dürfen, dass der Versicherer im Gegenzug Daten über die Fahrweise einsammelt - über Beschleunigung, Kurvengeschwindigkeit und Bremsverhalten -, dann kann das Geschäft Fahrt aufnehmen. „Wir haben vor allem junge Autofahrer im Blick, sie sind technologieaffiner und eher bereit, Daten mit ihrem Versicherer zu teilen“, sagt Alexander Vollert, Vorstand der Allianz Deutschland. Natürlich sammele die Allianz Daten nur mit der Einwilligung des Kunden. Ebenso behandele sie die Fahrdaten absolut vertraulich. Und vermutlich sind gar nicht so sehr die Kunden besorgt über den Datenschutz.

          Größeren Gesprächsbedarf gibt es mit der Autoindustrie. „Mit den Autoherstellern reden wir darüber, wie wir den Zugang zu den Daten im Auto bekommen“, sagt Vollert, der sich von der Datennutzung verspricht, Risiken besser kalkulieren zu können. „Dabei ist für uns selbstverständlich, dass die Daten den Kunden gehören und nicht dem Autohersteller oder Versicherer.“

          Der Telematik-Tarif ist erst der Anfang. Eine regelrechte Datenexplosion erwarten Fachleute mit dem eCall und - noch mehr - dem autonomen Fahren. „Die Aufregung unter den Autoherstellern ist riesengroß“, sagt Gabriel Seiberth, Autofachmann der Unternehmensberatung Accenture. Keinesfalls wollten Audi, BMW oder Daimler das Geschäft mit den Daten anderen überlassen.

          Nicht umsonst hätten die drei deutschen Premiumhersteller gerade erst gemeinsam die Nokia-Tochtergesellschaft Here für fast 3 Milliarden Euro übernommen. Sie wollten unbedingt verhindern, dass die hochpräzisen, digitalen Landkarten an Internetkonzerne wie Facebook oder an Chauffeur-Vermittlungsdienste wie Uber verkauft werden. Die Here-Karten sind als Basis für neue Assistenzsysteme und andere digitale Dienste unverzichtbar. Es wird ein Milliardengeschäft werden.

          Allein der Telematik-Markt mit den sogenannten Dongles, die in die Diagnoseschnittstelle des Autos gesteckt werden und Fahrzeugdaten per Bluetooth melden, wird nach Berechnungen von Accenture bis 2019 ein Umsatzvolumen von 6 Milliarden Euro erreichen. Die vernetzten Dienste, die darüber angeboten werden, sind noch gar nicht eingerechnet. Das mag Zukunftsmusik sein.

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