Digitale Versicherungen wollen per App das Geschäft verändern
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Konkurrenz für Allianz und Co : Der Angriff der digitalen Versicherungen

Mein wichtigster Schatz: Junge Leute versichern lieber nur ihr Smartphone als den ganzen Haushalt. Bild: plainpicture/fStop

Die Assekuranz hat lang geglaubt, sie bliebe von der digitalen Revolution verschont. Das erweist sich als Trugschluss. Junge Innovatoren treiben sie vor sich her.

          Robin von Hein ist einer dieser typischen jungen Tekkies. Smart, Laptop dabei, Hemd unterm Pulli statt Sakko, duzt sofort. Hein liebt Kitesurfen und sitzt in Berlin, das sich inzwischen als Gründermekka für digitale Start-ups vermarktet. Er hat sich daran gewöhnt, seine Geschichte eindrucksvoll zu erzählen. Schließlich wollen internationale Investoren überzeugende Storys hören.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch bei Hein kommt noch etwas hinzu: Er hat eine grundsolide Ausbildung genossen. Volksbank im Taunus, ein erstes erfolgreiches Versicherungsprojekt noch als Azubi, dann Studium der Versicherungsbetriebslehre, nebenbei Policen im Betrieb der Tante verkauft.

          2012 hat Hein innerhalb von zwei Monaten seine Firma Simplesurance gegründet. Mit seiner Marke Schutzklick sammelt der Gründer seither Kunden, Geldgeber und Kooperationspartner aus der Branche. Die Idee ist so simpel wie der Firmenname: Kaufen Kunden ein Produkt im Internet, hilft Heins Software, ihm sogleich das passende Versicherungsprodukt anzubieten. Die Technik passt sich in die Optik der Online-Händler ein.

          Keine Kundendaten nötig

          Zum Handy-, Fahrrad-, Kühlschrank- oder Tierfutterkauf kann der Verbraucher unmittelbar seine entsprechende Police gegen Verlust, Defekt oder Diebstahl abschließen. Und das mit einem Minimum an Daten. Die Idee kam Hein beim Kitesurfen in Südafrika. Dort ist es üblich, sich kurz vor einer hochriskanten Fahrt mit dem Van durch den Stadtverkehr online gegen den Todesfall zu versichern.

          „Wie kann das sein, dass die das hinbekommen und wir nicht“, fragte sich der Schutzklick-Gründer. Und weil er sich mit Versicherungen auskannte, hatte er auch gleich die Antwort: Die Anbieter sammeln zu viele Daten, das macht die Absicherung komplex.

          „Wozu brauchen sie Kundendaten? Zur Risikoklassifizierung und zur Identifizierung im Schadenfall“, sagt er. Bei seinen sehr einfachen Produkten kann er darauf verzichten. „Die Produkte haben eine ID-Nummer, außerdem benötigen wir nur eine E-Mail-Adresse.“

          Im Wettbewerb aufgerieben

          Lange hat es gedauert, bis die digitale Welt auch in die Assekuranz Einzug hielt. Zwar verkaufen Direktversicherer online Policen. Vergleichsportale brachten Transparenz und Wettbewerb, erste Versicherer arbeiten mit Smartphone-Apps. „In ihrer Umsetzungsgeschwindigkeit von Innovationen sind Versicherer aber weit hintendran“, sagt Christian Richter, Managing Director der Beratung Accenture. Deshalb sei die Entwicklung sogenannter Fintech-Unternehmen eine existentielle Bedrohung.

          Traditionell hatten Versicherer eine feste Klientel: Die LVM versicherte Landwirte, die Debeka Beamte, die DEVK Eisenbahner. „Doch die Loyalität von Kundensegmenten nimmt ab“, sagt Richter. Der Wettbewerb wird härter. Wer seine Prozesse nicht wie in einer Versicherungsfabrik gestalte wie die Huk-Coburg, der drohe sich im Wettbewerb mit finanzstarken Vollsortimentern wie der Allianz oder der Axa aufzureiben.

          Nun erhöht sich auch der Druck der digitalen Angreifer. Sie antizipieren Kundenwünsche intuitiver, weil sie die Defizite der Branche selbst erleben. „Wir arbeiteten viel und hatten wenig Zeit“, erzählt Christian Wiens, Mitgründer von Getsafe, einem Unternehmen, das Versicherungsverträge online verwaltet. „Zudem waren wir durch Finanzvertriebe verbrannt, die junge Leute mit Geschenken und Ködern an Finanzprodukte gewöhnen: Jeder kümmert sich um Neukunden, niemand um die, die schon Versicherungen haben.“

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