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Gesundheitsversorgung : Beiträge in der privaten Krankenversicherung steigen stark

  • -Aktualisiert am

In der privaten Zahnzusatzversicherung sind die Beiträge über viele Jahre stabil. Bild: dpa

Im Jahr 2016 haben viele private Krankenversicherer die Beiträge spürbar erhöht. Die höchste Anpassung lag bei 16 Prozent. Beamte können dagegen zufrieden sein.

          In den vergangenen Jahren sind die Kunden der privaten Krankenversicherer vergleichsweise geschont worden. Die Beitragsanpassungen für die vier vergangenen Jahre waren sehr moderat ausgefallen. Für das Jahr 2016 aber mussten viele Versicherte mit einer Kranken-Vollversicherung deutliche Beitragserhöhungen hinnehmen. Im Durchschnitt erhöhten die Versicherer sie um 4,1 Prozent. Damit lagen die Steigerungen über dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2016, der 3,7 Prozent beträgt. Diese Daten gehen auf die Meldung von 17 der 32 deutschen Krankenvollversicherer zurück, die sich an dem PKV-Rating des Branchendienstes Map-Report beteiligt haben, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

          Die Beitragserhöhungen haben mehrere Ursachen: Zum einen fällt ins Gewicht, dass die Anpassungen in den vergangenen Jahren so gering ausfielen. Versicherer dürfen erst dann Beiträge erhöhen, wenn sich die Schadenzahlungen um 5 Prozent gesteigert haben. Wenn sie sich um 10 Prozent erhöhen, müssen sie sogar anpassen. Deshalb kommen Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung oft auf einen Schlag. Zum anderen spielen die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt eine Rolle. Denn viele Unternehmen haben vorsorglich ihren Rechnungszins für bestehende Verträge gesenkt. War früher ein Zinssatz von 3,5 Prozent üblich, mit dem sie ihre Rückstellungen abzinsen konnten, liegt er heute häufig bei nur noch 2,75 Prozent. Das bedeutet, dass die Versicherer höhere Rückstellungen bilden müssen, um ihre künftigen Verpflichtungen erfüllen zu können.

          Beste Versicherer sind schwierig zu ermitteln

          Die stärksten Beitragserhöhungen mussten Kunden der R+V hinnehmen. Der genossenschaftliche Versicherer hob die Preise für Bestandskunden um 16,4 Prozent an. Auch Hallesche (9,8 Prozent) und DKV (9,3 Prozent) lagen weit über dem Branchendurchschnitt. Vier Unternehmen beließen die Beiträge auf dem Niveau des Vorjahres: Allianz, Signal, Pax Familienfürsorge und Deutscher Ring. Diese Entscheidungen sind aber immer nur eine Momentaufnahme. Aufschlussreicher ist es für Kunden, die Entwicklung über mehrere Jahre zu beobachten.

          Entscheidend für die Frage, wie sich ein Krankenversicherer im Wettbewerb schlägt, ist ein kompliziertes Geflecht verschiedener Kennziffern. Zudem müssen Kunden nicht nur auf solche Erfolgszahlen achten, sondern auch darauf, unter welchen Bedingungen Versicherer für welche Leistungen zahlen. „Es gibt kaum eine Sparte, die so typisch Individualversicherung ist, wie die private Krankenversicherung“, schreibt Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages in seiner Analyse. „Insofern ist auch schwierig, in einem Rating die besten Gesellschaften zu ermitteln.“

          Debeka rangiert an der Spitze

          Gleichwohl hat sich der Map-Report an diese Aufgabe herangewagt. Im Gesamtrating liegt die Debeka vor der Signal und der Provinzial auf den drei vorderen Plätzen. Bekamen im vergangenen Jahr neun Versicherer eine hervorragende Bewertung, war es diesmal einer weniger: R+V und Hallesche fielen eine Stufe zurück, die SDK stieg in die Gruppe der führenden Krankenversicherer auf. Wer besonders auf die Finanzstabilität setzt, ist nach dem Rating besonders gut bei der Alten Oldenburger, der Debeka und der LVM aufgehoben. Die Debeka und die DEVK verzinsten die Alterungsrückstellungen ihrer Kunden mit der höchsten Rate. Sie lagen mit 5,14 und 4,71 Prozent Nettorendite auch weit oberhalb ihres Rechnungszinses und können deshalb auch viele Mittel in ihre Sicherheitspuffer legen. Die besten Service-Kennziffern wiesen abermals die Debeka, die Pax-Familienfürsorge und die Huk-Coburg auf. In dieses Kriterium fließt zum Beispiel ein, wie oft Kunden gegen ihren Anbieter prozessieren müssen und wie viele Verbraucher ihre Policen vorzeitig kündigen. Als drittes Kriterium fließt in die Analyse ein, wie sich der Vertragsbestand entwickelt hat – auch das stabilisiert Beiträge. Hier standen der Deutsche Ring, die Barmenia und die Debeka am besten da.

          Besser lief das Jahr übrigens für Beamte: Ihre Beitragserhöhung fiel mit durchschnittlich 1,5 Prozent deutlich moderater aus als für andere Vollversicherte. Dieses Niveau lag auch klar unter dem langjährigen Durchschnitt von 2,8 Prozent. Noch günstiger war die Entwicklung in der stationären Zusatzversicherung.

          Quelle: F.A.Z.

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