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Veröffentlicht: 15.12.2016, 12:16 Uhr

Schutz gegen Ungemach Versicherungen, die kein Mensch braucht

Die Deutschen horten gerne Versicherungen. Dabei sind viele davon überflüssig. Welche Sie brauchen, und auf welche Sie getrost verzichten können.

von
© Getty

Wenn die Deutschen eines besonders gut können, das belegen Umfragen immer wieder, dann ist es das Schwarzsehen. Hiermit ist nicht etwa das Fernsehen ohne GEZ-Gebühren gemeint, sondern die Angewohnheit, besonders finster aufs Leben und in die Zukunft zu blicken. Die Bundesbürger sind ein Volk von Pessimisten, in Umfragen sagt nur jeder Dritte: Ich bin Optimist. Das Ausland hat für diese Lebenseinstellung auch einen Begriff gefunden, „German Angst“.

Nadine Oberhuber Folgen:

Wohl aus dieser Angst heraus ist unsere Nation noch in einer anderen Disziplin führend: beim Kauf von Versicherungen nämlich, die gegen möglichst jedes Ungemach schützen sollen. Dafür zahlen wir Geld ohne Ende. Im Schnitt kommt jeder Deutsche auf sechs Versicherungsverträge, für die er jährlich 2371 Euro zahlt. Das sind 630 Euro mehr, als ein Durchschnittseuropäer ausgibt, hat der europäische Versicherungsverband ausgerechnet. Und es ist weitaus mehr, als jeder Bundesbürger noch vor zehn oder 20 Jahren ausgab, 1995 kam man im Durchschnitt nämlich für solche Verträge nur auf 1362 Euro.

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Von den rund 2400 Euro, die wir heute für Versicherungen aller Art ausgeben, fließen üblicherweise knapp 1150 Euro in die Altersabsicherung, knapp 800 in Schaden- und Unfallversicherungen und 450 Euro in Policen für den Krankheitsfall. Insgesamt entspricht dies Ausgaben in Höhe von 200 Euro im Monat, was erst einmal gar nicht so dramatisch klingt. Aber: Es versteht sich pro Kopf, das bedeutet, ein Vierpersonenhaushalt gibt satte 800 Euro jeden Monat für die Absicherung von Risiken aus statt für die Ausgestaltung des eigenen Lebens. Auch das ließe sich vielleicht noch rechtfertigen, wenn es das Leben nach einem Notfall tatsächlich erleichtern würde. Doch die bittere Wahrheit lautet: Viele von uns haben Versicherungsverträge, die in Wirklichkeit kein Mensch braucht.

64 Milliarden Euro jährlich zahlen Bundesbürger an Beiträgen

Eine Zahl der Versicherungsbranche veranschaulicht das: Etwa 64 Milliarden Euro jährlich zahlen Bundesbürger an Beiträgen für Schaden- und Unfallversicherungen. Doch bloß 48 Milliarden Euro davon schüttet die Branche für tatsächliche Schäden an Betroffene aus. Heißt im Umkehrschluss: 16 Milliarden Euro pro Jahr zahlt die gesamte Nation zur Absicherung einer Situation, die nie eintritt. Das Geld dafür könnten wir uns glatt sparen.

Die Sterbegeldversicherung ist aus Sicht von Finanzexperten die überflüssigste Versicherung. Sie ist ein Sparvertrag und im Prinzip nichts anderes als eine Mini-Kapitallebensversicherung (von der Versichertenverbände ohnehin abraten), an deren Ende eine Auszahlung von 5000 oder 7500 Euro steht. Dabei spart der Kunde selbst das Geld an, das später an seine Hinterbliebenen ausgeschüttet wird, damit die beispielsweise davon seine Beerdigungskosten bezahlen können. Die Idee ist im Prinzip gut, wenn jemand seinen Angehörigen nicht zur Last fallen will, doch die Policen sind in aller Regel viel zu teuer. Denn ein Großteil der eingezahlten Beiträge wird gar nicht angespart, sondern geht für die Verwaltung drauf oder verschwindet in den Risikopuffern der Versicherungsgesellschaften.

Erst recht für ältere Kunden lohnen sich solche Verträge nicht. Wer beispielsweise mit 65 Jahren einen solchen Vertrag abschließt, der 20 Jahre läuft und der den Angehörigen ein Sterbegeld von 5000 Euro hinterlassen soll, der hat am Ende 7250 Euro eingezahlt, weil die Sicherheitszuschläge so hoch sind. Da wirft ein Banksparplan selbst in Niedrigzinszeiten mehr ab.

Auch Jüngere können anderswo ertragreicher sparen. Zudem sind die Konditionen solcher Verträge meist schlecht. Stirbt ein Versicherter wenige Monate nach Abschluss der Versicherung, zahlen die Gesellschaften lediglich Bruchteile der bisher eingezahlten Beträge aus statt der vereinbarten Summe. Viel sinnvoller ist es, eine Risikolebensversicherung mit kleiner Auszahlsumme abzuschließen, das kostet nur wenige Euro im Monat. Auch Ältere bekommen solche Versicherungen noch.

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