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Trotz widriger Bedingungen : Stabile Verzinsung bei der Allianz

  • -Aktualisiert am

Größter Stand, stärkste Muskeln: Die Allianz präsentiert sich Ende Oktober auf der Maklermesse DKM in Dortmund. Bild: Edgar Schoepal

Die Allianz, Marktführer in der Lebensversicherung, will ein Signal an Kunden und Wettbewerber senden. Größe kann im Niedrigzinsumfeld ein Vorteil sein.

          Knapp vier Wochen vor Inkrafttreten der Betriebsrentenreform bringt sich die Allianz mit einem kraftvollen Signal ins Gespräch. Der deutsche Marktführer in der Lebensversicherung belässt seine Überschussbeteiligung trotz der widrigen Bedingungen am Kapitalmarkt auf dem Niveau des Vorjahres. Für klassische Policen beträgt die laufende Verzinsung für das Jahr 2018 abermals 2,8 Prozent. Wenn Kunden einen neuartigen Vertrag erworben haben, der nur noch eine Beitragsgarantie verspricht („Perspektive“), bekommen sie sogar 2,9 Prozent Verzinsung gutgeschrieben.

          Die stabile Verzinsung kann sich die Allianz erlauben, weil sie weiterhin mit 4,4 Prozent eine überdurchschnittliche Rendite ihrer Kapitalanlagen erwirtschaftet. „Wir können weltweit und direkt anlegen und haben die Expertise für alternative Anlagen“, sagt Volker Priebe, Vorstand Privatkunden und Produkte der Allianz Deutschland. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen den Anteil der immer geringer verzinsten Rentenpapiere auf rund 50 Prozent zurückgefahren und gleichzeitig die Diversifikation erhöht. Auch die andere Hälfte beinhalte zwar festverzinsliche Anlagen, aber darunter höher verzinsliche Schwellenländeranleihen, Baudarlehen und in zunehmendem Maße alternative Kapitalanlagen, 9 Prozent Aktien und 5 Prozent Immobilien.

          Nur wenige Versicherer weisen bessere Quoten auf

          Im Vergleich zeigt sich, dass die Allianz dem Wettbewerb allmählich enteilt. Einer Analyse der zwölf größten Lebensversicherer des Betriebswirts Hermann Weinmann zufolge wies sie im vergangenen Jahr den höchsten Rohüberschuss gemessen am Beitragsvolumen aus. Bei der Ertragskraft lag sie knapp hinter der Zurich, bei den Kostenquoten ist sie Teil des Spitzenquartetts. Die Bewertungsreserven ihrer Wertpapiere, die sie im Bestand hat, sind gemessen an den Kapitalanlagen am höchsten.

          Nach einer Untersuchung des Policenaufkäufers Policen Direkt ist die Allianz deutlich besser in der Lage, die Garantien ihrer Kunden aus eigenen Kapitalerträgen zu erwirtschaften, als viele andere. Demnach kann sie ihre Garantien und die Verpflichtungen durch die Zinszusatzreserve zu 128 Prozent aus der Kapitalanlage bedienen. Bessere Quoten weisen nur sieben Versicherer aus, darunter die Cosmos, die Ideal und die Neue Bayerische Beamtenversicherung, die weniger unter den hochprozentigen Verträgen der Vergangenheit leiden.

          Viele neue Garantiekonzepte

          Weil die Allianz frühzeitig neue Garantiekonzepte in den Markt eingebracht hat, kann sie den Rückgang der klassischen Policen mit fester jährlicher Verzinsung besser verkraften. Nur noch jeder zehnte Vertrag wird heute als klassische Police mit hohem Eigenmittelaufwand für den Versicherer abgeschlossen, in der betrieblichen Altersversorgung ist es jeder vierte. Stattdessen erfreuen sich das Modell Perspektive, das eine Beitragsgarantie beinhaltet, sowie die chancenorientierteren Indexselect und Indexflex wachsender Beliebtheit. „Wir können immer mehr Kunden davon überzeugen, dass moderne Garantieformen mit einer Kombination aus Garantie und Renditechance ihrem Bedarf stärker entsprechen“, sagt Priebe.

          Auch wenn diese neuen Formen der Garantiestellung anders ausgestaltet sind, bauen sie immer noch auf die Geldanlage im Sicherungsvermögen, das dem Versichertenkollektiv gehört. Wie bei anderen Versicherern kann der Kunde das Garantielevel zurückfahren und ermöglicht so einen etwas höheren Aktienanteil in der Geldanlage. Während Wettbewerber aber allenfalls drei Varianten zur Auswahl stellen, lässt der Marktführer seinen Kunden auf der Skala zwischen klassischer und fondsgebundener Police ohne Absicherung ein Spektrum von drei weiteren Varianten. Nur in der fondsgebundenen Versicherung spielt das Kollektivsparen keine Rolle. „Unser Sicherungsvermögen bleibt der zentrale Kern für moderne Vorsorgekonzepte, weil wir es einsetzen, um Garantien zu stellen und attraktivere Fondsquoten anzubieten“, sagt Priebe. Versicherer bleibt also Versicherer.

          Hoffnung auf neue Bundesregierung

          Deshalb sei das Umfeld auch weiterhin herausfordernd. Den Niedrigzins, die Regulierung und das veränderte Kundenverhalten, das nach immer digitaleren Prozessen verlange, nannte Priebe als wichtigste Herausforderungen. Für die Branche wird auch von Bedeutung sein, ob sie weiterhin nach dem derzeit gültigen Mechanismus Milliarden für die Zinszusatzreserve zurückstellen muss. Die Finanzaufsicht Bafin schätzt, dass die Branche bis Ende dieses Jahres 64 Milliarden Euro dafür aufgebracht haben dürfte. „Den Aufbau der Zinszusatzreserve sollte man daher fortan etwas weniger kraftvoll gestalten“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld. Damit ist der Behördenchef ein wichtiger Fürsprecher der Branche, wenn es darum geht, einer neuen Bundesregierung Zugeständnisse abzuringen. Das bisherige Procedere schnürt Lebensversicherern den Atem ab und begrenzt die Möglichkeit, die Verteilung zwischen Neu- und Altkunden gerechter zu gestalten.

          Versicherer nutzen die Überschussdeklaration oft dafür, Signale an den Markt auszusenden. Neugeschäft wittern die meisten Anbieter demnächst in der betrieblichen Altersversorgung, weil neue Regeln gelten, die eine höhere Verbreitung in Kleinbetrieben und unter Geringverdienern bringen sollen. Einige Wettbewerber befürchten, dass sie gegen die Übermacht von Allianz und R+V in diesem Segment keinen Stich machen.

          Quelle: F.A.Z.

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