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Vermögensverwaltung Verschämte Technik

 ·  Nur ein Drittel der Vermögensverwalter interessieren sich für technische Analysen. Doch richtig eingesetzt, können diese zu besseren Ergebnissen führen.

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Viele sagen, sie hätten es noch nie getan - wenige gestehen ein, dass sie es nicht nur getan haben, sondern immer noch tun: Die Rede ist vom Einsatz der technischen Analyse in der langfristigen Verwaltung von Vermögen. Tonnen von Studien zeigen, dass an liquiden Märkten, die sehr schnell Informationen verarbeiten, die Erzielung systematisch überdurchschnittlich hoher Renditen eine Kunst ist, an der fast jeder Vermögensverwalter scheitern muss. Andererseits sind aber nicht alle Märkte liquide und sehr schnell informationsverarbeitend.

Kommen technische Analysten mit Kursgrafiken und einem simplen Instrumentarium daher, das sich jeder Privatanleger in Gestalt öffentlich zugänglicher Software zulegen kann, werden sie nicht selten von Profis im Fondsmanagement und in der Vermögensverwaltung ausgelacht. Kommen technische Analysten mit komplizierten Algorithmen, einer gewaltigen Kapazität in der schnellen Datenverarbeitung und vielleicht noch mit Doktortiteln in Raketentechnik oder Mathematik daher, hört man ihnen eher zu.

Mathematiker, Statistiker und Astrophysiker

Das Paradebeispiel ist der geheimnisumwitterte amerikanische Hedgefonds Medaillon, der seit Ende der achtziger Jahre eine jährliche Durchschnittsrendite von 45 Prozent erzielt haben soll. So hat es jedenfalls das „Wall Street Journal“ mit Verweis auf interne Unterlagen des Fonds berichtet, die von Journalisten eingesehen werden konnten. Medaillon wurde von Raketeningenieuren, Mathematikern, Statistikern und Astrophysikern ins Leben gerufen.

Die Computer des Fonds durchsuchen innerhalb kürzester Zeit die von den Finanzmärkten gelieferten Zahlen auf Muster und überprüft, ob der Fonds versuchen soll, mit schnellen Geschäften, die oft nur Bruchteile von Sekunden dauern, auf eine Fortdauer dieser Muster zu setzen. Fonds wie Medaillon sind Pioniere des heute sehr beliebten Hochfrequenzhandels. Als Pioniere konnten sie Pioniergewinne erzielen. Ihre Nachfolger haben es wahrscheinlich schwerer.

Langfristig orientierte Vermögensverwalter wollen oft von technischer Analyse nichts wissen. Aber in vielen Finanzprodukten und Strategien ist „Technik“ drin, auch wenn sie auf der Verpackung nicht vermerkt wird. Das gilt zum Beispiel für die verbreiteten Indizes, die das Gewicht eines Einzelwerts nach dem Börsenwert berechnen. In der Praxis verbirgt sich dahinter das heilige Prinzip der technischen Analyse: „Der Trend ist dein Freund.“

Weil das Gewicht der Aktien mit den stärksten Kursgewinnen im Index am stärksten zulegt, müssen Anleger, die den Index nachbilden, vor allem die Gewinner der jüngeren Vergangenheit kaufen. Dann nährt die Hausse die Hausse, wie ein altes Sprichwort an der Börse besagt. Umgekehrt müssen sich in einer Baisse Anleger, die einen solchen Index nachbilden, vor allem von den größten Verlierern trennen. Nunmehr wird die Baisse von der Baisse genährt. Mit den seit Jahren an Bedeutung gewinnenden Indizes, in denen alle Einzelwerte eine identische Gewichtung erhalten, kann man sich diese Verstärkereffekte ersparen.

Welche Bedeutung besitzt die technische Analyse in der Praxis? Die Forscher David Smith, Christophe Faugère und Ying Wang haben eine amerikanische Datenbank konsultiert, in der rund 10.000 von Profis verwaltete Vermögen erfasst sind. Diese Datenbank enthält nicht nur viele Informationen über die verwalteten Gelder (meist sind es Fonds), sondern auch Ergebnisse von Befragungen der Verwalter. Betrachtet wurden ausschließlich Ergebnisse von Aktien- und Mischfonds.

Im Ergebnis interessiert sich nur rund ein Drittel der Verwalter für technische Analysen, und unter diesen findet sich kaum jemand, der technische Analysen als wichtigste Entscheidungsgrundlage nimmt. Am beliebtesten war die technische Analyse für international ausgerichtete Mischfonds, während die Manager auf die Vereinigten Staaten ausgerichteter Mischfonds deutlich weniger Interesse zeigen. Die Untersuchung führt auch zu dem - fraglos nicht unumstrittenen - Ergebnis, dass bei einem Vergleich seit dem Jahr 1993 Fonds, die auch auf technische Analysen achteten, besser abgeschnitten haben als Fonds, die technische Analysen grundsätzlich verschmähen.

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