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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vermögensverwaltung Mehr Mut, Fondsmanager!

 ·  Viele aktiv verwaltete Fonds weichen nicht so stark von ihrem Referenzindex ab, wie ihr Name vermuten lässt. Sie sind teuer und verlieren bei den Anlegern an Bedeutung.

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Es ist weitgehend unbestritten, dass Fonds innerhalb der Vermögensverwaltung sinnvoll sein können. Aber welche Fonds? Die Zahl der Studien, die aktiv gemanagten Fonds zumindest auf liquiden Märkten keine Vorteile, sondern eher Nachteile gegenüber Indexfonds bescheinigen, ist unübersehbar. Daher bemühen sich manche ehemaligen Aktien- und Rentenfondsmanager, ihre Fonds mit zusätzlichen Anlageformen aufzufüllen, so wie es viele Hedgefonds tun.

Wie Studien des amerikanischen Ökonomen und Fondsberaters Antti Petajisto zeigen, tun viele Fondsmanager in den Vereinigten Staaten allerdings etwas ganz anderes. Sie orientieren sich - ohne dies gewöhnlich ihren Kunden mitzuteilen - sehr stark an einem zugrundeliegenden Index, was für den Fondsmanager toll, für den Kunden aber sehr nachteilig ist. Denn der Kunde zahlt die deutlich höheren Gebühren für einen aktiv gemanagten Fonds, bekommt aber ein Produkt, das einem sehr viel billigeren Indexfonds ähnelt. Eine solche Praxis, die in der englischen Sprache der Finanzmärkte „closet indexing“ genannt wird, ist nicht zwingend auf die Vereinigten Staaten beschränkt.

Aktive Fonds verdienen ihren Namen nicht immer

Die Grafik zeigt einprägsam, wie sehr aktives Fondsmanagement in den vergangenen drei Jahrzehnten an Bedeutung verloren hat. Petajisto und sein Mitautor K. J. Martin Cremers haben ein Konzept entwickelt, wie man aktives Fondsmanagement messen kann. Der erste Indikator ist die Abweichung eines konkreten Fondsportfolios von einem repräsentativen Index. Je weiter sich das Portfolio eines Managers von einem Index unterscheidet, umso aktiver wird der Manager eingeschätzt.

Aktivität ist eine Sache, Risikobewusstsein eine weitere. Petajisto und Cremers messen auch die Risikoneigung eines Managers. Wie das konkret geht, soll ein auf deutsche Verhältnisse übertragenes Beispiel zeigen: Der Manager eines deutschen Aktienfonds, der den 100 Werte umfassenden F.A.Z.-Index als Referenz nimmt und dann ausschließlich in drei kleine Werte aus drei verschiedenen Branchen - zum Beispiel Nordex (Erneuerbare Energien), Bertrandt (Automobile und Zulieferer) sowie Heidelberger Druck (Maschinenbau) - investiert, kann sich fraglos sehr aktiv nennen. Aber er geht immer noch ein geringeres Risiko ein als ein Fondsmanager, der ausschließlich die drei kleinen Werte aus dem Branchenindex Erneuerbare Energien erwirbt, weil dieser extrem risikofreudige Manager auch noch alles auf eine Branche setzt.

Index-Fonds haben an Bedeutung gewonnen

Seit dem Jahr 1980 hat in den Vereinigten Staaten der Anteil der sehr aktiv gemanagten Fonds an allen Aktienfonds von rund 60 auf rund 20 Prozent abgenommen, obgleich gerade diese Kategorie empirisch gar nicht schlecht abgeschnitten hat. Diese Fonds, zu denen unter anderem der T. Rowe Price Mid-Cap Value gehört, betreiben eine Anlagepolitik so ähnlich wie Warren Buffett und beschränken sich auf eine Auswahl speziell ausgesuchter Werte. Nicht ganz so extrem, aber immer noch recht aktiv ist die Konzeption des riesigen The Growth Fund of America, der auf ein Fondsvolumen von rund 140 Milliarden Dollar kommt.

Am unteren Ende der Grafik haben jene Fonds stark an Bedeutung gewonnen, die sich ganz oder nahezu an einem Index orientieren. Das sind zunächst einmal die passiv gemanagten und sehr billigen Indexfonds, die nichts anderes bieten wollen als die durchschnittliche Marktentwicklung, wie sie durch einen repräsentativen Index dargestellt wird. Ausgehend von den Vereinigten Staaten, haben Indexfonds in den vergangenen Jahren auch in anderen Regionen, darunter in Deutschland, an Bedeutung gewonnen. In den Vereinigten Staaten zählt hierzu der rund 80 Milliarden Dollar schwere Vanguard 500, der erste Indexfonds für Privatanleger.

Sehr stark gewachsen ist schließlich die Zahl jener offiziell aktiv gemanagten Investmentfonds, die sich tatsächlich sehr stark an einem Index orientieren. Petajisto gelangt zum naheliegenden Schluss, dass der Kauf solcher Fonds wegen der hohen Gebühren aus Anlegersicht keinerlei Sinn hat. Sinnvoller erscheint es da, als Alternative einen billigen Indexfonds zu kombinieren mit einem Fonds, dessen Manager wirklich aktiv managen und ihre eigenen Wege gehen.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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