http://www.faz.net/-hbv-8cow5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 25.01.2016, 14:10 Uhr

Die Vermögensfrage Zwangsversteigerungen bieten Häuserschnäppchen

Zwangsversteigerte Immobilien sind gefragt wie nie. Damit es für die Bieter keine böse Überraschung gibt, sollten einige Dinge beachtet werden.

von
© Ulrich Zillmann Genau hinschauen: Die Suche nach Häusern, die vor der Zwangsversteigerung stehen, kann sich lohnen.

Versteigerungen sind nicht nur etwas für Kunstliebhaber. An mehr als 500 Amtsgerichten hierzulande werden jedes Jahr Zehntausende Immobilien versteigert. Teilnehmen kann jedermann, und sei es nur als Zuschauer. Filmreife Szenen sind nicht garantiert, aber auch nicht ausgeschlossen. Schließlich geht es nicht nur um viel Geld, sondern oft sind auch Emotionen im Spiel. Die Objekte werden nämlich nicht zum Spaß zur Versteigerung gestellt, sondern nur als letzter Ausweg aus einem Familienstreit oder einer Überschuldungssituation.

Daniel Mohr Folgen:

Diese Not wirkt sich im Idealfall für den Käufer preismindernd aus. Die Hoffnungen auf ein Schnäppchen sind groß. Doch die Transparenz auf diesem Markt ist heutzutage viel größer als früher. „Zehn Mitarbeiter machen bei uns den ganzen Tag nichts anderes, als nach Zwangsversteigerungen Ausschau zu halten“, sagt Axel Mohr, Geschäftsführer von Argetra, der nach eigenen Angaben marktführenden Plattform für Zwangsversteigerungen. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Gerichten, werten 180 Tageszeitungen aus und haben auch regen Austausch mit vielen Gläubigerbanken“, sagt Mohr.

Gang bis hin zur Zwangsversteigerung

Damit decke sein Unternehmen nicht nur angeblich 100 Prozent der an Gerichten anberaumten Versteigerungstermine ab, sondern habe die Daten oft auch schon Monate vorher auf seiner Internetseite, wenn die Banken schon wissen, dass es bei dem Objekt zu einer Zwangsversteigerung kommen wird. Den Banken ist an einer regen Verbreitung gelegen. Denn je mehr Interesse es an einer Immobilie gibt, desto höher könnte am Ende der erzielte Verkaufserlös sein.

Mehr zum Thema

Da nun immer früher bekanntwird, welche Immobilien auf eine Zwangsversteigerung zulaufen, sinkt die Zahl der tatsächlichen Versteigerungen seit Jahren deutlich. Denn immer häufiger werden Immobilien auf dem freien Markt schon vor der Versteigerung verkauft. „Wir beobachten das in etwa der Hälfte der Fälle“, sagt Mohr. Das kürzt den oft Jahre dauernden Prozess für die Banken ab. Das klappt aber nur, wenn der Eigentümer dem freihändigen Verkauf zustimmt. Er muss letztlich seine Unterschrift unter den Vertrag setzen. Tut er dies nicht, geht die Sache ihren Gang bis hin zur Zwangsversteigerung.

Bewertung der Immobilie

Einen wachsenden Teil der Versteigerungen nehmen Gemeinschaften ein, die nicht aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus eine Immobilie versteigern müssen, sondern weil innerhalb der Gruppe keine Einigung über das Objekt erzielt werden kann. Neben Scheidungen sind Erbengemeinschaften typische Fälle. Manche wollen ihren Erbteil gerne in Geld ausgezahlt haben, andere jedoch das Haus behalten und bewohnen. Auch der Streit über die Feststellung des tatsächlichen Marktwertes der Immobilie kann oft nur durch einen Verkauf in einer Zwangsversteigerung beigelegt werden.

Der Antrag muss beim zuständigen Amtsgericht gestellt werden. „Dafür muss die Forderung jedoch tituliert sein“, sagt Thomas Hannemann, Fachanwalt für Immobilienrecht und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein (DAV). Es muss also zum Beispiel ein entsprechendes Gerichts- oder Mahnverfahren gegeben haben. Sind die Bedingungen nach dem „Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung“ erfüllt, beauftragt das Gericht einen Gutachter mit der Bewertung der Immobilie.

 
Die Vermögensfrage: Das müssen Sie beachten, wenn sie eine Immobilie ersteigern wollen!

Die Gutachten veröffentlichen die Gerichte, ebenso den für die Zwangsversteigerung angesetzten Termin. Dies kann im Internet auf der Gerichtsseite geschehen, muss aber nicht. Anbieter wie Argetra bieten auf ihrer Seite mehr Objekte und mehr Service an, wie zum Beispiel Suchaufträge, kosten dafür aber auch 240 Euro im Jahr.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --