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Alternative zu Magerzinsen : Beteiligungen sind meistens gefährliche Blendgranaten

  • -Aktualisiert am

Economy Class der Airbus A380: Beteiligungen an Flugzeugen können für Anleger zur „Holzklasse“ werden Bild: Reuters

Geschlossene Fonds rechnen sich für private Anleger in der Regel nicht. Doch die verzweifelte Suche nach Alternativen zu den Magerzinsen führt viele Anleger auf Abwege.

          Der Advent mag auf dem Papier die Zeit der Besinnung sein. Im realen Leben ist er aber die Phase größter Umtriebigkeit, auch oder gerade bei Geldanlagen. Früher wurden Milliarden in Steuersparmodelle versenkt, weil die Wut über den Fiskus pathologische Formen angenommen hatte, und heute drohen Milliarden in Beteiligungen verbrannt zu werden, weil die Verzweiflung über Magerzinsen krankhafte Züge angenommen hat.

          Wer sich im Internet die Angebote anschaut, kann sich nur die Augen reiben, und wer die dicken Hochglanzprospekte durchblättert, kann nur mit einem tiefen Seufzer feststellen: Es hat sich nichts geändert! Die Gier der Initiatoren ist groß.

          Die Naivität der Anleger ist grenzenlos! Die beiden „Tugenden“ passen zusammen wie das Schloss und der Schlüssel, so dass es kein Wunder ist, dass es auch in diesem Jahr wieder zu massiven „Fehlallokationen“ kommen wird, wie Volkswirte die Vernichtung von Geld bezeichnen. Sie werden während des folgenden Streifzugs durch die „Wunderwelt“ geschlossener Fonds deutlich.

          Anlagenregel beachten: Einstieg, Laufzeit, Ausstieg

          Ein gesetzter Mediziner alter Schule, 50 Jahre jung, grantelt über 200.000 Euro, die seit Monaten auf dem Girokonto herumliegen. Der honorige Mann könnte das Geld mit wenigen Handgriffen in Anleihen und Aktien stecken, doch das schmeckt dem Doktor nicht. Die Anleihen liegen im Allzeittief, die Aktien befinden sich auf dem Allzeithoch, und Investmentfonds sind, wie in „vertraulichen“ Anlegerbriefen zu lesen, von totalem Übel, da die Kosten so hoch sind.

          Ausgabeaufschläge von 5 Prozent und Verwaltungskosten von 2 Prozent sind in der Tat ein bisschen viel auf einmal, doch die Alternativen sehen, um es vorsichtig auszudrücken, kein Stückchen besser aus: Flugzeug, Wasserkraftwerk, Windenergie, Immobilie, Pflegeheim!

          Der gemeinsame Nenner der fünf Anlagen, in die jeweils 40.000 Euro fließen könnten, aber besser nicht gesteckt werden sollten, ist die Tatsache, dass es sich um „stinknormale“ handelt, und das heißt für alle Ärzte, aber auch den Rest der Welt, dass es drei Abschnitte gibt: Einstieg, Laufzeit und Ausstieg.

          Der Hinweis ist an Trivialität nicht zu überbieten, doch es ist schon tragisch, wie sehr die einfachsten Dinge der Geldanlage missachtet werden. Das gilt in besonderer Weise für den Ausstieg. Verträge werden im Handumdrehen unterzeichnet, doch was geschieht, falls der Anleger das Geld wider Erwarten braucht, was passiert, wenn die Beteiligung, was häufig genug der Fall ist, aus dem Ruder läuft?

          Beteiligung und Herstellung plus X

          Das Flugzeug ist ein Airbus 380-800 mit 519 Sitzplätzen. Der dicke Brummer kostet laut Prospekt rund 251 Millionen Euro. Davon entfallen aber nur 230 Millionen Euro auf den Riesenvogel, der Rest sind Fracht- und Lieferspesen. Das Wasserkraftwerk, die zweite Beteiligung, soll in Kanada errichtet werden.

          Gesamtaufwand: 83 Millionen kanadische Dollar, rund 59 Millionen Euro. Das nackte Wasserkraftwerk kostet lediglich 50 Millionen Euro, so dass sich dem arglosen Betrachter die Frage aufdrängt, wohin die restlichen Millionen fließen. Die dritte Beteiligung ist ein Windpark in Finnland. Er wird für 50 Millionen Euro angeboten, doch die Herstellung kostet, wie in den Unterlagen steht, lediglich 41 Millionen. Wo „verpuffen“ die 22 Prozent?

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