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Private Rentenversicherungen : Ewig einzahlen, wenig bekommen

  • -Aktualisiert am

Ein Rentnerpaar auf einer Bank vor dem Reichstag in Berlin. Bild: dpa

Renten, Riester, Rürup - manchmal müssen Rentenversicherungen sein. Aber egal, was die Vertreter auch erzählen, halbwegs rentabel sind nur noch Verträge bei kostengünstigen Anbietern mit guter Kapitalanlage.

          Zufall oder nicht, das Timing hatte es in sich: Am 12. März, nicht einmal 24 Stunden vor dem traditionell sonnigen Jahresbericht der Versicherungswirtschaft, erschrak die Branche angesichts alarmierender Zahlen zur Lebensversicherung: Das Analysehaus Morgen & Morgen hatte festgestellt, dass Neukunden der Lebensversicherer heute selbst bei einer klassischen Rentenpolice im Durchschnitt der Versicherer 23 Jahre sparen müssen, um garantiert im Plus zu landen. Bald darauf war die Welt der Versicherer aber wieder in Ordnung: „Es gibt großes Vertrauen in die Lebensversicherung“, freute sich Verbandspräsident Alexander Erdland über gute Geschäfte seiner Branche. Was gilt denn nun für Anleger und Vorsorgesparer? Das nur mäßig verbrämte „Hände weg“ der Analysten oder die Vertrauenswerbung des Verbandschefs?

          Vermutlich beides: Nicht nur die klassische Kapitalversicherung, sondern auch die Rentenversicherung kommt bei vielen Gesellschaften in der Niedrigzinsphase unter die Räder. Aber eben nicht bei allen. Auf 0,42 Prozent ist die garantierte Rendite eines Mustervertrages der Ratingagentur Assekurata mit dem neuen Garantiezins seit Jahresbeginn gesunken. Das ist weniger als die Hälfte des Vorjahreswertes von 0,93 Prozent. Aber es ist ein Mittelwert, der wenig darüber aussagt, wie es um die Rendite bei einzelnen Anbietern bestellt ist. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Mehr und klarer denn je.

          Bild: F.A.Z.

          Dabei kommt es besonders auf die Kosten an. Die Versicherer sind alles andere als gleich aufgestellt. Viele gönnen sich teure Vertriebe, manche sogar Strukturvertriebe, mit denen sie dann auch durch die Welt reisen, einige haben teure Verwaltungen, wieder andere schlechte Strukturen, und manche haben das alles nicht: Sie arbeiten ohne Vertriebe oder mit knapp kalkulierten Provisionen, sie sind straff durchorganisiert und haben sich seit Jahren darauf eingestellt, die Kosten niedrig zu halten. Genau das zahlt sich in einer Niedrigzinsphase aus. Durchschnittlich kamen die deutschen Lebensversicherer 2013 auf Vertriebs- und Verwaltungskosten in Höhe von 10,8 Prozent der Beiträge. Im Schnitt. Tatsächlich lag die Spanne zwischen drei Prozent bei sehr kostengünstigen Anbietern wie der Cosmos Lebensversicherung und über 24 Prozent bei der Targo Lebensversicherung, um nur einen der teuren Anbieter zu nennen.

          Es macht aber einen gewaltigen Unterschied aus, ob von 100 Euro Versicherungsbeitrag drei oder 24 Euro für die Kosten draufgehen. Die 21 von 100 Euro als Differenz, oder die 210 Millionen von einer Milliarde Euro als Differenz, um die Größenordnung eines mittleren Lebensversicherers ins Spiel zu bringen, fehlen am Jahresende den Teuren für die Überschussbeteiligung der Versicherten. Und das, was bei den einen, den Kostengünstigen, die Rendite der Rentenpolice erst möglich macht, sorgt bei den Verschwendern zusammen mit den Niedrigzinsen dafür, dass der Vertrag je nach Laufzeit nicht oder viel zu spät aus den roten Zahlen kommt.

          Deshalb ist es heute entscheidend, bei einem Vertragsabschluss die Kostenquoten der Anbieter zu kennen. Das Problem dabei: Die meisten Übersichten, die die Öffentlichkeit zu Gesicht bekommt, sind nicht vollständig. Nur zu häufig fehlen gerade die Anbieter, die es nicht schätzen, wenn ihnen unabhängige Analysten in die Bücher gucken. Morgen & Morgen beispielsweise erschreckte die Branche mit Aussagen auf der Basis von weniger als 40 Anbietern. Ein vollständiges Bild der 93 unter Bundesaufsicht stehenden Lebensversicherer zeichnet allein die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Ihre Zahlen sind etwas altbacken und spiegeln die Bestandsstruktur nur unzureichend wider, die Richtung aber stimmt besonders mit Blick auf den Verwaltungsaufwand: Wer hier in den Übersichten der Bafin viel zu hohe Kosten ausweist, der hat sie auch. Und der hat erhebliche Probleme mit der Rendite seiner Sparverträge. In der Regel. In Einzelfällen kann das durchaus einmal anders aussehen, wenn sich eine Gesellschaft wie Targo Leben die hohen Kosten nicht quer durch alle Tarife, sondern nur bei Verträgen gönnt, bei denen die Versicherten, wie in der Restschuldversicherung, nicht nach der Rendite fragen. Aber das sind Einzelfälle.

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