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Vermögensfrage : Windkraftanlagen geben keinen Anlass zu Jubelstürmen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Ob in Biogas, Solaranlagen oder Windkraft: Ökologische Investitionen sind in Mode. Doch in ihren Musterrechnungen stellen die Anbieter „grüner“ Anlagen nicht selten fragwürdige Prognosen auf, deren Renditen oft nur heiße Luft sind.

          Der Markt der Beteiligungen besteht seit Jahren aus zwei Blöcken. Das sind auf der einen Seite die Immobilien und auf der anderen Seite die Mobilien. Bei den beweglichen Wirtschaftsgütern waren Schiffe in der Vergangenheit einsamer Spitzenreiter. Sie erfreuten sich in erster Linie bei vermögenden Anlegern größter Beliebtheit, weil die Erträge weitgehend steuerfrei bleiben. Die goldenen Zeiten der Schiffe scheinen Geschichte zu sein, weil die Wirtschaftskrise den Frachtschiffen das Wasser abgegraben hat.

          Heute sind „grüne“ Anlagen in Mode. Biogas, Solaranlagen und Windkraftwerke werfen in der Regel nicht so hohe Erträge wie die Schiffe ab. Doch das Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, ist vielen Privatleuten manchen Minderertrag wert. Trotzdem gilt auch bei ökologischen Investitionen die Devise, dass sich die Anlagen zu rechnen haben. Wie hoch die Renditen dieser Geschäfte sind, bleibt in vielen Fällen aber im Dunkeln, weil die Initiatoren dieselben Fehler machen wie ihre Kollegen von der etablierten Zunft. Sie werfen Zahlen in die Runde, die mit Renditen wenig zu tun haben. Daher besteht die Gefahr, dass große und kleine Investoren auf der Suche nach umweltverträglichen Anlagen auf finanzielle Abwege geraten.

          Was nach zwei Jahrzehnten übrig bleibt, steht in den Sternen

          Windkraftwerke werfen in aller Regel einen Ertrag von zehn bis elf Jahresmieten ab. Davon bleiben dem Anleger nach Abzug der üblichen Kosten und Spesen etwa acht bis neun Jahresmieten. Ein schwäbischer Initiator bietet im Augenblick in Sachsen einige Windkrafträder an. Eine komplette Anlage kostet 5,2 Millionen Euro. Der Bruttoertrag wird mit 585.000 Euro angegeben. Die jährlichen Nettopacht liegt bei 425.000 Euro. Die Investition wird mit einem Darlehen von 3,9 Millionen Euro verknüpft, doch bei nüchterner Betrachtung der Dinge haben Kredite bei der Beurteilung, wie rentabel Anlagen sind, nichts zu suchen.

          Bild: F.A.Z.

          Im vorliegenden Fall geht es um eine Anlage, die effektiv 100.000 Euro kostet, wenn sich 52 Anleger die Sache teilen. Dafür winken jedem Anleger über zwei Jahrzehnte hinweg Erträge von 8000 Euro je Jahr, da der Strom nach dem Gesetz über die erneuerbaren Energien (EEG) erstens solange und zweitens so hoch absetzbar ist. Was danach kommt, steht in den Sternen. Die Geschichte muss nicht zu Ende sein, doch sie kann es sein, so dass nüchterne Kaufleute unterstellen, dass weitere Zahlungen ausbleiben und die Anlage trotz des Hinweises, keinem oder nur mäßigem Verschleiß zu unterliegen, eben doch nichts mehr wert sein wird.

          Restwerte von 20 oder 30 Prozent sind blanke Utopie

          Die Gegenüberstellung der eingesetzten 100.000 Euro und der 20 Rückflüsse von jeweils 8000 Euro bedeuten, wie in der Tabelle deutlich wird, auf keinen Fall eine jährliche Verzinsung von 8 Prozent. Der hohe Wert würde nur dann gelten, wenn dem Anleger nach 20 Jahren die anfänglichen 100.000 Euro erstattet werden würden. Dies wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein. Maschinen sind nach 20 Jahren in der Regel keinen Cent mehr wert, weil sie abgenutzt sind. Folglich sind Restwerte von 20 oder 30 Prozent, die in Modellrechnungen auftauchen, blanke Utopie und lenken von der Wirklichkeit ab.

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