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Vermögensfrage Umstieg auf Tilgungskredite ist teuer

31.01.2009 ·  Die Kündigung von Kapitalversicherungen und die Umstellung der Kreditverträge von Festdarlehen auf Tilgungskredite führt zu hohen Kosten und lohnt sich in der Regel nicht. Die Sicherheit des Geldes ist schwer messbar - und eine Bauchentscheidung.

Von Volker Looman
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Die deutschen Lebensversicherer haben sich in den letzten Monaten wacker geschlagen. Weder meldeten die Gesellschaften hohe Verluste, noch gab es Rufe nach staatlicher Hilfe. Die Unternehmen haben nach dem „Stresstest“ vor Wochen angekündigt, ihre momentane Verzinsung von ungefähr 4 bis 4,5 Prozent pro Jahr zu halten. Trotzdem misstrauen viele Anleger und Sparer diesen Prognosen. Sie haben die Sorge, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die ersten Bomben explodieren, und sie fragen sich, was mit ihrem Geld passieren soll.

Davon sind nicht nur die klassischen Sparer, sondern auch die Anleger betroffen, die ihre Kredite mit Hilfe von Versicherungen tilgen wollen. Sie fürchten nicht zum ersten Mal, dass die Ablaufleistungen nicht ausreichen werden, um die Verbindlichkeiten zu tilgen, und die Zweifel sind berechtigt.

Werden die Zinsen der Versicherung sinken?

Die Versicherungen sitzen auf Milliarden von Anleihen, deren Erträge unter 4 Prozent liegen. Wenn die Zinsen auf diesem Niveau verharren, wird es in der Tat nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Ablaufleistungen sinken. Die Chancen und Risiken werden in folgendem Fall deutlich.

Ein Unternehmer ist 50 Jahre alt und steht bei seiner Hausbank mit 500 000 Euro in der Kreide. Mit dem Geld ist vor zehn Jahren der Bau eines Gebäudes finanziert worden, das der Anleger im Privatvermögen hält und an seine Firma vermietet. Damals einigten sich die Bank und der Unternehmer darauf, dass für den Kredit nur Zinsen bezahlt werden. Die Tilgung wird in einer Kapitalversicherung angespart. Die Police endet in fünf Jahren, und bei Fälligkeit soll der Kredit auf einen Schlag getilgt werden.

Finanzierungen dieser Art sind ein alter Hut, weil die Zinsdifferenz zwischen den abzugsfähigen Sollzinsen des Kredites und den steuerfreien Habenzinsen der Versicherung für jeden Anleger, der gut verdient, ein lukratives Steuersparmodell waren und sind.

Der Unternehmer grübelt seit Wochen darüber, ob das Modell noch richtig ist oder ob es nicht sinnvoller ist, die Finanzierung umzustellen. Auslöser der Überlegungen sind die Befürchtung, dass die Zinsen der Versicherung in den nächsten Monaten sinken werden, und die Sorge, dass die Anlagen gar nicht so sicher sind, wie die Gesellschaft immer wieder beteuert.

Hinzu kommt die Tatsache, dass der Unternehmer längst nicht mehr so viel verdient wie noch vor Jahren, so dass auch die Steuern gesunken sind. Vor diesem Hintergrund stellt sich tatsächlich die Frage, was zu tun ist, doch bevor das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird, sollte erst einmal in aller Ruhe die bestehende Kombination unter die Lupe genommen werden.

Viele Faktoren zu berücksichtigen

Der Kredit steht bei 500.000 Euro. Dafür sind jedes Jahr genau 4 Prozent Zinsen zu bezahlen, und die Vereinbarung gilt noch fünf Jahre. Die Zinsen sind jeweils am Ende des Quartals fällig, so dass noch 20 Raten à 5.000 Euro offen sind. Parallel dazu läuft die Versicherung. Der Rückkaufswert liegt bei 300.000 Euro.

Die Police besteht wie der Kreditvertrag noch fünf Jahre, und in dieser Zeit werden fünf Jahresprämien à 25.000 Euro fällig sein. Der Kredit kostet effektiv 4,06 Prozent pro Jahr, und die Police bringt 3,73 Prozent je Jahr, so dass in der Tat die Frage zu stellen ist, ob sich das noch lohnt.

Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst ist die Frage der Sicherheit zu prüfen. Der Kredit ist, da bestehen keine Zweifel, eine sichere Anlage. Die Restschuld wird wegen der fehlenden Tilgung nicht sinken. Im Vergleich dazu ist die Versicherung eine unsichere Anlage. Die Ablaufleistung kann 500.000 Euro betragen, doch es gibt keine Garantie dafür, dass am Ende tatsächlich eine halbe Million herauskommen wird.

Dann muss die Steuer berücksichtigt werden. Die Sollzinsen sind steuerlich Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung, die Habenzinsen sind lastenfreie Einnahmen, weil die Versicherung bereits zehn Jahre besteht.

Das führt bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 100.000 Euro zu Ergebnissen von 2,26 und 3,73 Prozent nach Abgaben. Unter Berücksichtigung der Steuervorteile sinken die Kosten der Kombination auf minus 4,61 Prozent, weil der Saldo der Aufwendungen kleiner als die effektive Restschuld von 200.000 Euro ist.

Umbau der Finanzierung mit erheblichen Aufwendungen verbunden

Das günstige Ergebnis ist für den Unternehmer kaum Anlass, an den bestehenden Verträgen zu rütteln. Das wird bei nüchterner Analyse der Alternativen deutlich. Es ist zum einen denkbar, die Versicherung zu kündigen, den Kredit um 300.000 Euro zu senken und die Restschuld von 200.000 Euro in den nächsten Jahren auf direktem Wege zu tilgen. Genauso ist es aber auch möglich, den Kredit stehenzulassen und den Rückkaufswert und die künftigen Prämien in Geldanlagen zu stecken, die im Vergleich zu der Versicherung mehr Sicherheit versprechen.

In beiden Fällen ist der Umbau der Finanzierung jedoch mit erheblichen Aufwendungen verbunden, so dass die Umstellung in jedem Fall gut überlegt sein will.

Der Rückkauf der Versicherungspolice führt zu Steuern, und die Umstellung der Hypothek kostet Geld. Im ersten Fall wird die Differenz der eingezahlten Prämien (250.000 Euro) und des aktuellen Guthabens (300.000 Euro) der persönlichen Besteuerung unterworfen, weil der Vertrag die Mindestlaufzeit von zwölf Jahre unterschreitet. Folglich ist mit Abgaben von 20.000 Euro zu rechnen.

Hinzu kommt die Entschädigung für die Sondertilgung und die Umstellung auf die laufende Tilgung der restlichen 200.000 Euro. Hier werden Kosten von etwa 10 000 Euro anfallen, so dass der Anleger mit insgesamt 30.000 Euro zur Kasse gebeten wird, um von „Unsicherheit“ auf „Sicherheit“ umsteigen zu dürfen.

Es gibt keine „sichere“ Bank

Die Gegenleistung ist die risikofreie Tilgung der verbleibenden 200.000 Euro. Die Zinsen sind weiterhin als Werbungskosten absetzbar, doch die Steuervorteile sind kaum der Rede wert, weil die Zinsen durch die hohe Tilgung zügig sinken. Kostenmäßig liegt die erste Alternative nach Steuern bei 7,93 Prozent, und das ist im Vergleich zu der bestehenden Kombination ein Nachteil von ungefähr 51.000 Euro.

Ähnlich hoch sind die Einbußen bei der zweiten Alternative. Hier bleibt der Festkredit von 500.000 Euro stehen, so dass keine Entschädigung anfällt. Der Rückkauf der Lebensversicherung löst jedoch weiterhin Steuern von 20.000 Euro aus, und die Wiederanlage des Kapitals ist - im Vergleich zu der Police - ebenfalls mit Nachteilen verbunden. Dem Anleger schwebt vor, die 300.000 Euro und die fünf Sparraten von jeweils 25.000 Euro bei mehreren Banken in Sparpläne zu stecken, um die Risiken zu minimieren.

Das sieht auf den ersten Blick gut aus, doch auf den zweiten Blick stechen zwei Dinge ins Auge: Es gibt keine „sichere“ Bank, und der Zins für solche Anlagen bewegt sich im Augenblick bei 3 Prozent je Jahr.

Das heißt in Zahlen, dass die Verzinsung durch die Abgeltungsteuer, die in Deutschland seit dem 1. Januar 2009 gilt, nur noch 2,20875 Prozent beträgt. Damit sind die Steuern abgegolten und damit vom Tisch, doch die Raten von 25.000 Euro reichen nicht aus, um in fünf Jahren auf eine Ablaufleistung von 500.000 Euro zu kommen. Notwendig sind 30 963 Euro, so dass deutlich wird, wie heikel die Umstellung ist.

Die zweite Alternative kostet unter dem Strich jährlich 8,1 Prozent nach Steuern, und das ist im Vergleich zur bestehenden Finanzierung ein Minus von 48.000 Euro.

Entscheidung aus dem Bauch heraus

Der Unterschied der beiden Alternativen liegt bei 3.000 Euro. Das sind die berühmten Erdnüsse im Vergleich zu dem großen Schaden, so dass es in diesem Fallbeispiel für den Unternehmer weniger um die Frage geht, welche Alternative günstiger ist, sondern die Überlegung in den Mittelpunkt gerückt werden muss, ob der Umstieg sinnvoll ist oder nicht.

Hier spielt bei der Versicherung das Risiko sinkender Habenzinsen nur eine untergeordnete Rolle. Letztlich geht es nur um die Frage, wie sicher das Geld angelegt ist. Hier wird jeder Investor aber an Grenzen stoßen, weil die Anlagen der Gesellschaften schwarze Kisten bleiben.

Die Unternehmen geben keine Detailauskünfte über ihre Anlagen, so dass die Entscheidung über die Sicherheit des Geldes, so unbefriedigend sie auch sein mag, aus dem Bauch heraus getroffen werden muss!

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z.
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