03.04.2010 · Verwaltungsgebühren und Geldentwertung sind Hürden für den Aufbau einer privaten Altersversorgung. Umso später Sparer beginnen, umso mehr wird indes die Zeit selbst zum entscheidenden Faktor: Denn wer heute fünfzig Jahre alt ist, darf damit rechnen, noch 35 bis 40 Jahre zu leben.
Von Volker LoomanDie private Altersvorsorge ist in Zeiten geringer Zinsen und hoher Inflationsgefahr eine Rechnung mit großen Zahlen. Das gilt in erster Linie für Freiberufler und Unternehmer, die etwa 50 Jahre oder mehr auf dem Buckel haben. Sie haben Firmen, Kanzleien und Praxen aufgebaut. Sie haben außerdem Eigenheime gebaut und in der Regel entschuldet. Jetzt sind die Kinder in der Ausbildung. In dieser Situation liegt es häufig in der Natur der Sache, dass für den Aufbau freier Mittel, die im Ruhestand auch wieder verzehrt werden können, bisher kaum oder nur wenig Geld übrig geblieben ist. Für die Bildung solcher Rücklagen wird es nun freilich höchste Zeit – falls diese Selbständigen jetzt nicht die Altersvorsorge, sondern den Konsum ankurbeln, kann es im Ruhestand lange Gesichter geben. Das wird in folgenden Zahlen deutlich.
Wer heute fünfzig Jahre alt ist, darf oder sollte damit rechnen, noch 35 bis 40 Jahre zu leben. Wird die längere Variante ins Auge gefasst und soll ferner ab dem fünfundsechzigsten Geburtstag eine Monatsrente von 5000 Euro zur Verfügung stehen, sind dafür in der Summe genau 1,5 Millionen Euro notwendig. Das müssen sogar Anwälte, von Hause aus mit den Grundrechenarten eher auf Kriegsfuß stehend, zweifelsfrei anerkennen. Das ist „saumäßig“ viel Geld, wie der Schwabe zu sagen pflegt. Wenn in diesem Zusammenhang eine Inflation droht, wird die Sache heftig. Denn bei einer jährlichen Geldentwertung von drei Prozent steigt die Summe der Renten – und das ist kein Aprilscherz – auf stolze 3,4 Millionen Euro, so dass auch Friesen, von Natur aus eher ruhige Zeitgenossen, zur Abwechslung mal richtig in Wallung geraten können.
Nur Arbeiten und Sparen hilft
Mit Hilfe von Zinsen und Zinseszinsen wird die Geschichte zwar erträglicher. Trotzdem geht sie ins Geld beziehungsweise unter die Haut. Bei einem angenommenen Anlagezins von drei Prozent pro Jahr und ohne Inflation werden in 15 Jahren etwa 1,062 Millionen Euro benötigt, und bei einer Geldentwertung von drei Prozent werden es ungefähr 2,306 Millionen Euro sein. Folglich kostet der Schwund der Rente satte 1,244 Millionen Euro, so dass es kein Wunder ist, wenn sich Fatalisten mit Wilhelm Busch verbünden: Weil es ist ein Brauch von altersher – wo Sorgen sind, ist auch Likör.
Alkohol ist für den Aufbau der Altersversorgung freilich keine Lösung. Da helfen nur trockene(re) Dinge wie Arbeiten und Sparen. Anleger haben nach ihrem fünfzigsten Geburtstag noch 10 bis 15 Arbeitsjahre vor sich. Bei einer unterstellten Spardauer von 15 Jahren, einem jährlichen Geldanlagezins von drei Prozent nach Steuern und ohne Inflation sind 180 Raten je 4700 Euro nötig, um die Euro-Million zu erreichen. Bei einem Ziel von 2,3 Millionen Euro sind es 180 Raten zu je 8300 Euro, die jedes Jahr um drei Prozent steigen. Die Zahlen sind ohne Zweifel harte Kost, doch wer diese Rente wünscht, muss die Folgen tragen. Sonst gibt es nur die üblichen und nicht immer ganz ernst gemeinten Alternativen: Lebenszeit verkürzen, Anlagezins erhöhen oder Ansprüche senken. Wer die Raten auf den Tisch legen kann, wird die Frage stellen: Wie werden 5000 Euro in dieser Zeit am besten angelegt? Die Antwort ist lapidar und simpel: So wie auch in der Vergangenheit, weil es an der Geldfront nichts Neues gibt. Sparen ist Sparen, Kosten sind Kosten, Risiko ist Risiko, folglich gilt im Umkehrschluss: An der Notwendigkeit des Sparens führt kein Weg vorbei, die Kosten sind hoch, falls die Anleger nicht aufpassen, und beim Risiko sollte die Kirche im Dorf stehen bleiben. Wer auf Zinsen nach Steuern von mehr als drei Prozent hofft, setzt sich der Gefahr aus, dass aus seinem Kapitalstock ein Trümmerhaufen wird.
Hohe Renditen - hohe Risiken
Ein einfacher Plan für den Aufbau der Altersversorgung ist die Fünftelung der monatlichen Sparraten. Im vorliegenden Fall werden jeweils 1000 Euro in eine Basisrente, eine Rentenpolice, einen Rentenfonds, einen Immobilienfonds und einen Aktienfonds gesteckt. Der Weg ist wenig spektakulär, doch er bietet eine gewisse Sicherheit, das Ziel auch zu erreichen, weil 60 Prozent in Anleihen und jeweils 20 Prozent in Immobilien und Aktien investiert werden. Die Basisrente ist ein flottes Steuersparmodell. Die Rürup-Rente und die Rentenpolice sorgen im Alter für eine lebenslange Grundversorgung, weil in beiden Verträgen das Kapital in Form laufender Bezüge zurückfließt. Der Rest steht als Einmalkapital zur Verfügung, muss aber im Laufe der Zeit verzehrt werden.
Mit der Verteilung der Sparraten auf fünf Töpfe wachsen die Bäume zwar nicht in den Himmel. Die Rendite des Paketes beträgt 3,6 Prozent nach Steuern, wenn die Anleihen jährlich 3,5 Prozent, die Immobilien jährlich 5 und die Aktien jährlich 6,5 Prozent abwerfen. Bevor sich die Anleger aber nach Sparformen umsehen, die angeblich mehr abwerfen, sollten sie einen Blick auf deren Kosten werfen. Da ist in der Regel mehr als mit höheren Zinsen zu holen. Die 180 Raten von jeweils 5000 Euro ergeben in der Summe genau 900.000 Euro. Bei Aufschlägen, Gebühren und Provisionen von 5 Prozent, die bei Investmentfonds und Versicherungen an der Tagesordnung sind, kommen Beträge von 45.000 Euro zusammen. Kostet die jährliche Verwaltung zusätzlich 100 Basispunkte, werden die Verträge mit 102.000 Euro belastet. Daher gilt auch bei der Anlage vergleichsweise kleiner Beträge das Motto, dass Augenmaß und Umsicht vier Fünftel des Erfolges ausmachen.
Höhere Renditen lassen sich auch mit Sparverträgen nur mit Hilfe höherer Risiken erzielen. Die fünf verschiedenen Anlagen können zum Beispiel auf drei Verträge eingedampft werden. Jeweils ein Drittel geht in Anleihen, Immobilien und Aktien. Hinter den Anleihen steckt eine Basisrente, hinter den Immobilien verbergen sich zwei Immobilien, die auf Pump gekauft werden, und der dritte Teil fließt in Aktien. Auf diese Weise können unter dem Strich jährlich 5,3 Prozent herauskommen. Das sind rund 129.000 Euro mehr als bei der ersten Lösung. Nur müssen sich Anleger, die solche Wege einschlagen, eben über die Gefahren bewusst sein. Die größte Gefahr dieses Modells ist das Einkommen des Sparers. Wenn es bis zum Ruhestand jedes Jahr mindestens 250.000 Euro beträgt, sind die Steuervorteile der Basisrente sicher. Dann winken auch die Vergünstigungen bei der Vermietung der Immobilie. Genauso können die Kredite getilgt werden.
Sollte das Einkommen freilich sinken, kann das Gebäude schnell ins Wanken geraten, weil die Steuervorteile zurückgehen und die Kreditraten zu einer Belastung werden. Sollte es dann auch noch zu Problemen bei der Miete oder an der Börse kommen, ist der Einsturz des Gebäudes nur noch eine Frage der Zeit. Da hilft dann, um Wilhelm Busch noch einmal zu bemühen, wahrscheinlich doch nur noch Likör!
Zielgruppe
Thomas Ahrens (Navigator-57)
- 03.04.2010, 20:45 Uhr
Luxus ist oft maslose Verschwendung!
Henrico Roberto (henmrob)
- 03.04.2010, 21:39 Uhr
Vielleicht etwas zu lebensfern
Moritz Liedtke (Folko)
- 03.04.2010, 22:49 Uhr
Im Ansatz richtig
Thomas Mank (tgamank)
- 04.04.2010, 02:10 Uhr
Her mit dem Likör
ananda von Cox (tom10cat)
- 04.04.2010, 02:15 Uhr