21.08.2010 · Viele Anleger drücken sich vor der Altersvorsorge. Denn Vermittlerprovisionen und Verwaltungskosten zehren an den Erträgen, die mit Sparplänen erzielt werden. Mit Indexfonds aber lässt sich Geld sparen.
Von Volker Looman, ReutlingenDer richtige Aufbau des Vermögens hängt in starkem Maße von den Zielen der Anleger ab. Wer in jungen Jahren vom eigenen Dach über dem Kopf träumt, ist gut beraten, auf kurze und sichere Sparverträge zu setzen. Sie werden vor dem Bau oder Kauf des Eigenheims aufgelöst, um den Kredit so gering wie möglich zu halten. Folglich passen Sparverträge wie die Basisrente, die Leibrente oder die Riesterrente nicht ins Konzept. Anders sieht die Situation aus, wenn sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass das Eigenheim – egal aus welchen Gründen – doch kein Thema ist. Jetzt wird der Vermögensaufbau auf die private Altersvorsorge ausgerichtet.
Nun sind langfristige Sparverträge von größter Wichtigkeit. Sie müssen auf der einen Seite rentabel und sicher sein. Und sie müssen auf der anderen Seite dem Anleger gewisse Freiheiten erlauben, die Sparraten den Gegebenheiten des Lebens anzupassen. Damit bleiben die Riesterrente und die Rürup-Versorgung heikle Verträge. Wegen der staatlichen Förderung, hier Zulagen, dort Steuervorteile, sind beide Anlagen lebenslange Knebelverträge. Zuerst wird gespart, dann wird vom Amts wegen verrentet. Das Kapital im Alter steht nur in Form monatlicher Renten zur Verfügung. Das ist vielen Anlegern nicht bewusst. Daher müssen sich die jungen Anleger, die sich Gedanken über ihre Altersvorsorge machen, vor allem mit der Grundsatzfrage beschäftigen, wie frei sie in finanzieller Hinsicht durchs Leben gehen wollen.
Ein 35 Jahre alter Mann hat mit seiner Frau zwei Kinder. Er verdient zur Zeit brutto 5000 Euro im Monat. Davon bleiben nach Abzug der Lohnsteuer und der Sozialabgaben rund 3300 Euro übrig. Das ist nicht schlecht, doch das eigene Haus haben sich die Eheleute aus dem Kopf geschlagen. Sie haben zwar durch Geschenke und Sparverträge rund 50.000 Euro auf der hohen Kante, doch damit können in der Großstadt, in welcher die Familie lebt, keine Bäume ausgerissen werden.
Die Aufnahme eines Kredites von 250.000 Euro würde der Familie zu einem kleinen Reihenhäuschen verhelfen, das 100 Quadratmeter groß ist. Gleichzeitig wären die Eheleute aber auch 44 Jahre lang Sklaven ihrer Hausbank, weil die Rückzahlung der Schulden bei Monatsraten von 1000 Euro eben dauert. Dazu haben die Anleger aber keine Lust. Genauso wenig sind sie bereit, für eine Laufzeit von 20 Jahren monatliche Raten von 1500 Euro auf den Tisch zu legen, weil ihnen Kreditraten in Höhe von 45 Prozent des Nettoeinkommens zu hoch sind.
Kleine Auswahl an Möglichkeiten - ein Segen
Folglich bleibt es beim heutigen Status. Die Familie lebt in einer Mietwohnung, und die Eltern wollen in den nächsten Jahren etwa ein Zehntel ihres Nettoeinkommens, das sind ungefähr 300 Euro, in den Aufbau der Altersvorsorge stecken. Riester ist bekannt, auch Rürup ist kein böhmisches Dorf, doch die Familie will frei bleiben. Sie sind Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung, und es winken im Alter kleine Betriebsrenten. Das ist den Eltern genug Zwang, so dass sie wenigstens bei der Anlage ihrer Sparraten frei sein wollen.
Wer die Wünsche – kein Eigenheim, keine geförderte Altersvorsorge – so klar benennen kann, ist schon weit gekommen. Nun ist ihm in der Regel auch bewusst, dass nicht viele Sparverträge zur Verfügung stehen. Was auf den ersten Blick jedoch wie ein Mangel aussieht, ist auf den zweiten Blick aber ein Segen. Der Weizen hat sich von der Spreu getrennt. Es kommen nur Anleihen, Immobilien und Aktien in Frage. Konkret stellt sich die Frage, ob fondsgebundene Kapitalversicherungen oder selbstgestrickte Sparpläne die bessere Lösung sind. Dazu ist ein Blick hinter die Kulissen notwendig.
Kleingedrucktes verdient große Aufmerksamkeit
Die fondsgebundenen Kapitalversicherungen sind Sparverträge, bei denen die monatlichen Sparraten in Anleihen und Aktien fließen. Die Anleger können in der Regel aus einem großen Angebot wählen, was ihnen schmeckt. Unter dem Strich gibt es aber Anleihen und Aktien. Außerdem gibt es in den Angeboten, welche die Verkäufer und Vermittler den Sparern vor Abschluss der Verträge vorlegen müssen, viele kleingedruckte Passagen, die große Aufmerksamkeit verlangen, weil es um Gebühren und Kosten geht, und damit um viel Geld.
In den fondsgebundenen Kapitalversicherungen fallen Abschlusskosten und Verwaltungsgebühren an. Die Abschlusskosten sind die Entlohnung des Vertriebs und liegen in der Regel bei 4 Prozent. Das heißt in Zahlen, dass von dem Startkapital (50.000 Euro) und den Monatsraten (300 Euro) stets 4 Prozent abgezogen werden. Da kommen im Laufe von 30 Jahren insgesamt 6320 Euro zusammen. Die Verwaltungsgebühr beträgt bei Mischfonds, die das Kapital in Anleihen und Aktien anlegen, jährlich 1,5 Prozent des Vermögens und wird dem Depot entnommen.
Das Finanzamt fordert Tribut
Die Zahlen führen im vorliegenden Fall zu einem Sparplan, der aus einer Startzahlung von 50.000 Euro und 360 Monatsraten à 300 Euro besteht. Davon fließen aber nur 48.000 Euro und 360 mal 288 Euro in den Spartopf. Wenn sich Anleihen mit 3 Prozent und Aktien mit 6 Prozent rentieren, kommt unter dem Strich eine Rendite von 5 Prozent im Jahr heraus. Davon sind die jährlichen Verwaltungsgebühren von 1,5 Prozent abzuziehen, so dass die Verzinsung auf 3,5 Prozent im Jahr sinkt. Das führt nach 30 Jahren zu einem Endguthaben von 316.000 Euro.
Das ist freilich noch nicht die letzte Zahl. In 30 Jahren wird sich das Finanzamt zu Wort melden und Tribut fordern. Die Hälfte der Erträge wird der persönlichen Besteuerung zu unterwerfen sein. Einbezahlt werden 152.000 Euro. Hieraus werden 316.000 Euro. Die Differenz ist zur Hälfte steuerpflichtig. Das sind 82.000 Euro, und bei einem Steuersatz von 35 Prozent werden die Abgaben bei 30.000 Euro liegen. Folglich bleiben am Ende der Veranstaltung rund 286.000 Euro übrig. Das ist nach Kosten und Steuern eine Verzinsung von 2,86 Prozent im Jahr.
Kaum möglich, besser als der Markt zu sein
Das Ergebnis wird keinen Menschen vom Hocker reißen. Vor dem Hintergrund, dass die Inflation in Zukunft bei 2 bis 3 Prozent liegen wird, sollte auch Optimisten klar werden, was die Stunde geschlagen hat: Ordentlicher Lohn, hohe Abgaben, kein eigenes Heim, mittlere Sparraten, stramme Gebühren, keine Sicherheit, schleichende Geldentwertung. Es ist daher kein Wunder, dass sich viele Anleger vor der Altersvorsorge drücken.
Die Alternativen sind jedoch bescheiden. Sowohl am Sparen als auch an Anleihen und Aktien führt kein Weg vorbei. Spielraum gibt es nur bei den Tüten, in denen die Früchte nach Hause getragen werden. Es muss keine Fondspolice sein, und es sind auch keine Investmentfonds mit aktiver Verwaltung notwendig. Kenner der Szene wissen seit Jahren, dass Vermögensverwalter viel Staub aufwirbeln, wenn es um Prozente und Promille geht. Nur wird diskret verschwiegen, dass es über einen Zeitraum von 30 Jahren kaum möglich ist, besser als der Markt abzuschneiden.
Geld ist Geld
Daher gibt es für alle Anleger, welche die Wirklichkeit akzeptieren, wie sie ist, nur eine Alternative: Sie wählen zwei Indexfonds aus und schwimmen mit der Masse mit. Auf diese Weise wird die Rendite mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls 5 Prozent betragen. Davon gehen Verwaltungskosten von höchstens 0,25 Prozent ab. Außerdem fällt die Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent an, und die Überweisung des Geldes in die Fondstöpfe kostet fünf Euro je Sparrate. Dadurch bleiben unter dem Strich etwa 3,5 Prozent übrig.
Die Einsparungen steigern das Guthaben in 30 Jahren auf 325.000 Euro. Das sind 39.000 Euro mehr als bei der Fondspolice. Sie entsprechen einem Gegenwert von 14.000 Euro. Das ist nicht die Welt, aber Geld ist Geld. Und warum soll das Kapital in Fondspolicen fließen, wenn die Aussichten gering sind, dass am Ende mehr herausspringen wird?
Die Verkäufer der Fondspolicen werden, das ist ihr gutes Recht, mit Nachdruck darauf hinweisen, dass die aktiven Fondsmanager bessere Ergebnisse abliefern werden als die passiven Verwalter. Die Verbraucher sollten, auch sie haben Rechte, die Verheißungen mit gewisser Skepsis betrachten. In der Vergangenheit hat es nur selten geklappt, und in Zukunft sind die Aussichten nicht besser.
Nachzutragen ist,
Gerhard Gehringer (ggehringer)
- 21.08.2010, 21:18 Uhr
Kein entweder oder, sondern..
Thomas Bleisteiner (sandfloh)
- 22.08.2010, 01:51 Uhr
Ich weiß nicht ...
Sabine Mersmann (Sabine2772)
- 22.08.2010, 19:11 Uhr
Ich gehöre nicht mehr dazu,
Uwe Bussenius (uwebus)
- 22.08.2010, 20:00 Uhr
Der Baufehler
Andreas Seidl (ASeidl)
- 23.08.2010, 11:30 Uhr