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Vermögensfrage Eigenheim und Vorsorge gehören zusammen

 ·  Träume kosten Geld. Junge Menschen stehen bei der Wahl der richtigen Reihenfolge ihres Vermögensaufbaus oft vor Problemen. Dabei gilt es Finanzpläne abzuwägen und geschickt zu planen.

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Der Aufbau des Vermögens ist für junge Leute kein Pappenstiel. Das gilt vor allem in Haushalten, in denen die ersten Aufgaben erledigt worden sind. Wenn nach dem Einstieg ins Berufsleben die wichtigen Versicherungen unter Dach und Fach sind, eine ausreichende Rücklage gebildet worden ist und Auto und Wohnungseinrichtung bar bezahlt worden sind, geht es zur Sache:

Jetzt sind die ganz großen Brocken an der Reihe, nun rücken das Eigenheim und die Altersvorsorge in den Mittelpunkt. Die beiden Aufgaben sind die zentralen Themen des Vermögensaufbaus. Und seit Generationen stellen sich dieselben Fragen. Wie sollen die Aufgaben gemeistert werden? Zuerst das Eigenheim, dann die Altersvorsorge? Oder sollen die Dinge parallel angepackt werden? Hier gibt es einen Königsweg, und die Ursachen werden in folgendem Beispiel deutlich.

Träume verwirklichen

Ein junges Ehepaar bringt es in der Summe auf 57 Jahre. Er ist 30 Jahre alt und Diplom-Kaufmann. Sie ist 27 Jahre jung und Redakteurin. Die beiden Akademiker stammen aus traditionellen Familien. Sie haben erfolgreiche Eltern und mehrere Geschwister, so dass der Lebensweg vorgezeichnet ist. Der Mann will nun Karriere machen. Die Frau möchte noch fünf Jahre voll arbeiten. Dann will sie Mutter werden. Das Ehepaar träumt von einem eigenen Haus, und im Alter sollte genügend Vermögen vorhanden sein, um den Ruhestand ohne Sorgen genießen zu können.

Die Wünsche sind nichts Ungewöhnliches. Nur stellt sich die Frage, wie die Dinge angepackt werden sollen. Dazu ist ein Blick auf die aktuellen Zahlen notwendig. Das Ehepaar hat noch kein Vermögen. Allerdings hat es auch keine Schulden, und es ist auch nicht geplant, sich etwas auf Pump zu kaufen. Das monatliche Einkommen des Mannes beträgt 4000 Euro, der monatliche Lohn der Frau liegt bei 3000 Euro. Beide sind angestellt, so dass Sozialabgaben und Steuern in üblicher Höhe abgehen. Bei ihm bleiben 2700 Euro übrig, bei ihr sind es 2100 Euro.

Ideen sammeln

Die Summe von 4800 Euro verteilt das Ehepaar in Gedanken auf drei Töpfe. Die Miete der Wohnung kostet 800 Euro. Für den Alltag möchten die jungen Leute etwa 2000 Euro ausgeben, halb ahnend, halb wissend, dass dieser Luxus nach der Geburt des ersten Kindes zu Ende sein wird. Folglich bleiben für den Aufbau des Vermögens rund 2000 Euro pro Monat übrig. Die beiden Herrschaften haben sich bei der Hausbank erste Informationen besorgt, und unter den Vorschlägen sind die üblichen Angebote: Bausparvertrag, Fondspolice, Rentenversicherung, Riestervertrag. Wie beim Eintopf ist von allem ein bisschen dabei, nur hat das Ehepaar keinen Appetit auf Eintopf. Wie sehen die Alternativen aus?

Das „restliche“ Berufsleben des Mannes wird nach Lage der Dinge etwa 35 Jahre dauern. Finanziell wird dieses Leben aus drei Abschnitten bestehen. In den nächsten fünf Jahren sollte Geld für das Eigenheim angesammelt werden. Danach muss für das Haus ein Kredit aufgenommen werden. Er sollte in den folgenden 15 Jahren getilgt werden. Anschließend kann in den letzten 15 Jahren freies Vermögen für die Altersvorsorge aufgebaut werden.

Sparen und Kredit aufnehmen

Das junge Ehepaar kann mit den Sparraten, das ist die einfachste Lösung, einfach diesem Weg folgen. Es spart in den nächsten 60 Monaten jeweils 2000 Euro auf einem Tagesgeldkonto an. Dafür gibt es zur Zeit etwa 1 Prozent an jährlicher Verzinsung, so dass nach fünf Jahren ungefähr 122 000 Euro in der Kasse sein werden. Der Betrag wird in fünf Jahren das Fundament für die Finanzierung des Hauses sein. Das Ehepaar wohnt am Rand einer Großstadt. Dort kosten Eigenheime mindestens 400 000 Euro. Folglich ist ein Kredit von 278 000 Euro notwendig.

Hypotheken in dieser Größenordnung kosten zur Zeit etwa 4 Prozent pro Jahr, wenn die Zinsen für 15 Jahre festgeschrieben werden. Sollte das in fünf Jahren immer noch der Fall sein, werden insgesamt 187 Raten à 2000 Euro notwendig sein, um die Schulden bis zum 50. Geburtstag des Mannes zu tilgen. Darauf kann zu gegebener Zeit angestoßen werden. Nur winkt in finanzieller Hinsicht keine Entspannung.

Projekt Altersvorsorge

Das nächste Projekt ist der Aufbau der „freien“ Altersvorsorge. Die restlichen 173 Monatsraten von jeweils 2000 Euro können zum Beispiel in Anleihen und Aktien investiert werden. Die Renditen dieser Anlagen stehen in den Sternen. Hier sind nur Mutmaßungen möglich. Wenn sich Anleihen mit jährlich 3 Prozent und Aktien jedes Jahr mit 6 Prozent verzinsen, winkt in der Summe ein Endguthaben von ungefähr 443 000 Euro. Es wird neben der gesetzlichen Rente und dem lastenfreien Eigenheim der dritte Pfeiler der Altersversorgung sein.

Bis dahin ist es aber, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ein langer und harter Weg. Bruttolöhne von 7000 Euro sind zwar stramme Beträge, doch wenn zwei Kinder und ein Haus auf dem Wunschzettel stehen, ist Gefahr in Verzug. Dem jungen Ehepaar wird in fünf Jahren heftiger Wind um die Ohren pfeifen. Für die Rückzahlung des Kredites werden 2000 Euro benötigt, und für die Lebenshaltung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit derselbe Betrag gebraucht, so dass mindestens 4000 Euro in die Kasse kommen müssen.

Lösungen finden

Das Problem kann auf dreierlei Art gelöst werden. Erstens: Das Ehepaar speckt bei dem Eigenheim ab. Zweitens: Die Mutter sorgt – Kinder hin, Kinder her – mit einem Halbtagsjob für ein Nettoeinkommen von wenigstens 1300 Euro. Drittens: Die Frau macht ihrem Mann so lange Beine, bis dessen Bruttoeinkommen auf 6000 bis 7000 Euro gestiegen sein wird. Die einzelnen Vorschläge mögen sich für Außenstehende „lustig“ anhören, doch wer hinter die Kulissen privater Haushalte schaut, wird schnell merken, dass der Vermögensaufbau im oberen Mittelstand nach diesem Strickmuster abläuft.

Im Vergleich dazu sind alternative Sparkonzepte kaum der Rede wert. Das Ehepaar kann das Eigenheim und die Altersvorsorge parallel anpacken. Beispielsweise ist es denkbar, für das Eigenheim in fünf Jahren „nur“ 1500 Euro bereitzustellen. Die restlichen 500 Euro fließen von Anfang an zu gleichen Teilen in Anleihen und Aktien. Dann kommen unter dem Strich andere Zahlen heraus. In fünf Jahren werden auf dem Sparkonto nur 92 000 Euro stehen, so dass ein Kredit von 308 000 Euro notwendig sein wird.

Alternativen abwägen

Für die Verzinsung und Tilgung dieses Betrages werden in Zukunft lediglich 1500 Euro zur Verfügung stehen. Folglich wird die Tilgung bei einem Zinssatz von 4 Prozent fast 30 Jahre dauern. Die beiden Sparverträge, hier die Anleihen, dort die Aktien, werden der Familie, wenn die Prognosen von 3 und 6 Prozent stimmen, zusätzliches Kapital von 424 000 Euro einbringen. Das ist etwas weniger als bei der ersten Lösung, bei der 443 000 Euro herausgekommen sind. Die 19 000 Euro sind kaum der Rede wert, weil sie heute keine 9000 Euro wert sind.

Viel wichtiger als die Jagd nach Zinsen ist der nüchterne Blick auf das Machbare. Das kann wie im vorliegenden Fall zu langen Gesichtern führen. Monatslöhne von 7000 Euro mit der Aussicht, dass die Einkommen wegen Kindern sinken, und Kredite von 300 000 Euro sind heikle Kombinationen. Kaum verheißungsvoller sind die Alternativen. Häuser auf dem Land mögen billiger sein, doch der Kauf und der Unterhalt eines Zweitwagens gehen ebenfalls ins Geld.

Kompromisse eingehen

Der Weg zum Erfolg wird letzten Endes die Summe kleiner Kompromisse sein. Das junge Ehepaar schränkt den Konsum ein und erhöht die Sparraten um 15 Prozent. Der Mann sieht zu, dass er beruflich in die Gänge kommt. Die Frau gibt das Schreiben nicht auf. Beim Eigenheim werden Abstriche gemacht. Und bei der Gestaltung der Geldanlagen setzt die Familie auf einfaches Sparen, Tilgen und Anlegen. Das Modell ist einfach und sicher, weil die einzelnen Bausteine leicht zu überschauen sind.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

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