Die Auswahl von Geldanlagen wird nicht im Kopf, sondern im Bauch getroffen. Das gilt in besonderer Weise, wenn Eigenheim, Inflation und Steuern im Spiel sind. Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat vor wenigen Wochen bestätigt, dass Eigenheime zur Zeit die liebste Anlage der Deutschen sind. Mit Vernunft hat das wenig zu tun, weil die Rentabilität vieler Objekte miserabel ist. Trotzdem wird mit dieser Anlage viel Stabilität verknüpft, welche den Kapitalmärkten offenbar nicht mehr zugetraut wird. Die neuen Schulden, welche viele Staaten in den vergangenen Jahren gemacht haben, treiben zahlreiche Anleger um, und sie habe die Sorge, die Zeche mit ihrem Vermögen bezahlen zu müssen.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Häuser und Wohnungen, auf Pump gekauft, im Moment eine Renaissance erleben, frei nach dem Motto: Liegenschaften bleiben bestehen, und Schulden verschwinden. Wer die Ängste und Hoffnungen der Anleger freilich in Zahlen packt, wird sich über die Folgen aber wundern, so zum Beispiel auch in folgendem Fall.
Eigenheim statt Börsenspekulationen
Ein 45 Jahre alter Anleger, erfolgreich, vermögend und verheiratet, steht vor der Überlegung, wie er sein Haus finanzieren soll. Das gute Stück soll etwa 600.000 Euro kosten, und die Bezahlung ist kein Problem. Der Mann hat durch Erbschaften und Tüchtigkeit rund 800.000 Euro auf verschiedenen Konten.
50.000 Euro liegen auf dem Girokonto. 150.000 Euro sind in Bundesschatzbriefen angelegt. Die offenen Immobilienfonds sind 150.000 Euro wert. Die Aktien stehen bei 500.000 Euro und sind das große Hobby des Anlegers. Im vergangenen Jahr ging es an der Börse wieder einmal kräftig nach oben, und der Investor ist guter Dinge, mit den Papieren in Zukunft viel Geld verdienen zu können.
Das sieht die Frau des Anlegers anders. Sie hält von der Börse nicht viel. Statt dessen will sie ein Eigenheim. Das eigene Dach über dem Kopf sorgt in der Ehe seit Jahren für Zündstoff. Die Frau möchte Haus und Garten, der Mann will weiter zur Miete wohnen. Doch die Entscheidung fällt für das Haus.
Kredit oder nicht?
Nun geht es nur noch um die Frage, wie das Vorhaben finanziert werden soll, und da zeigt sich, dass auch die Dame des Hauses zum Zocken neigt.
Der einfachste Weg wäre die Barzahlung des Hauses. Das wird in zwei Vermögensplänen deutlich. Im oberen Teil (siehe Tabelle) werden das Bargeld, die Anleihen, die Immobilien und drei Fünftel der Aktien benutzt, um das Haus in kleinen Scheinen zu bezahlen. Damit besteht das Vermögen aus zwei Posten. In dem Haus stecken 600.000 Euro, und in dem Aktiendepot ruhen 200.000 Euro. Wie werden sich beide Anlagen in den nächsten 20 Jahren entwickeln?
Naturgemäß gibt es auf diese Antwort keine sichere Antwort, doch wer mit Verstand an die Strukturierung der Finanzen herangeht, muss seine Vorstellungen in Zahlen ausdrücken.
Am Ende winken 2.070.000 Euro
Die Anleger haben sich auf drei Eckwerte verständigt. Die Inflation beträgt 4 Prozent pro Jahr. Die Löhne steigen jedes Jahr um 2 Prozent. Im selben Maße sollen die Werte der Immobilien klettern. Bei den Aktien wird mit einer Verzinsung von 8 Prozent pro Jahr gerechnet. Kredite kosten im selben Zeitraum jährlich 5 Prozent. Das würde in 20 Jahren zu einem Endwert des Hauses von 892.000 Euro führen.
Wenn die Aktien im selben Zeitraum jährliche Erträge abwerfen, die zur Hälfte aus Kursgewinnen bestehen, werden die 200.000 Euro auf 438.000 Euro klettern. Im letzten Jahr fallen die Aktien jedoch auf 375.000 Euro, weil der Fiskus ein Viertel der Kursgewinne abschöpft. Folglich wird das ganze Vermögen bei 1.267.000 Euro liegen. Zu diesem Wert kommen die jährlichen Überschüsse der Familie hinzu.
Das Ehepaar verdient, wie bei den Einnahmen und Ausgaben deutlich wird, netto 100.000 Euro pro Jahr. Die Aktien bescheren durch die Dividenden zusätzliche Einnahmen von 15.000 Euro pro Jahr. Davon abzuziehen ist der Konsum. Hier wird mit 70.000 Euro kalkuliert, so dass etwa 44.000 Euro übrigbleiben. Der Überschuss schwindet durch die Inflation im Laufe der Zeit auf 13.000 Euro.
Trotzdem kommen, wenn die Überschüsse mit jährlich 2 Prozent verzinst werden, weitere 803.000 Euro zusammen. Dadurch winkt am Ende des Berufslebens ein Gesamtvermögen von schätzungsweise 2.070.000 Euro.
Es geht abenteuerlich zu in deutschen Haushalten
Der Endwert ist der Dreh- und Angelpunkt für alle Alternativen. Hier steht die Aufnahme eines Kredits von 600.000 Euro zur Diskussion. Das heißt im Klartext, dass das Ehepaar die bestehenden Geldanlagen nicht anrührt. Weder werden die Anlagen aufgelöst, noch werden die Verträge umgeschichtet. Es bleibt einfach alles beim Alten.
Nur kommen das Eigenheim und der Kredit hinzu. Das mag in den Augen mancher Betrachter abenteuerlich sein, doch wer hinter die Kulissen privater Haushalte sieht, wird irgendwann lapidar feststellen, dass es in vielen Häusern tatsächlich abenteuerlich zugeht.
Im vorliegenden Fall geht es, um das in aller Deutlichkeit zu sagen, ausschließlich um Gefühle. Frau will ihr Haus, Mann will seine Aktien, und Frau und Mann haben Angst vor Inflation und Währungsreform. Daher gilt das alte Motto: Rein in die Sachwerte, zur Not auch mit Hilfe von Krediten, die Geldentwertung wird es schon richten.
Die Chancen und Risiken sind entscheidend
Das ist aber ein frommer Wunsch, wie ein Blick auf den großen Zahlenfriedhof verrät. Der zweite Endwert beträgt 1.977.000 Euro und liegt um 93.000 Euro unter dem ersten Endwert.
In Zahlen bedeutet die Differenz, dass es egal ist, wofür sich das Ehepaar entscheidet. Die beiden Lösungen liegen so eng beisammen, dass der Unterschied kaum der Rede wert ist. Ganz anders wird das Urteil jedoch ausfallen, wenn die Chancen und Risiken betrachtet werden, die hinter beiden Ansätzen stecken.
Differenz zu gering für das Risiko
Die erste Lösung ist ganz einfach. Das Vermögen besteht zu drei Vierteln aus dem Eigenheim und einem Viertel aus den Aktien, und die ganze Geschichte wird zu 100 Prozent mit Eigenmitteln bezahlt.
Im Vergleich dazu ist die zweite Lösung ein großes Rad. Das Privatvermögen setzt sich zusammen aus Bargeld (4 Prozent), Anleihen (11 Prozent), Immobilien (50 Prozent) und Aktien (35 Prozent). Das sieht zwar nach Streuung der Risiken aus.
In Wahrheit ist das Vermögen aber zu 43 Prozent auf Schulden aufgebaut. Das muss kein Beinbruch sein, doch im vorliegenden Fall lohnt sich die Mühe nicht einmal in Ansätzen, weil die Differenz von 93.000 Euro viel zu gering ist. Der Unterschied spielt keine Rolle.
Die Krise ist bereits vergessen
Das Beispiel zeigt in aller Deutlichkeit, dass viele Anleger ihr Vermögen in starkem Maße auf Hoffnung aufbauen. Der Ansatz ist im besten Sinne des Wortes menschlich. In vielen Fällen stellt sich nur die Frage, ob diese Menschen wissen, was sie tun.
Was bewegt Anleger, drei Viertel ihres Vermögens in ein Haus zu stecken, was veranlasst Privatleute, die angeblich auf Sicherheit bedacht sind, mit Aktien und Krediten zu hantieren? Es sind und bleiben, um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu unterstreichen, einfach nur Gefühle.
Die Anleger werden von Banken und Vermittlern bei ihren Träumen tatkräftig unterstützt. Geld billig aufnehmen, und Kapital teuer anlegen. Das hat noch nie funktioniert, doch der Glaube, dass es doch einmal klappen könnte, ist offenbar nicht auszurotten.
Die letzte Krise, die auf diesem Trugschluss aufgebaut hat, ist gerade mal zwei Jahre alt, doch die alten Zinsdifferenzgeschäfte blühen weiter wie in alter Zeit. Folglich ist es auch nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Krise kommen wird.
Dritte Fallstudie waere interessant
Za Pateau (porompom)
- 07.03.2010, 03:47 Uhr
Und das Fazit ?
Josef Renze-Westendorf (RenzeWestendorf)
- 07.03.2010, 12:59 Uhr
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- 07.03.2010, 15:14 Uhr
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Paula Pichler (PaulaPichler)
- 07.03.2010, 18:42 Uhr
Haben Sie Aktien Herr Looman?
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- 07.03.2010, 19:55 Uhr