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Vermögensfrage Bausparverträge für junge Leute mit Geld

15.03.2010 ·  Erst Schein auf Schein, dann Stein auf Stein - dieser alte Grundsatz hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Anleihen und Sparbriefe mit kurzer Laufzeit werfen zwar höhere Zinsen ab, enthalten aber keine Zinssicherheit bei der Kreditaufnahme.

Von Volker Looman, Reutlingen
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Bausparverträge sind Spaltpilze. Da gibt es auf der einen Seite glühende Anhänger, die das Bausparen über den grünen Klee loben: einfach, gut, sicher! Und es gibt auf der anderen Seite fanatische Gegner, die Bausparverträge mit allen Mitteln bekämpfen: altmodisch, schlecht, teuer! Die gegensätzlichen Standpunkte werden dem Bausparen freilich nicht gerecht. Erstens hat der alte Grundsatz, erst Schein auf Schein, dann Stein auf Stein, nichts von seiner Gültigkeit verloren, und zweitens kommt es wie bei allen Finanzprodukten auf den Einzelfall an. Was für einen Anleger gut ist, kann für einen anderen von Nachteil sein.

Dazu folgendes Beispiel: Eine junge Ärztin ist 30 Jahre und hat vor wenigen Wochen geheiratet. Sie ist attraktiv, gut ausgebildet und auch in finanzieller Hinsicht eine gute Partie. Sie hat rund 300.000 Euro mit in die Ehe gebracht. Das Geld stammt aus einer Beteiligung, welche die Medizinerin vor fünf Jahren von ihren Großeltern bekam. Momentan liegt diese Summe auf einem Festgeldkonto, das mit 0,75 Prozent pro Jahr verzinst wird. Das ist nicht viel, und der Kundenbetreuer der Hausbank hat schon mehrere Anläufe unternommen, um den Betrag in Investmentfonds umzuschichten.

In vier Jahren Anspruch auf eine zinsgünstige Hypothek

Seine Absicht war für die junge Frau jedoch leicht erkennbar, so dass sie keine Probleme hatte, den „Verlockungen“ zu widerstehen. Schließlich ging es um Gebühren von 15.000 Euro, und das war der Anlegerin zu viel Geld. Außerdem hatte und hat sie kein Interesse an Anleihen und Aktien, weil ihr Kapital der Grundstock für ein Haus sein soll. Es wird 600.000 bis 700.000 Euro kosten und soll in drei bis vier Jahren gekauft werden. Da ist im Augenblick guter Rat teuer. Die Erträge des Festgeldes sind gering, doch die alternativen Zinsen - beispielsweise von Sparbriefen - sind auch nicht gerade berauschend.

In dieser Situation kann, so langweilig sich der Vorschlag anhören mag, ein „schneller“ Bausparvertrag durchaus eine Überlegung wert sein. Schnell bedeutet in diesem Fall, dass ein Schnellspartarif gewählt und das Mindestsparguthaben auf einen Schlag eingezahlt wird. Dadurch werden zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Das Geld wird sicher angelegt, und in vier Jahren besteht der Anspruch auf eine zinsgünstige Hypothek. Die Schnellspartarife sind unter Verbraucherschützern heftig umstritten, doch wie Sparen und Kreditwünsche miteinander kombiniert werden sollten, ist von Fall zu Fall verschieden.

Beide Ansichten sind Kappes

Im nächsten Beispiel steht ein Vertrag mit einer Bausparsumme von 600.000 Euro zur Diskussion. Das lässt das Herz jedes Vertreters höher schlagen, weil eine Abschlussgebühr von einem Prozent oder 6000 Euro winkt. Teils ist dieser Betrag per Überweisung zu bezahlen, teils kann er dem Guthaben entnommen werden. Im zweiten Fall gehen folglich 294.000 Euro in den Spartopf. Die Verzinsung beträgt 1 Prozent pro Jahr. Davon bleiben nach Abzug der Abgeltungsteuer genau 0,73625 Prozent übrig, so dass nach vier Jahren ein Betrag von 302.754 Euro auf dem Konto stehen wird. Das führt unter dem Strich zu einer jährlichen Rendite von 0,23 Prozent und ist Wasser auf die Mühlen der Gegner der Bausparkassen.

Das jährliche Viertelprozent ist jedoch nur die erste Hälfte der Geschichte. In vier Jahren besteht die Möglichkeit, einen Kredit über 297.246 Euro aufzunehmen. Er kostet jährlich 3,75 Prozent und läuft 13 Jahre. Dafür sind die monatlichen Raten von 2400 Euro verantwortlich, in denen Zins und Tilgung enthalten sind. Das heißt im Klartext, dass dieser Bausparvertrag die Finanzierung eines Objektes im Wert von 600.000 Euro ermöglicht und aus zwei Zahlungsstufen besteht: Anfangs sind 300.000 Euro auf den Tisch zu legen, in vier Jahren folgen 156 Raten zu je 2400 Euro. Die Anhänger des Bausparens werden den Taschenrechner zücken und entzückt sein, dass der Gesamtaufwand nur 674.400 Euro beträgt. Die Gegner von Wüstenrot & Co werden den Kopf schütteln und fragen, was einen Kreditnehmer antreiben könnte, den Kredit innerhalb so kurzer Zeit zu tilgen. Beide Ansichten sind Kappes, wie der Kölner zu sagen pflegt, weil sie der Vermögensfrage in keiner Weise gerecht werden.

Sollte die Belastung zu hoch sein, ist der Gesamtaufwand zweifelhaft

Die junge Frau hat 300.000 Euro auf dem Konto. Das Kapital ist vier Jahre sicher anzulegen. Danach muss ein Kredit von 300.000 bis 400.000 Euro aufgenommen werden, und die Schulden sollten so zügig wie möglich getilgt werden. Das bedeutet für die Ärztin und ihren Mann: Wenn das Haus etwa 600.000 Euro kostet und Monatsraten von 2400 Euro tragbar sein werden, ist das Bausparen sinnvoll. Sollte die Belastung zu hoch sein, ist weniger der Bausparvertrag, sondern in erster Linie der Gesamtaufwand des Eigenheims zweifelhaft, weil auch bei einer Laufzeit von 25 Jahren monatliche Raten von 1800 Euro fällig sind.

Der Vorteil des Bausparvertrages wird im Vergleich mit den Alternativen deutlich. Hier bietet sich zum Beispiel ein Sparbrief mit einer Laufzeit von vier Jahren an. Bei dieser Anlage ist keine Abschlussgebühr zu bezahlen, und die Verzinsung beträgt momentan 2,5 Prozent im Jahr. Dies führt in 48 Monaten zu einem Endwert von 322.705 Euro. Folglich ist bei einem Hauspreis von 600.000 Euro ein „freies“ Bankdarlehen von 277.295 Euro nötig. Wenn diese Hypothek wie bei der Bausparkasse mit 156 Monatsraten je 2400 Euro getilgt wird, ist bei der Bank ein jährlicher Nominalzins von 4,85 Prozent darstellbar.

Bausparen: Ein Geschäft mit zweifacher Zinssicherheit

Momentan kosten Darlehen mit einer Laufzeit von 13 Jahren etwa 4,3 Prozent pro Jahr. Wenn dieser Zinssatz in vier Jahren immer noch gilt, ist die freie Kombination günstiger. Sollte der Preis für Kredite mit einer Laufzeit von 13 Jahren über 5 Prozent steigen, ist der Bausparvertrag vorteilhaft. Damit wird deutlich, dass Bausparen ein Geschäft mit zweifacher Zinssicherheit ist. Wer den Vertrag abschließt, kann sich darauf verlassen, dass der Habenzins bei einem und der Sollzins bei 3,75 Prozent liegen wird. Im Vergleich bietet die freie Kombination, bestehend aus Sparbrief und Hypothek, nur eine einfache Zinssicherheit, weil die Höhe des Sollzinses in vier Jahren heute nicht bekannt ist.

Die Suche nach Alternativen zum Bausparvertrag ist mit der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen vergleichbar. Die jährlichen Zinssätze für sichere Geldanlagen sind zurzeit im Keller. Festgeld bringt bei einem Anlagebetrag von 300.000 Euro im Moment zwischen einem und zwei Prozent pro Jahr. Die Erträge der Sparbriefe mit Zinsansammlung bewegen sich um 2,50 Prozent pro Jahr. Die festverzinslichen Anleihen mit einer Restlaufzeit von 48 Monaten bringen pro Jahr bestenfalls 3 Prozent.

Weil die Erträge bis zur Fälligkeit zu niedrigeren Sätzen wieder anzulegen sind, sinkt die Rendite jedoch auf 2,9 Prozent, so dass die Ärztin die Sache drehen und wenden kann, wie sie will: Die Zinsen für Geld, das in vier Jahren benötigt wird, sind niedrig, und daran führen nur aktienlastige Investmentfonds vorbei. Der Einstieg in diese Anlagen kostet 5 Prozent, so dass anfangs 285.000 Euro zur Verfügung stehen. Sollen wie bei dem Sparbrief in vier Jahren mindestens 323.000 Euro erreicht werden, ist eine Nettoverzinsung von 3,2 Prozent nötig. Unter Berücksichtigung der Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent und einer Verwaltergebühr von 1,5 Prozent muss die Verzinsung auf 5,8 Prozent steigen, damit sich die Sache für die Anleger tatsächlich rentiert, sind 7 bis 8 Prozent pro Jahr notwendig. Das kann durchaus klappen. Doch wenn es klappen muss, weil in vier Jahren das Geld benötigt wird, kann es eng werden, und da ist der Spatz in der Hand vielleicht doch besser als die Taube auf dem Dach.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z.
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