17.04.2010 · Viele Anleger wissen nicht, welche Geldanlagen und Versicherungen in bestimmten Lebensfragen überhaupt sinnvoll sind. Doch wer nicht erkennt, was überflüssig ist, wird nach dem Abzug eines Vertreters um einige Verträge reicher sein.
Von Volker LoomanAkademiker von A wie Anwalt bis Z wie Zahnarzt mögen in ihren Berufen wahre Könner sein, doch beim Umgang mit Geld hapert es vielen bei der schlichten Erkenntnis, welche Verträge in bestimmten Lebenslagen notwendig oder sinnvoll sind. Dadurch kommt es bei den Abschlüssen von Geldanlagen, Krediten und Versicherungen häufig zu Pannen. Wenn die Anleger zu gegebener Zeit merken, was passiert ist, ist das Geschrei groß. Schuldig sind die Banken, verantwortlich ist der Staat, sündig sind die Versicherungen, nur sich selbst klammern Privatleute in der Regel aus. Das ist aber grobe Unsportlichkeit. Wer beim Geld nicht aufpasst, setzt sich eben der Gefahr aus, beim Verlassen der Bank um einige Euro ärmer zu sein, und wer nicht erkennt, was überflüssig ist, wird nach dem Abzug eines Versicherungsvertreters um einige Verträge reicher sein.
Ein Arzt ist 38 Jahre alt und arbeitet als Mediziner im Krankenhaus. Der Mann ist zum Leidwesen seiner Eltern nicht von der schnellen Truppe. Das Studium zog sich in die Länge, und die ersten Jahre im Berufsleben waren auch nicht gerade von Dynamik geprägt. Daher sind die Eltern froh, dass die Freundin des Sohnes vor zwei Jahren einen gewissen Schwung in die Familie brachte. Sie wurde schwanger und brachte einen gesunden Sohn auf die Welt. In der Zwischenzeit hat das Paar geheiratet. Nun ist die junge Frau wieder guter Hoffnung, und die Eltern sind guter Dinge, dass der Sohn in Kürze seine Ausbildung zum Facharzt abschließen und im Berufsleben endlich Gas geben wird. Möge das auch bei Privatfinanzen geschehen!
Es sind solide Verträge - doch ob sie passen, ist die andere Frage
Der Arzt verdient zurzeit etwa 4.500 Euro pro Monat. Damit ist er in seinem Metier und seiner Altersgruppe solider Durchschnitt. Von dem Verdienst bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern knapp 3.000 Euro übrig, und das Geld fließt jeden Monat mehr oder weniger in den Konsum. Den größten Posten stellt dabei die Miete dar. Sie beträgt einschließlich Nebenkosten etwa 1.000 Euro. In ähnlicher Höhe bewegen sich die Ausgaben für Essen, Trinken und Kleidung. Das Auto verschlingt, wenn nicht nur Benzin und Sommerreifen, sondern alle Aufwendungen berücksichtigt werden, wenigstens 300 Euro. Auf den Monat umgerechnet, müssen für die Urlaube und Wochenenden gut 400 Euro aufgewendet werden.
Damit liegt die Sparfähigkeit bei 300 Euro pro Monat. Vor diesem Hintergrund sind die 80.000 Euro, die auf den Konten des jungen Ehepaars liegen, ein kleines Wunder. Bei genauem Hinsehen offenbart sich jedoch, dass das Geld in erster Linie von den Eltern und Großeltern stammt, die den Nachwuchs immer mal wieder mit warmer Hand bedacht haben. Angelegt wurde das Geld in Investmentfonds einer Großbank, und was die jungen Leute zu diesem Schritt bewegt hat, ist nur schwer nachvollziehbar. Erstens besteht das Vermögen zu 60 Prozent aus Aktien, und da gab es in der Vergangenheit heftige Verwerfungen, zweitens kostete der Einstieg „happige“ 5 Prozent des Vermögens, und die Verwaltungsgebühren liegen auch heute noch bei 1,9 Prozent pro Jahr. Was soll man dazu sagen?
Die Deckungssumme der Privathaftpflicht darf nicht zu dünn sein
Der höfliche Beobachter wird sich in würdevolles Schweigen hüllen, und der Liebhaber klarer Worte wird sich den Mann zur Brust nehmen, weil die Überlegungen, die zurzeit in dem Haushalt angestellt werden, der Gipfel der Unvernunft sind. Soll ein Riester-Vertrag abgeschlossen werden, wie sieht es mit einer Kapitallebensversicherung aus, was ist vom Bausparen zu halten, wie sieht es mit der Basisrente aus? Die verschiedenen Produkte sind solide Verträge, doch sie passen, und das ist eben der Knackpunkt der Geschichte, hinten und vorne nicht in das Leben der dreieinhalbköpfigen Familie. Das Gebot der Stunde heißt nicht Altersvorsorge, sondern Risikoabsicherung und Eigenheimfinanzierung.
Die Versicherungen der jungen Familie sind Flickwerk. Das beginnt bei der Privathaftpflicht. Es ist schön und gut, dass das Ehepaar eine Police hat, doch die Decke von 1 Million Euro ist ein bisschen dünn. Es gibt viele Gesellschaften, die Summen von 25 oder 50 Millionen Euro anbieten und dafür nur wenig mehr Geld als bei den Standardverträgen verlangen. Nur scheint das den meisten Privatleuten nicht bekannt zu sein. Da kann an dieser Stelle nur kurz und bündig gesagt werden, dass die Deckungssumme mindestens 10 Millionen Euro betragen und die Laufzeit des Vertrages maximal zwölf Monate betragen sollte.
Besonders die Absicherung bei Berufsunfähigkeit muss wasserdicht sein
Das nächste Problem ist die Krankenversicherung. Das Ehepaar ist in der gesetzlichen Krankenkasse, und das sollte es nach Lage der Dinge auch bleiben, weil die private Krankenversicherung vor allem in finanzieller Hinsicht kaum Vorteile bietet. In der gesetzlichen Krankenkasse ist, und darum geht es im vorliegenden Fall, ein Tagegeld enthalten. Wenn der Arzt länger als sechs Wochen krank ist, fällt der Lohn weg. Dafür springt die Krankenkasse ein. Bei der Techniker-Krankenkasse gibt es zum Beispiel ein Tagegeld von 77 Euro, so dass im Monat ungefähr 2.300 Euro zusammenkommen. Das ist nicht schlecht, kann aber ein Problem werden, wenn das Nettoeinkommen von 3.000 Euro in voller Höhe benötigt wird. Daher sollte sich das Ehepaar überlegen, eine zusätzliche Versicherung abzuschließen, die bei längerer Krankheit diese Versorgungslücke schließt.
Richtig löchrig ist die Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Der Arzt hat keinen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente, weil er am 1. Januar 2001 jünger als 40 Jahre war. Genauso kann der Mediziner die Unfallversicherung, die er vor Jahren abgeschlossen hat, auf den Mond schießen, weil der Vertrag die wahren Risiken nicht abdeckt. Notwendig ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, und die muss der Arzt bei einer privaten Gesellschaft abschließen. Abgesichert werden können 90 Prozent des Nettoeinkommens. Das sind im vorliegenden Fall rund 2.700 Euro. Die Aufwendungen für solche Verträge können 200 Euro pro Monat betragen, doch der Abschluss hat höchste Priorität, weil die Familie sonst im Regen steht.
Das kann auch beim Tod des Mediziners passieren. Die Witwe wird zwar die große Witwenrente bekommen. Das sind 55 Prozent der Erwerbsminderungsrente von etwa 1.200 Euro. Hinzu kommt die Halbwaisenrente von 10 Prozent der Erwerbsminderungsrente, so dass der Staat den Hinterbliebenen mit rund 900 Euro unter die Arme greift. Das ist etwas karg, so dass die Familie selbst Hand anlegen muss. Wenn die Differenz zum Nettoeinkommen, also 2.100 Euro, für die Dauer von 20 Jahren versichert werden sollen, ist eine Versicherungssumme von 379.000 Euro notwendig, und dafür gibt es nur eine Lösung, den Abschluss einer Lebensversicherung mit fallender Deckungssumme bei einem preiswerten Direktversicherer.
Ab dem 55. Geburtstag stellt sich die Frage der Altersvorsorge
Wenn diese Verträge unter Dach und Fach sind, kann sich die Familie um die bestehenden Geldanlagen kümmern. Auch dort wird es nach dem Stand der Dinge, in zwei Jahren soll ein Haus oder eine Wohnung gekauft werden, nur eine Lösung geben: raus aus den Aktien, raus aus den Investmentfonds und rein in Festgeld oder Sparbriefe. Der Ratschlag ist aus Sicht vieler Banken und Verkäufer grober Unfug, doch bei nüchterner Betrachtung der Dinge gibt es keine Alternativen. Das Ehepaar will in naher Zukunft eine Hypothek aufnehmen, so dass es notwendig ist, die vorhandenen Mittel bis zu diesem Termin so sicher und so kostengünstig wie möglich anzulegen, um die Verschuldung zu minimieren. Folglich kommen nur Festgeld oder Sparbücher in Frage, die bei der Kreditaufnahme aufgelöst werden können.
Die Verschuldung droht für die Familie zur nächsten Falle zu werden. In zwei Jahren wird der Arzt seinen 40. Geburtstag feiern. Danach werden ihm rund 15 Jahre zur Verfügung stehen, um die Schulden zu tilgen. Natürlich könnte die Rückzahlung der Schulden gestreckt werden, doch ab dem 55. Geburtstag wird sich der Arzt mit der Frage beschäftigen, mit der er sich fälschlicherweise schon heute herumschlägt: Wie soll die Altersvorsorge aussehen?
Der erste Teil dieser Altersvorsorge ist das Eigenheim, und dagegen ist auch nichts zu sagen. Nur ist eben die Erkenntnis wichtig, dass die Kredite innerhalb von 15 Jahren zu tilgen sind. Wenn für Zins und Tilgung monatlich 1000 Euro zur Verfügung stehen, können bei einem jährlichen Zinssatz von 4 Prozent rund 135.000 Euro aufgenommen werden. Das bedeutet bei einem Eigenkapital von 80.000 Euro, dass die Wohnung nebst Gebühren höchstens 220.000 Euro kosten darf. Jede höhere Investition würde das Ehepaar ins Schleudern bringen. Aus diesem Grund ist die Hoffnung der Eltern, dass der Sohn beruflich Gas gibt, mehr als verständlich. Es ist höchste Zeit, dass der Sohn in die Gänge kommt!