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Die Vermögensfrage : Der Staat langt bei vielen Bürgern künftig doppelt zu

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Glück im Alter? Der Fiskus langt auch bei Ruheständlern zu. Bild: Achenbach&Pacini / VISUM

Wer sich in den kommenden Jahren zur Ruhe setzt, muss sein Einkommen doppelt versteuern – so sagt es eine Studie. Das ist nicht erlaubt.

          Die Politik ist zu Großem fähig. Zumindest immer dann, wenn die Richter des Bundesverfassungsgerichts der Regierung auf die Füße treten und Änderungen verlangen. Wie beispielsweise 2002. Damals hatten die Verfassungsrichter die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Renten und Pensionen für verfassungswidrig erklärt und den Gesetzgeber aufgefordert, bis zum 1. Januar 2005 ein neues Gesetz zu entwerfen. Auch wenn die Karlsruher Juristen den Bundespolitikern in der Regel größtmögliche Handlungsfreiheit lassen – in ihrem Urteil mahnten sie, bei einer Neuregelung eine doppelte Besteuerung zu vermeiden. Sie unterließen es jedoch leider, zu präzisieren, wie eine solche doppelte Besteuerung denn zu ermitteln ist. Das Bundesministerium der Finanzen handelte prompt und setzte eine Sachverständigenkommission unter Leitung von Bert Rürup ein, um die steuerrechtliche Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen neu zu ordnen.

          Ergebnis war das Alterseinkünftegesetz, das 2005 in Kraft trat. Mit ihm hat die Regierung die nachgelagerte Besteuerung und ein Stufenmodell für die Übergangsphase eingeführt. Seither fördert der Staat den Vorsorgeeifer seiner Bürger in jungen Jahren mit Steuerersparnissen und Zulagen. So können Alleinstehende im laufenden Jahr bis zu 22.767 Euro ihrer Einzahlungen in die gesetzliche Rente, in die Rürup-Rente oder berufsständische Versorgungseinrichtungen zu 82 Prozent als Sonderausgaben steuerlich verrechnen. Für Verheiratete verdoppelt sich der Betrag. Unterm Strich sind dies 18.669 beziehungsweise 37.338 Euro. Ab 2025 können Anleger ihre Einzahlungen zu hundert Prozent bis zum dann gültigen Höchstbeitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung steuerlich geltend machen.

          Doch so spendabel sich der Staat in der Ansparphase zeigt – im Alter streicht der Fiskus einen Teil seiner Förderung wieder ein. Die Auszahlungen müssen im Alter versteuert werden. Wer etwa im laufenden Jahr dem Berufsleben den Rücken kehrt, muss 72 Prozent der Auszahlungen aus der gesetzlichen Rente, berufsständischen Versorgungseinrichtungen oder der Rürup-Rente steuerlich veranschlagen. Dieser Prozentsatz steigt von Rentnerjahrgang zu Rentnerjahrgang. Wer sich 2040 oder später zur Ruhe setzt, muss die kompletten Auszahlungen steuerlich veranschlagen. Bis dahin werden auch Vergünstigungen wie Altersentlastungs- oder Versorgungsfreibetrag nach und nach abgebaut.

          Viele Arbeitnehmer müssen doppelt zahlen

          Eine aktuelle Studie des Finanzmathematikers Werner Siepe und des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters Günter Siepe über die Zweifachbesteuerung von Renten ab 2015 und Handlungsoptionen für eine Neuregelung, die dieser Zeitung vorliegt, belegt: Viele Arbeitnehmer, die sich zwischen 2015 und 2069 zur Ruhe setzen, werden vom Staat doppelt zur Kasse gebeten. Eine Zweifachbesteuerung liegt immer dann vor, wenn aus versteuerten Einkünften Beiträge in die Altersvorsorge eingezahlt werden, die im Alter dann abermals versteuert werden. Bei einem Standardrentner mit 45 Beitragsjahren werden laut Studie 2020 rund 22.000 Euro, bei Rentenbeginn 2040 rund 54.000 Euro zu viel besteuert. Doch dazu später mehr.

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