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Die Vermögensfrage : Die private Pflegeversicherung ist fragwürdig und teuer

  • -Aktualisiert am

Pflege im Heim: Wer sie im Alter braucht, muss in jungen Jahren sparen. Bild: dpa

Das Pflege-Risiko hält sich in Grenzen. Und der Preis für private Pflegeversicherungen ist hoch. Besser sind Sparverträge mit hoher Rendite.

          Wenn es um die Absicherung von Risiken geht, herrscht in Deutschland bei vielen Privatleuten große Verunsicherung. Was ist nötig, was ist sinnvoll, was ist überflüssig? Bei kühler Betrachtung der Dinge ist die Antwort eigentlich ganz einfach. Nötig ist die Absicherung bei Haftpflicht-Schäden, Krankheit, Erwerbsunfähigkeit. Die finanziellen Folgen dieser „Unfälle“ gehen im schlimmsten Fall in die Millionen, und wer diese Millionen in Form von Geldanlagen nicht auf der hohen Kante hat, ist nicht nur gut beraten, entsprechende Policen abzuschließen, sondern handelt fahrlässig, auf diese Versicherungen zu verzichten.

          Die übrigen Versicherungen sind bis auf wenige Ausnahmen überflüssig. Gebäude- und Hausratversicherungen mögen, wenn Eigenheime und Inventar vorhanden sind, durchaus sinnvoll sein. Genauso sind Lebensversicherungen vorteilhaft, wenn Angehörige zu versorgen sind. Die restlichen Policen sollten aber mit deutschem Eifer gekündigt und mit teutonischer Gründlichkeit in die Altpapiertonne entsorgt werden, weil sie Müll sind. Und was ist mit der privaten Pflegeversicherung? Seit vielen Jahren ziehen Heerscharen von Vertretern durch die Lande und verbreiten Angst und Schrecken, wie schlimm das Alter werden kann. Leider haben die Verkäufer mit ihrer Masche gewissen Erfolg.

          Die private Pflegeversicherung steht bei vielen Privatleuten, egal ob alt oder jung, hoch im Kurs, weil die Sorge umgeht, eines Tages zum Pflegefall zu werden. Was soll man dazu sagen? Angst gehört zur menschlichen Grundausstattung, doch der Versuch, Angst mit Hilfe von Versicherungen in den Griff zu bekommen, ist in der Regel zum Scheitern verurteilt. Hier bieten Verstand und Zuversicht mehr Schutz.

          Es geht bei der Pflege, so bitter die Einzelfälle sind, im Kern um vier Fragen. Erstens: Wie hoch ist der Prozentsatz der älteren Menschen, die Pflege brauchen? Zweitens: Wann wird diese Pflege nötig? Drittens: Wo werden die Menschen gepflegt? Viertens: Was kostet die Pflege pro Monat? Hier liegen, der Statistik sei Dank, klare Zahlen auf dem Tisch. Es gab 2011 in Deutschland etwa 1.965.000 Menschen, die älter als 70 Jahre waren und Pflege brauchten. Das sind 15 Prozent dieser Altersgruppe, weil 2011 in Deutschland rund 12.841.000 Menschen lebten, die älter als 70 Jahre alt waren. Die meisten Senioren werden nach ihrem 80. Geburtstag zum Pflegefall. Sie werden zu 70 Prozent zu Hause und zu 30 Prozent in Heimen versorgt. Die monatliche Pflege im Heim kostet zwischen 1600 Euro in Sachsen-Anhalt in Pflegestufe I und 3300 Euro in Nordrhein-Westfalen in Pflegestufe III.

          Die wenigen Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit, dass die Pflege im Alter ein Problem ist, doch die Pflege ist nicht das Drama, wie es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Das zeigt die Rechnung der Stiftung Warentest aus dem letzten Jahr. Etwa 55 Prozent aller Gebrechlichen sind Pflegefälle der ersten Stufe. Die Kosten für die häusliche Pflege betragen rund 1000 Euro pro Monat. Davon übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung zur Zeit rund 450 Euro. Die offenen 550 Euro müssen die Betroffenen tragen.

          Im Heim kostet die Pflege der ersten Stufe monatlich 1800 Euro. Hier werden 1000 Euro vom Staat bezahlt, und die restlichen 800 Euro sind von den Privatleuten zu bezahlen. Wenn die Pflege, so pietätlos das klingt, im Schnitt zehn Jahre dauert, summieren sich die Aufwendungen zu Hause auf 66.000 Euro und im Heim auf 96.000 Euro. Werden die Zahlungen mit jeweils 2 Prozent auf den 80. Geburtstag abgezinst, kommen Barwerte von 61.000 und 89.000 Euro heraus. Soviel Geld müssten die Leute auf ihrem Konto haben, um ihre Pflegekosten bestreiten zu können. Das mag im einen Fall viel Geld und im anderen Fall wenig Kapital sein. Die entscheidende Frage lautet freilich, ob die Lücke den Abschluss einer privaten Pflegeversicherung rechtfertigt oder nicht.

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