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Änderungen für Anleger : Diese Regeln greifen bei der Besteuerung von Investments ab 2018

  • -Aktualisiert am

Ab dem 1. Januar 2018 gilt ein neues Besteuerungssystem, das „Trennungsprinzip“. Bild: dpa

Ein Ungeheuer namens Investmentsteuerreformgesetz ändert so einiges für Anleger. Für manche Investoren besteht Handlungsbedarf.

          Warum ein Investmentsteuerreformgesetz, wenn doch bereits im Jahr 2008/2009 eine grundlegende Reform der Besteuerung von Kapitalanlagen herbeigeführt wurde? Eines der bekundeten Ziele soll die „Vereinfachung“ der Besteuerung bei Kapitalerträgen sein. Ob das erreicht wird, da mag man ein dickes Fragezeichen dahinter malen.

          Aktuell sind Kapitalerträge mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent – zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch noch der Kirchensteuer – zu versteuern. Es gilt das sogenannte Transparenzprinzip. Alle Erträge, die ein Investmentfonds erwirtschaftet, bleiben auf Fondsebene steuerfrei, werden aber für das Finanzamt nachvollziehbar ausgewiesen. Der Anleger, der die jeweiligen Fondsanteile hält, muss die anteiligen Erträge versteuern, also ähnlich wie bei direktem Investment in Wertpapiere. Das klingt zunächst einfach, war und ist aber im Detail, je nachdem welche Ertragsarten – angefangen bei Zinsen, Dividenden, Veräußerungsgewinnen, Mieten oder Optionsgewinnen – im Fonds angefallen sind, steuerlich unterschiedlich zu behandeln und damit eher kompliziert. Dazu kommt die unterschiedliche steuerliche Behandlung von ausgeschütteten und ausschüttungsgleichen Erträgen (bei Thesaurierung), Gewinnen bei der Veräußerung von Fondsanteilen, den Zwischengewinnen und der pauschalen Ermittlung von Erträgen bei intransparenten Investmentfonds. Zu letzteren zählen vor allem ausländische Investmentfonds, die keine entsprechenden Steuerdaten zur Verfügung stellen. Die daraus folgende höhere Besteuerung wurde aber als EU-widrig eingestuft.

          Ab nächstem Jahr gilt das Trennungsprinzip

          Weiterhin gilt in der aktuellen Investmentbesteuerung noch Steuerfreiheit von Veräußerungs- beziehungsweise Wertgewinnen bei „Altbeständen“ in Investmentfonds. Das bedeutet erstens: Alle Wertzuwächse, die in einem Investmentfonds erzielt werden, sind bis zur Veräußerung des Fondsanteils durch den Anleger beim Anleger steuerfrei, also keine jährliche Versteuerung der jeweiligen Wertzuwächse. Und zweitens: Bei Fondserwerb vor dem 1. Januar 2009 bleiben die bis dahin angefallen Gewinne „ewig“ steuerfrei! Insbesondere sehr vermögende Anleger haben diese Möglichkeit nutzen können, um vor diesem Stichtag Wertpapiere aus dem Depot in Investmentfonds umzuschichten oder einen eigenen Investmentfonds auflegen zu lassen, sogenannte „Millionärsfonds“. Wie man aber weiß, hat das Wort „ewig“ im deutschen Steuerrecht eine sehr kurze Verfallszeit. Das zeigt sich prägnant bei der jetzigen Investmentsteuerreform; die Versteuerung der Kapitalerträge mit dem Abgeltungssteuersatz und dem Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro sind praktisch das einzige was sich mit dem neuen Gesetz nicht ändert.

          Ab dem 1. Januar 2018 gilt ein neues Besteuerungssystem, das „Trennungsprinzip“. Bisher erfolgte die Besteuerung bei Publikumsfonds stets auf Anlegerebene. Ab Januar verlieren Investmentfonds ihre Steuerfreiheit und werden selbst, neben dem Anleger, zum Steuersubjekt. Damit müssen sie künftig Körperschaftsteuer auf bestimmte Erträge entrichten. Es kommt also zu einer Doppelbesteuerung der Kapitalerträge. Um diese Doppelbesteuerung zu mindern oder gegebenenfalls zu egalisieren, wird es zukünftig – je nach Fondsart unterschiedlich – zum Ausgleich sogenannte Teilfreistellungen der Erträge auf Anlegerebene geben. So beträgt die Teilfreistellung (im Privatvermögen) bei „Mischfonds“ 15 Prozent, bei „Aktienfonds“ 30 Prozent, bei „Immobilienfonds“ 60 Prozent und bei Immobilienfonds mit ausländischem Anlageschwerpunkt 80 Prozent. Damit diese Teilfreistellung greift, müssen Mischfonds eine Aktienquote von mindestens 25 Prozent einhalten, Aktienfonds eine von mindestens 51 Prozent und Immobilienfonds eine Immobilienquote von mindestens 51 Prozent. Im Hinblick auf die Besteuerung wird es in Zukunft also darauf ankommen, welche Quoten bei Mischfonds und insbesondere bei den bevorzugten „Vermögensverwaltenden Investmentfonds“ in den Anlagebedingungen festgeschrieben sind. Will man eine bessere Steuerquote erreichen, werden in der Folge gegebenenfalls die Freiheitsgrade der Anlagepolitik eingeschränkt. Hier wird es sicherlich zu Anpassungen kommen.

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